Stundenausfälle und Quarantäne Lage in Schulen der Region noch beherrschbar

Frank Heidler
Der Unterricht bei geöffneten Fenstern ist im Winter unmöglich. Aber in immer mehr Klassenzimmern stehen Lüftungsgeräte. Foto: dpa/Robert Michael

Grundschulen im NK-Verbreitungsgebiet sind – bisher – keine Corona-Hotspots. Das ergab eine aktuelle Umfrage bei Schulämtern in den Nachbarlandkreisen Bayreuth, Am­berg-Sulzbach und Nürnberger Land.

Pegnitz - Zwar gibt es hierzulande keine schlagzeilenträchtigen Schüler-Inzidenzen von über 1000. Dennoch sind die Grundschulen mit durchwegs ungeimpften Kindern sowie Lehrer und Schulleiter sehr wohl durch die Auswirkungen der seit zwei Jahren laufenden Pandemie gebeutelt.

„Bei uns ist Corona-bedingt kein Unterricht ausgefallen“, beschied die Bayreuther Landkreissprecherin Karen Görner-Gütling auf die Redaktionsanfrage kurz und bündig. An Landkreisschulen (also ohne Gymnasien) sei in den vergangenen vier Wochen wegen der Pandemie „kein Unterricht ausgefallen“.

Zur Lage an Grund- und Mittelschulen stellte die Kreissprecherin nach Rücksprache mit dem Schulamt weiter fest: „Seit Schuljahresbeginn waren an acht Standorten Klassen in Quarantäne/Isolation.“

Die gute Nachricht für den Raum Bayreuth: Unter Lehrkräften gab es wegen der Pandemie „keine überproportionalen Krankheitsfälle“ – im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit.

Ein differenzierteres Bild zeichnet das Bayreuther Schulamt in einer eigenen Presseerklärung der Schulräte Werner Lutz (Schulamtsdirektor) sowie seiner Mitarbeiter Petra Rauh und Martin Richter

„Es gibt in unseren Schulamtsbezirken nur noch sehr wenige Schulen, an denen weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrkräfte betroffen sind.“

„Vereinzelte Infektionsfälle“

Auf Nachfrage ging die Behörde auch auf die Lage an der Schule Betzenstein und Plech ein. „Leider verzeichnen wir auch an der Grundschule Betzenstein-Plech vereinzelte Infektions- und Quarantänefälle.“ Aktuell befinde sich dort „aber keine komplette Klasse in Quarantäne“. Krankheitsbedingt könne es aber im Landkreis trotzdem „zu Problemen bei der Versorgung der Klassen kommen“. Den Schulen im Landkreis stünden dann unterschiedliche Maßnahmen zur Vermeidung von Unterrichtsausfall zur Verfügung, wobei Vertretungen hauptsächlich durch mobile Reserven, nebenamtliche Lehrkräfte oder Aushilfslehrkräfte geleistet würden.

Vorsorglich hieß es bei einer möglichen weiteren Ausbreitung der Pandemie im Raum Bayreuth: „Bei extremem Personalausfall kann es unumgänglich sein, Randstunden abzusagen, um für alle Klassen den Kernunterricht aufrechterhalten zu können“.

In aller Kürze antwortete die Auerbacher Grundschul-Rektorin Gabriele Appl umgehend zur Lage. Bisher an Corona erkrankt seien ausschließlich Schulkinder. Und fügte hinzu: „Seit dem Schuljahresbeginn war und ist keine Klasse in Quarantäne.“ Zufrieden stellte Appl weiter fest: „Wegen Corona ist in diesem Schuljahr noch keine einzige Unterrichtsstunde ausgefallen.“

Ausdrücklich machte die Auerbacher Schulleiterin deutlich: „Keine einzige Lehrkraft war oder ist aktuell von der Pandemie betroffen oder ist in Quarantäne.“ Was für die Rektorin der Grundschule auch ein Beleg für den „Erfolg der erfolgten Impfungen und der im Kollegium sogar täglich durchgeführten freiwilligen Testungen“ sein könnte.

Von zum Teil erheblichen Unterrichtsausfällen berichtete der fachliche Leiter des Schulamtes im Landkreis Nürnberger Land, Schulamtsdirektor Joachim Schnabel. Wörtlich erklärte er zur Situation in der jetzigen vierten Corona-Welle: „In den letzten vier Wochen waren 22 Schulklassen in Quarantäne, davon sind noch acht in Quarantäne.“ Wie er weiter erläuterte, seien an Grund- und Mittelschulen in den „letzten vier Wochen rund 30 Stunden an insgesamt 38 Schulen mit 407 Klassen ausgefallen“.

Zu den möglicherweise überproportionalen Krankheitsfällen unter Lehrkräften in Sachen Corona sagte er jedoch lediglich: „Es gibt vor allem Beschäftigungsverbote für schwangere Lehrkräfte, dies betrifft bei uns circa 20 Lehrkräfte, die allesamt durch mobile Reserven ersetzt werden müssen.“

Keine allzu guten Nachrichten hatte er zu Corona-bedingten Unterrichtsausfällen. Schulamtsdirektor Schnabel: „Derzeit fallen einzelne Stunden aus.“ Im Bereich von „Werken und Gestalten“ fielen auch ganze Kurse über einen längeren Zeitraum aus.

Die weitere Pandemieentwick­lung an Schulen beurteilt der Schul-Experte kritisch: „Es liegt im Bereich des Möglichen, dass künftig auch noch mehr Stunden ausfallen werden, da die Personaldecke inzwischen extrem dünn ist und nahezu alle mobilen Reserven im Einsatz sind“.

Die viel zitierte „Pandemie der Ungeimpften“ ereignet sich im Wesentlichen offenbar nicht unter den durchwegs ungeimpften Grundschülern (meist sechs bis elf Jahre alt). Das zeigen aktuelle Infektionszahlen der Nachbarlandkreise Bayreuth, Amberg-Sulzbach und Nürnberger Land. So wurden vom Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch für die Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen im Landkreis Bayreuth knapp 290 Fälle sowie bei den 15- bis 34-Jährigen deutlich mehr, nämlich 867 Fälle gemeldet.

Auch für den Landkreis Amberg-Sulzbach gab es moderate Zahlen bei den Fünf- bis 14-Jährigen: rund 260 Fälle. In der nächsten Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen ist es dagegen fast das Vierfache: über 900 Fälle.

Stärker von Corona betroffen scheint der Landkreis Nürnberger Land. Schon die Fünf- bis 14-Jährigen kommen hier auf eine Fallzahl von jenseits der 500er-Marke. Und in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen wurden vom RKI sogar mehr als 1400 Fälle gemeldet. fh

 

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