Nach einem erneuten Einbruch am frühen Freitagmorgen waren mehr als 20 Einsatzkräfte, darunter auch Polizeisuchhunde, dem "Waldläufer" auf der Spur. Relativ schnell kristallisierte sich ein Gebiet heraus, das die Polizisten umgehend umstellten. Hilfreich war hier vor allem der schneebedeckte Boden. Gegen 10.45 Uhr nahmen die Beamten den Mann in seinem selbstgefertigten Unterschlupf widerstandslos fest, teilt die Polizei am Mittwoch mit.

Unzählige Einbrüche

Seit Anfang 2014 trieb der Mann rund um den Kornberg sein Unwesen. Immer wieder waren vorwiegend Fischer-, Jagd- und Skihütten, Wochenend- und Gartenhäuser und Kioske sein Ziel (siehe oben "Mehr zum Thema"). Teilweise mit brachialer Gewalt öffnete er Gebäude und Behältnisse, um an seine Beute zu kommen. Überwiegend nahm er Lebensmittel, Getränke und lebende Tiere an sich. Als auch noch Kleidungsstücke, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände verschwanden, kam schnell der Verdacht auf, dass es sich bei dem Einbrecher um einen Einsiedler handeln muss, der die gestohlenen Sachen zum Überleben in der Natur benötigt.

Arbeitsgruppe „Waldläufer“
Unter Federführung der Wunsiedler Polizei nahm sich die Arbeitsgruppe "Waldläufer" der Einbruchserie an. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um ein- und denselben Täter handeln muss. Aufgrund einer gesicherten DNA-Spur konnte ein 61-jähriger Tscheche zweifelsfrei als Verdächtiger identifiziert werden. Der Mann war in der Vergangenheit bereits in Österreich in ähnlicher Weise aufgefallen. Er hat dort 2010 ebenfalls über 70 Einbrüche begangen, bevor er festgenommen wurde und für einige Monate hinter Gitter wanderte.


Immer wieder mussten die Ermittler ähnliche Einbrüche aufnehmen. An die 90 Fälle dürften auf das Konto des Waldläufers gehen. Trotz des Einsatzes von Hubschrauber, Polizeihunden und Suchtrupps blieb der Mann wie vom Erdboden verschluckt.

Festnahme im Unterschlupf
Zum Verhängnis wurde dem 61-jährigen Mann sein letzter Einbruch am frühen Freitagmorgen in eine Fischerhütte im Martinlamitzer Forst. Wie bereits im Sommer 2014, stieg er in die Hütte ein und entwendete dort Lebensmittel. Bereits kurz nach der Tat waren ihm die Ermittler allerdings schon auf den Fersen. Gegen 10.45 Uhr stießen die Einsatzkräfte auf den seit langem gesuchten Unterschlupf. Der 61-Jährige befand sich in seinem Lager und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Eine Vielzahl an Beweismitteln stellten die Einsatzkräfte im Laufe der folgenden Tage im Wald sicher. Derzeit gehen die Ermittler der gemeinsamen Arbeitsgruppe davon aus, dass der Festgenommene für etwa 90 Einbrüche in einem rund 50 Quadratkilometer großen Bereich verantwortlich ist. Dabei fielen ihm Gegenstände im Wert von etwa 3000 Euro in die Hände. Der verursachte Schaden beläuft sich auf gut 10.000 Euro. Die konkrete Zuordnung der sichergestellten Beweismittel zu den verschiedenen Tatörtlichkeiten wird noch einige Zeit andauern.

Am Freitagnachmittag führten ein Staatsanwalt und die Wunsiedler Ermittler den Mann der zuständigen Ermittlungsrichterin vor. Der von der Staatsanwaltschaft Hof erwirkte Haftbefehl wurde vollzogen. Der 61-Jährige sitzt seitdem in einer Justizvollzugsanstalt.