Leergut geht aus Brauer für höheres Pfand auf Bierkästen

Symbolfoto: dpa

LEUPS/BREITENLESAU. Das Pfand auf Bierkästen muss dringend erhöht werden. Seit 40 Jahren hat sich beim Preis nichts getan. Schon im April hatte Georg Rittmayer, Brauer aus Hallerndorf bei Forchheim, einen Vorstoß in diese Richtung angekündigt. Jetzt scheint der Präsident des Verbands Privater Brauereien Bayern Ernst machen zu wollen: Mit 40 anderen Brauereien im Rücken plant er ab März kommenden Jahres das Pfand für einen Kasten Bier auf sechs Euro zu erhöhen. Und selbst das Umweltbundesamt begrüßt die Initiative. Auch Brauereien in der Region halten eine Anhebung des Pfandpreises für mehr als überfällig.

„Ich steh da absolut positiv dazu“, sagt Stephan Wolfring von der Brauerei Gradl aus Leups. Mit dem aktuellen Pfandpreis – 3,10 Euro pro Kasten – „ist das für mich ein Draufzahlgeschäft“.

Etwa alle zwei Jahre kauft Wolfring an die 500 Kästen samt Flaschen zu: „Das kostet mich im Schnitt 4000 bis 5000 Euro.“ Da kann sich jeder selbst ausrechnen, dass die Brauereien mehr investieren als sie zurückbekommen.

Denn da liegt das eigentliche Problem: In den vergangenen 24 Jahren habe die Brauerei an die 7500 Kästen neu erworben, maximal 4000 davon seien zurückgekommen, erklärt Stephan Wolfring. Der Rest sei irgendwo abhandengekommen. „An Wirtschaftlichkeit ist da nicht zu denken.“

"Käufer bekommen das Pfand ja wieder zurück"

Bei 3,10 Euro sei der Ansporn vielleicht nicht so groß, das Leergut zurückzubringen, schätzt er: „Neun Euro tun mehr weh. Aber die Käufer kriegen das Pfand ja wieder zurück.“ Und aus Gesprächen mit seinen Kunden weiß er, dass sich die meisten durchaus bereit zeigten, mehr zu zahlen.

Konrad Krug vom Krug Bräu aus Breitenlesau kann dem nur zustimmen: „Alles was pfandtechnisch nach oben geht, seh ich positiv.“ Der Kunde sei bereit, mehr auf den Tisch zu legen, ist zu Krug sicher, aber er verstehe nicht, warum sich die deutsche Brauwirtschaft da nicht einig werde: „Der Rittmayer kämpft da wie ein Wahnsinniger.“

Momentan decke der Pfandpreis nicht einmal die Hälfte der Anschaffungskosten. Zu den Kästen die kaputt und schmutzig zurückkommen und nicht mehr verwendbar seien, kämen auch die Kisten, die im Keller verstauben. „Oder für Möbel oder sonstwas hergenommen werden.“ Ein höherer Pfandpreis würde auch zu mehr Wertschätzung beim Käufer führen: „Selbst bei sechs, sieben Euro wäre schon einiges getan.“

Ein Problem für die vielen kleinen Brauereien seien auch die beliebten Euro-Flaschen, erklärt Konrad Krug. Lange hätte sie neben den sogenannten NRW- oder Longneck-Flaschen der Brauereikonzerne ein Schattendasein geführt. „Aber jetzt ist die Flasche attraktiv.“

Flasche teurer als das Pfand

Und austauschbar, weil sie eben in fast jeden Bierkasten passt. Die Hersteller kämen mit der Produktion nicht mehr hinterher. „Der Flaschenpreis ist mittlerweile von 11,5 Cent auf 13 Cent gestiegen“ – und das bei acht Cent Pfand.

Die Kulmbacher Brauerei will sich zu diesem Thema nicht äußern. Und auch bei der Brauerei Maisel gibt man sich vorsichtig. „Es braucht keine sechs Euro Pfand für einen Bierkasten“, sagt Hermann-Josef Boerger, Geschäftsführer im Vertrieb.
Mit dem Mehrwegsystem sei man zufrieden.

Sein Wunsch: „Ein einheitlicher Pfandsatz für alle Flaschen.“ Nämlich 15 Cent. Das zahlt der Käufer für eine Bügelflasche, für die klassische Bierflasche sind es acht Cent Pfand. „Allerdings das ist vom System her nicht umsetzbar“, erklärt Boerger.

Daran scheitere eben auch ein höherer Pfandpreis für Kästen. „Für das Anliegen der kleinen Brauereien habe ich aber absolutes Verständnis.“

 

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