Sunrise Avenue und Samu Haber. Seit mittlerweile über zehn Jahren sind die Finnen im Geschäft. Und noch immer - oder immer mehr - auf dem aufsteigenden Ast. Was auch damit zusammenhängen mag, dass Mädchenschwarm und Bandleader Samu Haber mit seinen Auftritten in der deutschen Fernsehlandschaft längst Kultstatus erlangt hat. Nicht nur wegen seiner witzigen Dialoge in natürlichermaßen nicht immer einwandfreiem Deutsch.

Am Samstag gaben sich die finnischen Poprocker im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion die Ehre. Und die Leute kamen artig, um ihnen zu lauschen. Vorneweg: Die Interaktion mit dem Publikum vernachlässigte Haber dann leider doch etwas. Nicht ganz so arg, wie früher schon gesehen, aber zum großen Kommunikator auf der Bühne wird der 39-Jährige nicht mehr werden. Schade, den dass ist eine der Facetten, die den 1,93-Hünen doch so beliebt machen.

Das Positive daran: Es ist auch schon das Einzige, was man dem Blondschopf - wenn man denn unbedingt will - negativ ankreiden kann. Der Rest eines Konzertabends war durch die Bank gelungen. Zum einen aufgrund einer vorbildlichen Organisation im Umfeld (was man heutzutage nicht mehr so oft erlebt!) und zum anderen aufgrund einer spielfreudigen und gut aufgelegten Band rund um den omnipräsenten Sänger im Vordergrund.

Einen guten Draht scheint Sunrise Avenue auch zu Wettergott Petrus zu pflegen. Da singen sie den ganzen Abend immer wieder von Regen und Sturm. Und was passiert? Pünktlich mit Konzertbeginn verzieht sich der heftig aufziehende Sturm und beschert gut 15.000 Menschen einen Gig in lauer Sommernacht (auch wenn es später dann doch abkühlte).

Die Gekommenen mussten das nicht bereuen: Auf der "Fairytale"-Tour präsentieren Sunrise Avenue eine feine Best-of-Sache. Nahezu alle Tophits der vergangenen zehn Jahre spielten Sunrise "Fucking" Avenue (so die Bezeichnung der Band auf der Setlist) und überraschten dabei mit dem ein oder anderen Track, der nicht an jedem Abend den Weg auf die Setlist findet ("Stormy End") und mit musikalisch perfekten Einlagen. Da ist an allererster Stelle "Out of tune" zu nennen. Keyboarder Osmo Ikonen rückt da komplett in den Fokus. Der begnadete Tastenbearbeiter darf in einem fünfminütigen Solo-Gig, untermalt von einer herrlichen Lasershow sein Talent beweisen. Hervorragend! Ein Part, der bei jedem Elektro-Festival glatte Headliner-Qualitäten besäße, zumal Ikonen auch als Entertainer glänzt.

Doch das ist nicht das einzig bemerkenswerte an den weniger im Fokus stehenden Bandmitglieder. Die Jungs präsentieren sich als homogene Einheit, lassen ihre im poppigeren Bereich eher dezent aufblitzenden Qualitäten immer dann punktgenau und richtig gut einfließen, wenn das Set rockigere Züge annimmt. Die Balance zwischen radiokompatiblen Pop und von der Band offensichtlich auf der Bühne präferiertem Rocksound gelingt Sunrise Avenue spielend und spielerisch. Was dafür sorgt, dass keine Langeweile aufkommen mag.

: So muss heutzutage ein Liveauftritt einer Mainstreamband aussehen. Würde Haber, der auf einem Laufsteg immer wieder den Weg ins Publikum sucht, seine witzigen Dialoge auch noch aus dem Fernsehen auf die Bühne transferieren - dann wäre er nahezu kritiklos einer der ganz Großen auf den Bühnen der Republik. So ist er noch immer einer, den man immer wieder ansehen kann. Und das auch noch länger. In Schweinfurt dementierte er Trennungsgerüchte um die Band noch einmal in aller Deutlichkeit.