Leben retten wie im richtigen Leben

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Herzinfakt: Der Mann rutscht vom Sofa, liegt auf dem Boden des Wohnzimmers. Die alarmierten Notfallsanitäter sind nach wenigen Minuten vor Ort, beginnen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Jeder Handgriff sitzt, der Mann überlebt. Die Lebensretter waren nie zuvor in diesem Wohnzimmer, doch sie kennen diese Situation, haben sie in ihrer Ausbildung immer wieder geübt. Im Wohnzimmer der Berufsfachschule für Notfallsanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Am Mittwoch wurde in deren Gebäude in der Weiherstraße der Rettcampus eröffnet.

Schnelle Hilfe: Die angehenden Notfallsanitäter (von links) Max Wunderlich, Marvin Greuther und Marcel Thein retten dem Herzinfarktpatienten das Leben, während „Ehefrau“ Josefine Hopisch um das Leben der Puppe bangt. ⋌Foto: Ronald Wittek Foto: red

Seit Herbst 2014 werden in der Berufsfachschule des BRK-Kreisverbandes Männer und Frauen zu Notfallsanitätern ausgebildet, die in absehbarer Zeit die Rettungsassistenten ersetzen. Ihr Vorteil: Aufgrund ihrer Ausbildung können und sollen sie Aufgaben übernehmen, die den Rettungsassistenten verwehrt sind und noch immer nur von (Not-) Ärzten erfüllt werden dürfen. Dafür bedarf es einer fundierten Ausbildung, die in der Berufsfachschule erbracht wird und ab sofort noch eine Steigerung erfährt. Denn im sogenannten Rettcampus können die Schüler die Versorgung von Notfallpatienten unter realistischen Bedingungen erlernen. "Ganz praxisnah", wie es der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes, Klaus-Günter Dietel, beschrieb. Praxisnah heißt, dass die Räume im Erdgeschoss des Gebäudes auf einer Fläche von 600 Quadratmeter umgestaltet und neu möbliert wurden. So befinden sich dort neben dem beschriebenen Wohnzimmer eine Küche, ein Schlaf-, ein Kinder- und ein Badezimmer, eine komplette Wohnung also. "Wir können hier jede häusliche Notfallsituation nachspielen", erklärte Kreisgeschäftsführer Peter Herzing. "Die Rettung eines Notfallpatienten im Badezimmer ebenso wie die in der engen Toilette."

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Doch Notfälle ereignen sich nicht nur im häuslichen Umfeld. Deshalb befinden sich in den ungebauten Räumen auch eine Schreinerwerkstatt, die Umkleidekabine eines Sportheims und das Pflegezimmer eines Altenheimes. Nicht zum Feiern, sondern zum Üben wurde auch eine Gaststätte mit Diskothek eingebaut. Und üben können die Schüler auch die Übergabe des Patienten vom Rettungsfahrzeug ins Krankenhaus. Einer Rettungswagenkabine gegenüber liegt ein Schockraum. Natürlich sind auch diese wie  alle übrigen Räume vollständig, wie im wirklichen Leben eben, eingerichtet. Abgerundet wird das Ausbildungsangebot durch ein nagelneues  Cabrio, das BMW gespendet hat und das in einem eigenen Raum, in dem eine Verkehrsunfallsituation simuliert wird, seinen Platz findet. Die Einrichtung dieses Verkehrsunfallraums wird noch durch die Fahrerkabine eines Lastwagens, ein Motorrad und Fahrräder ergänzt. Ein Grill- und ein Kinderspielplatz folgen in den kommenden Monaten.

Rund 250.000 Euro hat sich der BRK-Kreisverband die Einrichtung des Rettcampus kosten lassen. Eine Summe, die nur durch die Unterstützung der Stiftungen der Sparkasse und der Versicherungskammer Bayern sowie der Oberfrankenstiftung gestemmt werden konnte. Jede Stiftung hat 30.000 Euro beigetragen. Auch zahlreiche Betriebe der Region hätten durch Sachspenden die Einrichtung dieses "außergewöhnlichen und zukunftsweisenden notfallmedizinischen Trainingsareals", so Dietel,  ermöglicht.

Mit dieser Einrichtung würden die Rahmenbedingungen der Schule deutlich verbessert, betonte Landrat Hermann Hübner. Für die Schüler bedeute das aber auch: "Üben, üben, üben."