Nach der Flucht Ukrainerin hat schnell Arbeit gefunden

Kerstin Goetzke
Olha Pylypchuk ist mit ihren Kindern aus der Ukraine geflohen und unterrichtet nun an der Pegnitzer Mittelschule eine ukrainische Klasse in Englisch. Foto: Kerstin Goetzke Foto:  

Bereits seit kurz nach der Flucht unterrichtet die 40-jährige Olha Pylypchuk aus der Ukraine an deutschen Schulen als Englisch-Lehrerin.

Sie ist froh, dass sie eine Wohnung in Pegnitz gefunden hat: „Jetzt beginnt für unsere kleine Familie ein neues Leben“, sagt Olha Pylypchuk. Bislang pendelt die Ukrainerin von Waischenfeld nach Pegnitz, um an der Christian-Sammet-Mittelschule zu unterrichten. Dabei ist das nicht der weiteste Weg, den sie bislang zurückgelegt hat.

Auf der Flucht vor dem Krieg ist sie Ende Februar etwa 1700 Kilometer gefahren. „Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit Deutschland und weiß nicht, wie ich hier gelandet bin. Aber ich bin dankbar, dass ich jetzt hier bin“, sagt die 40-Jährige, die fast ihr ganzes Leben in der Stadt Korosten im Norden der Ukraine gelebt hat. Mit ihren beiden Kindern will sie nun ein neues Leben starten. Die ersten Schritte hat sie bereits getan: So unterrichtet sie seit Anfang April, hat eine Mietwohnung gefunden und lernt Deutsch. „Ich bin Mutter, Lehrerin und Schülerin“, fasst sie es zusammen. Denn sie spricht zwar gut Englisch, aber kaum Deutsch. Deshalb sitzt sie mit ukrainischen Schülern im Deutsch-Unterricht. Zu Hause lernt sie zusätzlich mit einem Arbeitsheft.

Bald steht der Umzug bevor

Bald steht ihr und ihren beiden Kindern der Umzug von Gösseldorf nach Pegnitz bevor. „Ich bin dankbar, dass wir diese Wohnung gefunden haben. Sie ist perfekt für uns“, sagt die Lehrerin erleichtert. Dabei gefällt es ihr im Waischenfelder Umland gut, sie ist begeistert von der Natur, die sie ähnlich der in ihrer Heimat beschreibt. „Aber hier wird viel mehr auf sie geachtet“, hat sie festgestellt. Dennoch sucht sie vor allem für ihren Sohn Anschlussmöglichkeiten: Der 17-Jährige studiert online an einer ukrainischen Universität und hat kaum Kontakte, um sich zu integrieren.

Die zwölfjährige Tochter wird nach dem Umzug die Schule wechseln: Gerade geht sie noch nach Ebermannstadt. „Mal sehen, wie es dann wird, wenn ich meiner eigenen Tochter Englisch-Unterricht gebe“, sagt Pylypchuk lächelnd. Noch ein anderes „gutes Problem“ kommt auf sie zu: Sie braucht noch ein paar Einrichtungsgegenstände für die Wohnung. „Aber das ist nicht schlimm. Wir sind sicher und haben ein Dach über dem Kopf. Alles andere bekommen wir als Familie hin.“

Russische Bomben

Ihre Eltern und ihr Bruder sind noch in der Heimatstadt. Sie telefonieren meistens am Wochenende. In der Ukraine hat die Witwe an einer Art Gesamtschule Englisch und ausländische Literatur unterrichtet. In einer Klasse waren zwischen 25 und 30 Schüler. Als die ersten russischen Bomben im Land explodiert sind, hat der Schulleiter angeordnet, dass sie zu Hause bleiben sollten. „Ich konnte es nicht glauben. Wir leben im 21. Jahrhundert und haben Krieg?“, fragt sie nachdenklich. Zügig hat sie mit ihren Kindern dann das Land verlassen und ist in Richtung Westen geflohen. „Normalerweise bin ich kaum Auto gefahren, das hat immer mein Mann gemacht. Und dann musste ich plötzlich 1700 Kilometer weit fahren, um zu fliehen“, erzählt sie. Bis heute geben ihre Kinder ihr Kraft, um weiterzumachen, das betont die stolze Mutter im Gespräch mehrfach.

Mitte März sind sie in Waischenfeld angekommen und dann ging es ziemlich schnell: „Die Arbeit hat mich gefunden“, sagt sie und lächelt. Bereits ab Anfang April arbeitete sie an der Schule in Hollfeld. Dann folgte der Anruf vom Landratsamt mit der Frage, ob sie sich vorstellen könne, an der Mittelschule in Pegnitz zu unterrichten. „Und jetzt bin ich hier“, erzählt sie.

18 ukrainische Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn unterrichtet sie in Englisch. Danach verteilen sie sich – je nach Kenntnisstand – in die anderen Klassen. Während sie daheim Hausaufgaben machen, bereitet Olha Pylypchuk den Unterricht für den nächsten Tag vor, kümmert sich um ihre Kinder und lernt Deutsch – für ihr neues Leben in Pegnitz.

 

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