Der kleine Kulmbacher Literaturverein und seine Vorsitzende Karin Minet waren sehr stolz, zum 25-jährigen Bestehen den großen Kolumnisten nach Kulmbach gelockt zu haben. So war die rührige Vorsitzende hocherfreut, als sie die Zusage zu einer Lesung des Schriftstellers und Kolumnisten bekam. "Wir hatten das Glück, dass er noch in keiner anderen oberfränkischen Stadt gebucht war." Und so kam es, dass Axel Hacke, der lange als Redakteur für die Süddeutsche Zeitung arbeitete und seit über zehn Jahren freiberuflich tätig ist, am Mittwochabend nach Kulmbach in die Stadthalle kam.

Geduldig ließ er die Begrüßung von Bürgermeister Frank Wilzok und das Blitzlichtgewitter der "versammelten Weltpresse" über sich ergehen. Wunderte sich still über das Handtuch - wegen ihrer "schweißtreibenden Arbeit" - und das Halstuch, die Karin Minet von der Stadt zum Jubiläum erhielt. Um dann mit distanziertem Gesichtsausdruck in einem braunen Ledersessel Platz zu nehmen. Auf ein Glastischchen daneben stellte er einen Stapel seiner Bücher und eine, wie man später erst erfuhr, sogenannte Eckspannermappe, in der er seine Kolumnen sammelt.

"Onion Rings - Zwiebel ruft an"

Natürlich begann Hacke die Lesung mit seinem neuesten Werk "Herr Oberst zu Huhn". Darin nimmt er spitzfindig die Übersetzungsfehler auf Speisekarten auf die Schippe. Da wird aus "onion rings" - Zwiebel ruft an, aus dem Truthahn ein Drahthuhn und aus dem belegten ein "belecktes" Brötchen. Kaum zu glauben, dass solche Fehler wirklich entstehen, aber sie seien durch Leserzuschriften verbürgt, so Hacke. Das Werk ist also etwas für Sprach-Gourmets, die sich auf dieses "hohe Niveau des Irrtums" einlassen wollen. Aber nicht der Mensch allein hat diese sprachliche Speisenverstümmlung verbrochen: Hacke führt sie vielmehr auf schlechte Software zurück, die gerne Substantive mit Verben verwechselt und falsche Synonyme zuordnet. Und so können aus "Spaghetti Carbonara" schon mal "Isolationsschläuche nach Köhlerart" werden. Wer die rätselhaften Übersetzungen nicht versteht, muss die Bestellung einfach wagen.

Erst im zweiten Teil lockerer

Obwohl er das Publikum schon nach wenigen Minuten begeisterte und immer wieder zu Lachsalven hinrieß, verzog Hacke keine Miene. Erst im zweiten Teil der Lesung nach der Pause wurde er lockerer, lachte selbst an manchen Stellen mit. Er las aus "Das beste aus meinem Liebesleben" und ausgewählte Kolumnen - über Eltern, die andere Eltern erziehen, Adjektiverfinder, die als Weinhändler auftreten, Skiverletzungen beim Pinkeln oder Automaten-Passbilder, die dem Porträtierten leichenhafte Züge verleihen.

Nach einer Wumbaba-Hitliste der lustigsten Verhörer aus Schlagern und Popsongs kam noch eine kleine Hommage an Kulmbach: Denn, Kenner wissen es längst, in Hackes "Wumbaba"-Buch kommt die Plassenburg mit ihrem Flaggenhof vor. Was einer mit "Flagge hoch" verwechselte. Großer Applaus für den langsam in die Jahre kommenden Entertainer mit der spitzen Feder. Und obwohl er nicht "Alään Dölon" ist, standen die Damen später am Büchertisch Schlange.

Foto: Kos