Leers’sche Waisenhaus Hort für arme elternlose Kinder

Stiftungsgründer Christoph Friedrich Leers erlebte den Einzug der ersten Waisenkinder nicht. Er war bereits am 14. September 1825, elf Jahre vor der Eröffnung des Waisenhauses, gestorben. Foto: red

Sechs Mädchen und zwei Jungen waren die ersten Waisenkinder, die am 12. Juni 1936 in das Leers’sche Waisenhaus in St. Georgen einzogen. Vier weitere gemeldete Knaben erfüllten nicht die notwendigen Bedingungen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das ehemalige Wohnhaus abgerissen und in seiner bis heute erhaltenen Gestalt neu errichtet.

Bayreuth - Am 12. Juni 1836 war es soweit: elf Jahre nach dem Tod des Stifters Christoph Friedrich Leers und knapp vier Jahre nach dem Ableben seiner Frau Mariane Catharine wurde das Leers’sche Waisenhaus in ihrem Wohnhaus St. Georgen 85 eingeweiht. Nach dem Gottesdienst in der Ordenskirche zog man in das Waisenhaus, wo die ersten acht Bewohner ihre erste Mahlzeit einnehmen durften.

Sechs Mädchen und zwei Jungen, alle arme elternlose Kinder, waren die ersten Bewohner: Marie Sophie und Albertine Friederike Aufsfeld; Eleonore Barbare Sophie Ehrhardt; Friederike Wilhelmine Ganzmann; Kunigunde Johanne und Margarethe Dorothea Weber sowie Christian Ernst Langenbucher und Johann Neuner. Warum nur zwei Jungen? Im überlieferten Büchlein über die Einweihung wird erklärt, dass vier Knaben, die zur Aufnahme angemeldet waren, „wegen Mangels der vorgeschriebenen Eigenschaften nicht aufgenommen werden“ konnten und „daher diese vier Stellen, bis sich geeignete Subjekte finden, zur Zeit noch unbesetzt bleiben“.

Was die „aus rechtmäßiger Ehe entsprungenen“ Kinder, zwischen neun und 13 Jahre alt, erwartete? Das Stifterehepaar verfügte, dass die Knaben „zu gottesfürchtigen, rechtschaffenen, geschickten und brauchbaren Bürgern zum Besten der Gemeinde und des Staates heranzubilden“ seien. Die „armen und mutterlosen Mädchen aus rechtmäßiger Ehe“ sollen zu „musterhaften Dienstmägden“ herangebildet und auf ihren künftigen „Beruf als Hausfrauen und Mütter möglichst gut vorbereitet“ werden.

Ob die Vorgaben auch wirklich umgesetzt wurden, ist fraglich. Im Fundus des Stadtarchives finden sich zwei Akten, die auf das Gegenteil schließen lassen: 1845 wird gegen den Waisenrat Tobis Wittmann ermittelt wegen seiner Behandlung und Verpflegung der Waisenkinder. 1860 gibt es eine Untersuchung gegen den Waisenhausvater Friedrich Herding wegen Behandlung der Zöglinge. In diesem Jahr, hat Rainer-Maria Kiel recherchiert, legten drei Jungen im Dachgeschoss Feuer. Der Wiederaufbau dauerte bis 1864.

Ende des 19. Jahrhunderts wird das Gebäude abgerissen und bis 1902 neu errichtet. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf rund 60.000 Reichsmark.

Der nächste Beitrag über das Leers’sche Waisenhaus befasst sich mit der ältesten Bayreuther Kinder- und Jugendbibliothek, die Stifter Leers hinterlassen hat und die heute in der Unibibliothek steht.

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