Landkreis Kulmbach Die Sommerwelle rollt

Melitta Burger
Die AHA-Regeln zu beachten empfiehlt das Kulmbacher Landratsamt Foto: picture alliance/dpa/Daniel Karmann

Die Hoffnung, dass Corona jetzt abebbt, hat sich zerschlagen. In Kulmbach hat die Inzidenz die Marke von 500 überschritten. Das Landratsamt appelliert an die Verantwortung.

Ein unbeschwerter Sommer, während dessen man Corona einfach mal vergessen kann, wird es nicht. Das steht jetzt schon fest. Nachdem die Inzidenz bis Ende Mai beständig zurückging und mit 170,8 auf einem Tiefpunkt angekommen war, geht es seither wieder stetig aufwärts. Am Montag lag der Wert bereits wieder bei 481,6, am Dienstag war mit 512,2 nochmals eine Steigerung zu verbuchen. Und das, sagt Oliver Hempfling vom Kulmbacher Landratsamt, dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein, denn genaue Zahlen weiß nach dem Wegfall von fast allen Einschränkungen keiner mehr. Zum PCR-Test entweder beim Arzt oder im Testzentrum in der Flessastraße kommen meist nur noch die, die spürbare Symptom haben. Wer besser dran ist und seine Bestätigung mittels Selbst- oder Schnelltest hat, bleibt laut Hempfling oft einfach zu Hause. Diese Fälle fließen nicht in die Statistik ein. Damit dürfte die Zahl der aktuell Infizierten noch deutlich über der amtlich erfassten liegen.

Doch auch die bekannten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Landkreis Kulmbach ist in Bayern schon wieder auf Platz 20. Mit seinem Inzidenzwert von mehr als 500 liegt das Kulmbacher Land zwar noch deutlich unter der Region Erlangen, wo gerade die Inzidenz bei fast 1300 liegt. Aber: Kulmbach ist jetzt wieder in der zweithöchsten Kategorie angelangt. „Nach einem entspannten Sommer sieht es leider gerade nicht aus“, sagt Oliver Hempfling. Die hohe Ansteckungsfähigkeit von Omikron und den Subvarianten mache sich deutlich bemerkbar. „Die hohen Temperaturen und die Tatsache, dass sich vieles im Freien abspielt, wirken sich nicht so positiv aus wie das in den vergangenen beiden Sommern der Fall war.“

Prognosen abzugeben sei schwer, sagt Hempfling, der während des Katastrophenfalls Leiter des Stabs am Landratsamt gewesen ist. Fakt sei: Die Zahl der Tests in der Abstrichstelle in der Flessastraße nehme wieder zu. Auch von den Arztpraxen kommen wieder mehr positive Ergebnisse. „Das ist ein Indiz dafür, dass auch eine Infektion mit Omikron nicht immer ganz glimpflich verläuft, sondern dass es Bedarf an ärztlicher Behandlung gibt.“

Man müsse davon ausgehen, dass die Coronazahlen in Kulmbach tatsächlich weit höher liegen als die amtlich erfassten. „Gleichzeitig gibt es keinerlei Schutzmaßnahmen mehr, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Insofern ist einmal mehr jeder Einzelne gefragt, Verantwortung zu übernehmen und sich zu überlegen, wie er sich verhält.“ Die Maske kommt wieder ins Spiel. Jeder müsse sich überlegen, ob er nicht doch wieder in Innenräumen freiwillig zu diesem Schutz greift. Auch die weiteren Empfehlungen, Abstand zu halten, die Hände regelmäßig zu desinfizieren und Räume gründlich zu lüften, legt Hempfling den Menschen nahe.

Auch mit Blick auf die Todesfälle und schweren Erkrankungen in den vergangenen Wochen erinnert Hempfling an die Impfung. „Auch wenn wir zwischenzeitlich wissen, dass eine Impfung nicht vor der Infektion schützt, so schützt sie dennoch vor schweren Verläufen. Deswegen ist es jetzt die Zeit, den Impfstatus upzudaten.“ Hempfling spricht die dritte Impfung und für diejenigen, denen das von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird, auch die vierte Impfung an. Damit könne man seinen Schutz für die kommenden drei Monate erhöhen. Danach seien angepasste Impfstoffe angekündigt. „Dann werden die Karten neu gemischt. Es ist zu hoffen, dass die Impfbereitschaft mit den auf Omikron zugeschnittenen Impfstoffen wieder zunimmt, damit wir diese Welle nicht noch höher in den Herbst hineintragen.“

Wie sich die Ausbreitung weiter entwickelt sei eine Frage der gesellschaftlichen Einstellung zu der aktuellen Situation. „Das Wegfallen der Einschränkungen stellt eine Art Turbo für unser gesellschaftliches eben dar. Das ist auch verständlich, weil vieles einfach zwei Jahre gefehlt hat.“ Gesetzliche Maßnahmen müssten immer fundiert sein. Man müsse die Verhältnismäßigkeit berücksichtigen und das Persönlichkreisrecht jedes Einzelnen. Was sich Hempfling wünscht: Dass vom Gesetzgeber wenigstens die Weichen gestellt werden, damit im Fall der Fälle reagieren kann. „Wir können das immer nur umsetzen.“ Der Gesetzgeber müsse sich überlegen, wie er sich juristisch präpariert, damit die Diskussion nicht erst begonnen wird, wenn es zu spät ist und „wir der Welle hinterherlaufen.“ mbu

 

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