Landratsamt wirbt um Verständnis: Die Menschen können sich mit den Tieren arrangieren – Staatlicher Fonds zahlt Großteil der Schäden 100 Biber besiedeln den Landkreis Bayreuth

Von Peter Engelbrecht

„Die Menschen können sich mit dem Biber arrangieren.“ Davon ist Ralf-Dieter Freude, Fachkraft für Naturschutz am Landratsamt Bayreuth, überzeugt. Rund 100 Biber leben aktuell im Landkreis, schätzt er.

Biber nagte Baum am Roten Main in Creußen. Foto: Silz Foto: red

Die guten Reviere seien längst besetzt, in schlechten Revieren würden ständig Tiere „der Natur entnommen“, also von Vertretern des Landratsamt gefangen. Biber sind streng geschützt, ihre Tötung ist verboten. Bei gravierenden und nicht anders lösbaren Konflikten mit Landnutzern können jedoch Fang und Tötung genehmigt werden. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde.

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Probleme gebe es vereinzelt mit der Landwirtschaft, berichtet Freude. Äcker und Wiesen würden häufig bis an die Gewässer heran genutzt. Die Biber untergraben die Flächen, so dass Maschinen einbrechen können. Oder sie stauen die Drainagen an, so dass diese versanden und die Agrarflächen nicht mehr entwässern können. „Fängt man einen Biber weg, kommt ein neuer nach“, berichtet Freude. Um beispielsweise Maisfelder zu schützen, verleiht das Landratsamt elektrische Weidezäune. Biber sind reine Vegetarier, sie werden bis zu 30 Kilogramm schwer und bis zu 1,35 Meter lang.

Biberfonds zahlt

Um Schäden von Bauern, Waldbesitzern und Teichwirten auszugleichen, gibt es einen bayerischen Biberfonds, der jährlich 350.000 Euro auszahlt. 2011 wurden im Landkreis Bayreuth Schäden von 11.600 Euro gemeldet, 2012 waren es 11.100 Euro und im vergangenen Jahr 6100 Euro. Die ausgezahlten Quoten liegen zwischen 75 und 80 Prozent.

Der Biber wurde 1867 in Bayern ausgerottet. Das erste Tier im Landkreis Bayreuth tauchte vor Jahrzehnten im Bereich Haidenaab bei Speichersdorf auf. Probleme gebe es aktuell im Bereich Tressau-Kirchenpingarten, berichtet Erich Porsch, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz. An den dortigen Kirchenweihern zerstörten die Tiere die Dämme. Als Gegenmaßnahmen haben sich Stahlgitter bewährt, die den Damm vor dem Durchgraben schützen sollen. „Der Biber will das gesamte Gelände überschwemmen“, weiß Porsch. Mit Landwirten gebe es keine Probleme.

Der Bauernverband schätzt die Zahl der Biber in Bayern auf 16.000 bis 20.000; sie seien flächendeckend vorhanden. Wenn sie Äcker und Wiesen untergraben, könnten landwirtschaftliche Maschinen Schaden nehmen, warnt Markus Peters von der Zentrale in München. Durch das Anstauen von Bächen könnten landwirtschaftliche Flächen überflutet werden. Der staatliche Biberfonds reiche nicht aus, rügt Peters. Die größten Schäden seien 2011 mit fast 600.000 Euro gemeldet worden. Schäden, die Gemeinden und Wasserverbänden entstehen, würden vom Fonds generell nicht bezahlt.

Neuansiedlungen sind programmiert

Da Jungtiere nach zwei Jahren ihre Familie verlassen müssen, sind Neuansiedlungen programmiert. So tauchen Biber in Gebieten auf, in denen sie seit Menschengedenken noch nie gesehen wurden, etwa im Gosenbach nahe Creußen. Dort nagen sie Stauden und dünne Bäume an. „Von größeren Schäden ist nichts bekannt“, sagt Anwohner Hans Böhm gelassen.