Landwirte arbeiten bis zu 18 Stunden am Tag Maisernte hält die Bauern auf Trab

Von

Herbstzeit ist Erntezeit. Die schweren Maschinen rollen bis spät in die Nacht. Gerade jetzt hauen die Bauern mächtig drauf, denn für sie steht im Moment sehr viel auf dem Spiel.

Die Maisernte beschert den Bauern lange Arbeitstage. Foto: Archiv Foto: red

Reinhard Sendelbeck und Robert Böhner, Landwirte in Gottsfeld und Meyernreuth, haben lange Arbeitstage hinter sich und ebenso lange noch vor sich. Beide bauen Mais für ihre Kühe an, Böhner auch für seine Biogasanlage. Die Maisernte beschert ihnen bis zu 18 Stunden Arbeit am Tag. Nur sechs, vielleicht sieben Stunden Schlaf hat Reinhard Sendelbeck in den vergangenen Tagen bekommen, wie er sagt.

Nach der Werbung weiterlesen

"Mais und Gras bilden den Winterfuttervorrat für die Betriebe", sagt Johannes Scherm, Geschäftsführer des Maschinenrings. Für die Landwirte geht es deshalb um viel, wie Scherm erklärt. Und die Ernte zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist genau richtig, wie er sagt. Der Mais ist nicht zu feucht und nicht zu trocken. Er weist eine Trockensubstanz von 30 bis 35 Prozent auf und hat damit die richtigen Eigenschaften, um im Fahrsilo eingelagert zu werden. Zudem ist die Witterung stabil und trocken. Größere Niederschläge würden jetzt nur stören. Sie gingen zu Lasten der Futterqualität und der Auto fahrenden Bürger. "Von sich aus wird der Landwirt eine Schlammschlacht vermeiden wollen", sagt Scherm.

Er rechnet vor, wie die extreme Arbeitsbelastung in diesen Tagen zustande kommt: In einem Viehbetrieb von durchschnittlicher Größe fallen pro Person und Woche 35 Arbeitsstunden pro Woche allein für die Tierhaltung an. Dazu kommen in diesen Tagen noch die Maisernte, die Bestellung des Wintergetreides, die Gülleausbringung und die Winterfurche, die Vorbereitung der Äcker auf den Winter. Scherm: "Unter zwölf Stunden geht's nicht aus". Maisernte und Aussaat bescheren den Bauern gegenwärtig Tage mit 16 bis 18 Stunden Arbeit. Die großen Maschinen rollen nicht selten bis spät in die Nacht, Scheinwerfer beleuchten die Felder.

Nach Angaben des Amtes für Landwirtschaft bauen 770 von 1800 Betrieben im Raum Bayreuth Mais an. Sie bewirtschaften dafür fast 7000 Hektar. Zur Maisernte rollen 13 Lohnunternehmer mit bis zu 20 Häckselern durchs Bayreuther Umland. Verstärkung kommt aus den benachbarten Regionen dazu. In der Regel bringen die Lohnunternehmer wenigstens ein oder zwei Transportfahrzeuge mit. Meistens schaffen die Landwirte den gehäckselten Mais aber selbst vom Feld auf ihre Höfe. Reinhard Sendelbeck konnte sich dabei auf die Hilfe seiner Nachbarn verlassen. Brachten die Gespanne früher zwölf bis 15 Kubikmeter pro Fuhre heim, so fassen die modernen Anhänger bis zu 50 Kubikmeter. Gesamtgewicht der imposanten Gespanne: 35 Tonnen.

Die Kapazitäten der Häcksler haben sich in den zurückliegenden Jahren verzehnfacht. Schaffte früher der Einreihenhäcksler einen Viertel Hektar pro Stunde, so schneidet und hackt das moderne Großgerät heute pro Stunde 2,5 Hektar. "Wenn Sie die zehnfache Menge bewegen wollen, dann brauchen Sie auch eine andere Transporttechnik", erklärt Johannes Scherm die rollenden Ungetüme auf den Straßen.

Trotz der hohen Arbeitsbelastung in diesem Tagen winken die Landwirte Sendelbeck und Böhner ab. Von Stress kann keine Rede sein. "Alles eine Frage der Organisation", sagen beide. 

"Ende nächster Woche ist die Maisernte im Bayreuther Umland weitgehend abgeschlossen", so Scherm. Der Ertrag ist gut, die Qualität passt. Genug Futter für Kühe bei Sendelbeck und Böhner. Der Winter kann kommen. Doch Mutter Natur wird den Bauern weiter Druck machen. Denn wenn der Mais drin ist, muss das Wintergetreide raus. Die Tage werden für Sendelbeck und Böhner nicht kürzer.