Landkreis wartet auf Ergebnis der neuen Berechnung der Verbundkosten bis 2019 Kulmbach im VGN: Es wird weiter gerechnet

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Die Pendler. Der Tourismus. Profitieren würden von einem Beitritt von Stadt und Landkreis Kulmbach zum Verkehrsverbund Nürnberg (VGN) einige. Der Kreistag sprach sich vor zwei Jahren dafür aus, doch es blieb bei der Absichtserklärung - wegen der hohen Kosten. Seither wird gerechnet, und das wohl noch Jahre lang.

Kulmbach will dem Verkehrsverbund Nürnberg beitreten. Aber das soll billiger sein als es jetzt wäre. Archivfoto: dpa Foto: red

„Wir packen das Thema nochmal an, der politische Wille ist da“, sagt der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. Denn der Landkreis haben viel zu bieten, könne in der Metropolregion als Genuss-, Freizeit- und Erholungsraum dienen. Er stehe dafür, dass die Metropolregion und die VGN-Region das gleiche Gebiet werden.

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Doch trotz Söllners Absichtserklärungen: Bislang ist es bei Beratungen über den Beitritt geblieben. Seit 2006, als die Kreis-SPD den Beitritt auf die Tagesordnung setzte, tauchte das Thema in 14 Sitzungen immer wieder auf. Und auch die Verkürzung der Fahrzeit von Kulmbach nach Nürnberg um zehn Minuten durch den Winterfahrplan der Bahn verleiht dem Projekt kein größeres Gewicht.

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand:

> „Die VGN-Fahrkarte ist günstiger als alle anderen“, sagt der Verbund-Sprecher Manfred Rupp in Nürnberg. Pendler aus Bayreuth zahlen beispielsweise knapp 202 Euro für ihre Monatskarte. Für 18 Euro am Tag können zwei Erwachsene mit vier Kindern durch das ganze Verbundgebiet fahren. Die Karte gilt an Wochenenden sogar an zwei Tagen, wie Rupp erläutert.

> Von der deutlichen Vergünstigung würden jährlich rund 377.000 Menschen profitieren, die mit Bahn oder dem Bus unterwegs sind, wie das Landratsamt berechnet hat.

> Profitieren würde auch der Tourismus im Raum Kulmbach. Dies zeigen die Erfahrungen, die der Verbund nach dem Beitritt der Landkreise Bayreuth und Bamberg sammelte. So kommen nun mehr Ausflügler ins Fichtelgebirge und die Bierbrauer im Raum Bamberg freuen sich über mehr Gäste, wie Rupp sagt. Der Verbund betreibt die Werbung. „Da sind wir gut aufgestellt“, so Rupp.

Die Vorteile des Beitritts sehen die Kreistagsfraktionen schon lange. Für die Kreis-Grünen brächte der Anschluss Impulse für den Öffentlichen Personennahverkehr und würde die Umwelt entlasten. „Wir halten Subventionen für den ÖPNV für sinnvoll“, so Fraktionssprecher Claus Gumprecht. Differenziert äußerst sich die Kreis-FDP: „Jede Verbesserung in der Infrastruktur ist eine Chance für uns, aber nicht um jeden Preis“, sagt Kreisrat Thomas Nagel.

Die SPD appelliert an den Kreistag

Für die SPD appellierte Hermann Anselstetter, der Kreistag möge dem Verkehrsverbund beitreten, um Zugang zur Metropolregion Nürnberg zu bekommen. Anselstetter sieht darin Verbesserungen für Pendler und Familien. Der Landkreis dürfe sich nicht abkoppeln von der Entwicklung.

Ganz anders Jörg Kunstmann von der CSU: „Wir können den Euro nur einmal ausgeben“, begründet der stellvertretende Landrat die Haltung seiner Fraktion und verweist auf hohe finanzielle Belastungen durch Schulsanierungen und Straßenunterhalt. Kunstmann weiter: „Der Kreistag muss sich überlegen, ob ihm der VGN-Anschluss das Geld wert ist.“ Wie er sagt, müsse der Landkreis mit seinen wenigen Mitteln auch innovativ und nachhaltig investieren. Dazu gehöre der VGN-Beitritt eben nicht.

Aus Sicht der Freien Wähler müsse nun ein Konzept her, wie die Kosten für den Landkreis gesenkt werden können, sagt Klaus Förster, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft aus FW und WGK. „Wir sehen hier das Land Bayern mit in der Pflicht, für gleiche Lebensverhältnisse auch für die Menschen auf dem flachen Land zu sorgen“.

Der VGN möchte die Kosten geringer halten

Fast eine Million Euro müsste der Landkreis aufbringen, um die Einnahmeverluste der Verkehrsunternehmen auszugleichen. „Eine Summe, die im Haushalt so nicht darstellbar ist“, sagt der Landrat. „Warum das für uns so teuer ist, konnte mir keiner erklären“, sagt Söllner. Allein durch den Beitritt müsste die Kreisumlage um zwei Punkte angehoben werden. Doch das würden sich die Gemeindebürgermeister nicht bieten lassen. So fragte Söllner bei der Staatsregierung zweimal nach einer „außerordentlichen Strukturhilfe“, bekam dort aberl eine Abfuhr.

Der Zug ist für Kulmbach aber noch nicht abgefahren. Söllner bekräftigt, der Kreistag strebe nach wie vor den Beitritt zum VGN an. Allerdings zu günstigeren Kosten. „Wir sind deshalb im Gespräch mit dem Verkehrsverbund.“ Dabei gehe es um eine Neuberechnung der Kosten mit anderen Partnern im Verbund. Söllner nennt die Regionen Wunsiedel, Kitzingen, Haßberge und Kronach. Dabei geht es um die dritte VGN-Erweiterungsrunde, deren Vorarbeiten für 2016 bis 2019 geplant sind. Sinken dann die Kosten doch noch, wird der Beitritt wahrscheinlicher. Söllner: „Vorher ist ein Beitrittsbeschluss im Kreistag nicht möglich.“