Landkreis setzt auf Radwege Eger-Radweg statt Malediven

Wolfgang Neidhardt
Bereits heute können Radfahrer abseits der Straßen das Fichtelgebirge auf vielen Wegen genießen. Foto: /Florian Miedl

2022 wird bei Hendelhammer ein weiteres Stück der Verbindung zwischen Main und Elbe fertig-gestellt. Auch der Perlenradweg soll dieses Jahr vollendet werden.

Radwege begleiten und verbinden große Flüsse. Und weil vier davon im Fichtelgebirge entspringen, ist die Region eine der attraktivsten für Zweirad-Freunde. An zwei zentralen Strecken werden im Laufe des Jahres Lücken geschlossen: dem Perlenradweg zwischen Oberkotzau und Asch sowie dem Eger-Radweg zwischen Weißenstadt und der Grenze zu Tschechien bei Hohenberg. Die Planungen erläuterten Sebastian Köllner, Radverkehrsbeauftragter des Landkreises, sowie Landrat Peter Berek vor der Presse.

Klimaschutz im Sektor Verkehr

„Lieber Eger-Radweg statt Malediven“: Auf diesen Nenner brachte Köllner den Trend zum Aktiv-Urlaub im eigenen Lande: „Die Zahl der Radfahrer hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht.“ Und der Ausbau reizvoller Strecken decke erwiesenermaßen zugleich den größten Handlungsbedarf beim Klimaschutz im Sektor Verkehr ab. „Wir wollen hier beweisen, dass dies im ländlichen Raum funktioniert.“ Landrat Berek ergänzte: „Wir wollen die Leute weg vom Auto auf das Rad bringen. Die Radwege sind für Touristen, Bürger und zugleich für Pendler ideal.“ Und er lobte seinen engagierten Mitarbeiter: „Der brennt regelrecht bei diesem Thema.“

Ein Beispiel dafür: Köllner hat vor vier Jahren einen Fördertopf aus einem Programm Klimaschutz aufgetan, aus dem er bis heute bei den Planungen für den Eger-Radweg schöpft. „Eine weitere schwierige Aufgabe bewältigte er, indem er die verschiedenen Fördertöpfe koordiniert hat, um für uns das Optimale herauszuholen.“ Schließlich sei es auch nicht immer ganz einfach, dem Naturschutz und Wasserrecht ge-recht zu werden und mit Grundstücksbesitzern zu verhandeln. „Ihnen sind wir zu großem Dank verpflichtet.“

Baumaßnahme Perlenradweg

Am Perlenradweg könnte zumindest eine Baumaßnahme in diesem Jahr starten: die Verbindung von Rehau nach Eulenhammer. Die Route von Selb-Plößberg, wo der Radweg heute endet, in Richtung Asch soll voraussichtlich im kommenden Jahr auf bestehenden Wegen, weitestgehend westseitig entlang der Ortsumgehung von Erkersreuth geschehen und beim ehemaligen Gasthof „Waidmannsheil“ in Wildenau die Staatsstraße queren. Noch offen sind zum einen die Anbindung an den – übrigens in diesem Jahr zehn Jahre bestehenden – Brücken-Radweg in der Stadt Selb sowie die Fortsetzung der Route auf tschechischem Gebiet. „Wir versuchen, den Kontakt nach Asch zu intensivieren.“ Die Planer im Landratsamt Wunsiedel freuen sich über gutes Feedback aus den Rathäusern von Schönwald und Rehau.

Noch mehr als auf dem Perlenradweg soll in diesem Jahr entlang der Eger passieren. Der Eger-Radweg verläuft topografisch günstig von Ost nach West durch den gesamten Landkreis und verbindet dabei Städte, Gemeinden und deren Ortsteile. Darüber hinaus stellt er den Lückenschluss im europäischen Fernradwegenetz her und hat daher auch für den Radtourismus große Bedeutung.

Neue Brücke

Bereits vergeben sind beim Eger-Radweg die Bauaufträge für den Ausbau der knapp 2,4 Kilometer langen Verbindung zwischen der Staatsstraße bei Schwarzenhammer/Brückenradweg über Hendelhammer in Richtung Wellertal bis zu dem bereit ausgebauten Weg bei Leupoldshammer. Und dort wird auch bereits gebaut. Während der Baumaßnahme muss der Weg entlang der Eger gesperrt werden (siehe Info-Kasten). Für zwei weitere Passagen läuft die Ausschreibung: ein Abschnitt im Stadtgebiet von Marktleuthen sowie die landschaftlich besonders reizvolle Verbindung zwischen Franken und Röslau. Hier, am Triebwerkskanal beim Eger-Wasserfall, wird heuer noch eine Brücke asphaltiert.

Bereits seit dem Herbst steht eine neue Brücke kurz vor der Grenze zu Tschechien, zwischen Fischern und dem Wallenstein-Radweg. Einige Formalien stehen hier noch aus, deshalb wurde sie bisher noch nicht offiziell eingeweiht. Eine weitere Verbindung zwischen beiden Ländern stellt in der Nähe von Pomezi/Mühlbach eine Ponton-Brücke dar. Sie knüpft an den tschechischen Radweg an, der entlang der verschwundenen Dörfer die von Eger/Pomezi kommende Strecke mit der Hammermühle bei Hohenberg verbindet.

Lücken werden geschlossen

Bleiben zwei weitere Passagen zum endgültigen Lückenschluss: Die Strecke zwischen Röslau und Neudes und die zwischen der Königsmühle und der Massemühle bei Sommerhau. Diese Route soll, entgegen früheren Planungen, nun auf der Südseite entlang der Staatsstraße Selb – Hohenberg verlaufen und hinter der Massemühle an den bestehenden Radweg nach Hohenberg anknüpfen. Das heißt: Der Radweg führt zur Gänze an der Nordseite des Flusses entlang und wird die Eger nicht mehr auf der Brücke beim Gasthaus „Egerstau“ queren.

„Neben diesen Lückenschlüssen will der Freistaat Bayern noch weitere Strecken ergänzen“, erläutert Sebastian Köllner: im kommenden Jahr die Verbindung Tröstau – Wurmloh und damit vom Brücken- zum Fichtelnaab-Radweg, ferner die Strecken Selb – Marktleuthen entlang der Staatsstraße, Vordorf – Meierhof sowie von Thölau bei Marktredwitz zum neuen Edeka-Gelände. „Dort sollen ja bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt werden – und ein Großteil von denen kann dann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.“ Für den Landrat ein weiteres klassisches Beispiel für den Grundsatz: „Wir schließen das Netz an Radwegen für Urlauber und unsere Bürger.“

Umleitung wegen Sperrung
Weil es im Egertal vom 1. Juni an gleich zwei Baustellen geben wird, muss der Weg zwischen der Staatsstraße bei Schwarzenhammer/Einmündung Brückenradweg und der Staumauer bei Leupoldshammer ab 30. Mai gesperrt werden. Gebaut wird das Stück des Eger-Radweges, befestigt und saniert werden muss die Brücke bei der Mündung des Selbbaches in die Eger. Die Umleitungsstrecke beginnt bei den Fischteichen zwischen Hammergut und Schwarzenhammer, führt dann einen Kilometer lang konstant relativ steil bergauf in Richtung Osten zur alten Hammerstraße und über den Herrgotts-stein nach Hendelhammer. Von hier geht es durch den Ort, dann ein kleines Stück bergauf und auf dem Forstweg südlich der Eger bis zum Stauwerk Leupoldshammer .
 

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