Das habe nichts mit der aktuellen Entscheidung von Hübner zu tun, sagt Stefan Unglaub, Sprecher der SPD-Fraktion im Kreistag: „Wir machen uns da schon länger Gedanken, wie wir das Thema angehen, seit Monaten.“  Wer da ins Rennen gehen könnte, sei allerdings längst nicht beschlossene Sache.

Letztlich seien alle Optionen denkbar – jemand aus der Garde der Mandatsträger, ein ganz neues Gesicht, einer, der von außen kommt. Auch die Möglichkeit, dass sich mehrere Gruppierungen auf einen Kandidaten einigen und diesen gemeinsam unterstützen, müsse man in Betracht ziehen. Denn Fakt sei: „Durch den Schritt von Hermann Hübner werden die Karten völlig neu gemischt.“ Unter Druck sieht Unglaub die SPD nicht, „aber bis Mai sollte dann schon eine Entscheidung fallen“.

Hümmers Favorit heißt Frühbeißer

Noch früher sieht Fraktionssprecher Hans Hümmer die Freien Wähler in der Pflicht. Spätestens im März müsse Klarheit herrschen. Er selbst stehe für diese Aufgabe nach jetzigem Stand nicht zur Verfügung. Zum einen habe er da grundsätzlich keine Ambitionen, zum anderen nehme er seine Funktion als Werkleiter der Juragruppe sehr ernst. Die habe sich von einem lokalen zu einem regionalen Wasserversorger entwickelt, der in fünf Landkreisen und zwei Regierungsbezirken aktiv sei – „das gibt man nicht einfach mal so auf“.

Sein Favorit für den Posten des Landrats wäre Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Den halte er für „hoch qualifiziert“, der habe mit Sicherheit „sehr gute Chancen, gewählt zu werden“. Frühbeißer selbst, dessen Amtszeit 2020 endet, hält sich zu diesem Thema jedoch komplett bedeckt: „Im Moment gibt es von mir dazu keinen Kommentar.“ Auch nicht dazu, ob er wieder als Bürgermeister antreten wird.

Auch die Grünen werden Bewerber stellen

Manfred Neumeister, Sprecher der Grünen im Kreistag, sieht seine Partie im Aufwind. Auch in der Region, „wir verzeichnen ja nicht ohne Grund einen erheblichen Mitgliederzuwachs.“ Und auch im Kreistag „sind wir angekommen, haben einiges bewegt“. Da sei es ganz natürlich, mit dem Gedanken an einen eigenen Bewerber zu spielen.

Was der Kreisvorstand – wie bei der SPD – schon geraume Zeit tue, „unabhängig von der aktuellen Entscheidung Hermann Hübners“. Wobei auch Neumeister wie Stefan Unglaub darauf hinweist: „Die Karten sind nun wirklich ganz neu gemischt.“ Für Namen sei es definitiv noch zu früh, „doch eine Lösung müssen wir natürlich schon zeitnah in der ersten Jahreshälfte finden, wir strecken jedenfalls unsere Fühler aus und führen Gesprächen mit Leuten, von denen wir glauben, dass sie in der Bevölkerung ankommen“.

CSU sieht sich nicht unter Zeitdruck

So sieht es auch bei der CSU aus. Wobei Fraktionschef Günter Dörfler keinen Zeitdruck verspürt. Zumal man nicht völlig überraschend vor einer neuen Situation stehe. Der Rückzug Hübners, dem sich Dörfler freundschaftlich verbunden fühlt, habe sich schon Ende 2018 abgezeichnet, „ich habe damit gerechnet“.  Auch bei der CSU seien noch keine konkreten Namen im Gespräch: „Wir sondieren, wir reden mit dem einen oder anderen, ob er sich vorstellen kann, 2020 anzutreten.“ All das ohne Zeitdruck. Es reiche, sich bis Mai oder Juni festzulegen. Dann sei immer noch genug Zeit für den Wahlkampf.

Hiery strebt Fraktionsstärke im Kreistag an

Das Stichwort Wahlkampf ist auch für Hermann Hiery ein wichtiges. Weil der FDP-Einzelkämpfer im Kreistag für seine Partei ein deutliches Stimmenplus bei der nächsten Kommunalwahl erreichen will: "Nur in Fraktionsstärke können wir da auch was in Gang setzen", so der 61-Jährige gestern im Kurier-Gespräch. Sollte seine Partei, deren Kreisvorsitzender er ist, ihn offiziell als Kandidat nominieren, will er diesem Ruf auf jeden Fall folgen - "vorbesprochen ist das schon".

2014 erreichte Hiery einen Stimmenanteil von 5,7 Prozent. Das schreckt ihn aber nicht ab, "das war ja der erste Anlauf". Viel hänge natürlich davon ab, welche Bewerber von den anderen Parteien aufgestellt werden. Er hofft, "dass da der Kompromiss nicht vor der Qualität steht". Weil man damit den Landkreis nicht voranbringen können, "das würde der Wähler auch merken". Er geht davon aus, dass sich bereits in den bald anstehenden Reden zum Haushaltsentwurf abzeichnen werde, "wer sich da wie positioniert".