Kuriose Ortsnamen Weder Wasser, noch Kraut

WASSERKRAUT/CREUSSEN. In Wasserkraut hat man sich tatsächlich kaum einen Kopf darüber gemacht, warum der Ort – mit seinen 22 Häusern – so heißt, wie er heißt. „Aber Wasserkraut gibt es nur ein Mal auf der Welt. Ich habe das extra einmal gegoogelt“, sagt Hans Küffner. Verwechslungsgefahr besteht also keine oder fast keine: „In den sechziger Jahren ist unsere Post öfter in Wasserknoden gelandet“, erinnert sich Manfred Richter. Aber auch er, der gerade gemeinsam mit Küffner im Dorfgemeinschaftshaus zusammensitzt, hat nie über den Ortsnamen nachgedacht.

Zwar ist Richter hier aufgewachsen, glaubt aber: „Als Kind hab’ ich wahrscheinlich gedacht: Da ist ein Weiher und Kraut wächst auch.“ Der 75-Jährige zuckt mit den Schultern: „Also Wasserkraut.“ Mit dem Wasser ist es heute allerdings nicht mehr weit her. Ein sinkender Grundwasserspiegel und wenig Regen haben eher ein Teichlein daraus werden lassen. Denn besagter Weiher ist ein sogenannter Himmelsteich und bezieht sein Wasser hauptsächlich aus Niederschlägen. Da fällt Hans Küffner noch ein, dass der Dorfgemeinschaftsverein zur Eröffnungsfeier seines Hauses eine Fahne geschenkt bekommen hat, in der drei Wellen eingestickt waren: „Das ist ganz falsch, hat der Herr Bauriedel damals gesagt“, erinnert er sich. Damit meint er Kreisheimatpfleger Rüdiger Bauriedel, der sich anlässlich der 600-Jahr-Feier von Wasserkraut auf Spurensuche begeben hat.

Erste Erwähung 1398

Mit Bauriedels fachlicher Expertise hat sich Manfred Richter auch vorbereitet und zieht einige mit Schreibmaschine getippte Seiten und ein grünes Heftchen aus einer Klarsichthülle: Darin steht, was der Kreisheimatpfleger zum Dorfjubiläum über die Herkunft des Namens herausgefunden hat. Das war 1998, die erste bekannte urkundliche Erwähnung datiert somit aus dem Jahre 1398. „Die Schreibweise des Namens war noch nie eindeutig und klar“, hat Bauriedel festgestellt. Zum ersten Mal schriftlich fand Wasserkraut als Lehenhof zu Wachßenkraut der Rabensteiner Alexander und Adrian von Adolz Erwähnung; denn mit der Stadterhebung von Creußen 1358 hatte auch der Adel auf den einzelnen Burg- und Lehensgütern an Bedeutung gewonnen.

Name kommt eher von einer steilen Anhöhe

Laut den Recherchen des Kreisheimatpflegers hat sich der zweiteilige Name aus Wasser und Kraut seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung aus den ursprünglichen Formen Waschenkraut oder Wachßenkrautt entwickelt. Der erste Wortteil – waßen-, waßer-, wachsen- und wascher- – gehe demnach auf das altdeutsche Wort „wachs“ zurück, was sinngemäß steil bedeute: „Es kennzeichnet die steile Anhöhe zum Waldgebiet, an dem die Siedlung entstanden ist“, schreibt Rüdiger Bauriedel. Der Wortteil krautt – der nur im bayerischen Dialekt zu -kraid, -kreut und -kraut habe werden können – sei mit dem fränkischen „reuth“ gleichzusetzen. Sprich, einer Rodung.

Der schöne Ausblick ist reizvoll

Die bayerische Form ließe außerdem erkennen, dass im Wasserkrauter Waldgebiet nach dem Tod des Schweinfurter Markgrafen Hezilo die Bayern rodeten und siedelten. „Die Siedlung Wasserkraut ist deshalb eindeutig das Gereuth am Osthang des Wechselsteins“, folgerte der Kreisheimatpfleger mit Blick auf schriftliche Zeugnisse vor der ersten urkundlichen Erwähnung. So ist es auch diese Lage am Berg, die Hans Küffner und Manfred Richter nennen, wenn sie nach dem Besonderen von Wasserkraut gefragt werden. „Aufs Fichtelgebirge, den Frankenwald und den Kulm“, sagt Küffner.

Stolze Dorfgemeinschaft

Stolz ist man in Wasserkraut auch auf die Dorfgemeinschaft. Mit der Gründung des Vereins vor über 30 Jahren und dem Bau des Dorfgemeinschaftshauses seien die Bewohner sehr eng zusammengewachsen. Einst stand auf dem Grundstück das alte Feuerwehrhaus, daraus wurde zunächst ein Geräteunterstellraum und um 1993 das Dorfgemeinschaftshaus – wo die zehn Wasserkrauter Wirte nun jeden Montag im Wechsel am Zapfhahn stehen. Das letzte Wirtshaus habe schon vor dem Krieg zugemacht, sagt Manfred Richter. „Es wird erzählt, dass es auf den Grundmauern eines der Gesindehäuser des Lehenshofs gestanden hat.“ Belege dafür gebe es aber keine. Ein geschichtliches Relikt ist noch erhalten und ziert den Eingang zum Gemeinschaftshaus. Ein altes Ortsschild – dahinter wohnen übrigens Fledermäuse. „Das hing an einer alten Scheune mitten im Dorf“, erzählt Richter. Die Tafel weist Wasserkraut der Gemeinde Gottsfeld und der Gerichtsbarkeit von Pegnitz zugehörig aus. „Ursprünglich war der Text in Fraktur geschrieben, aber als das Schild aufgefrischt worden ist, hat man das nicht übernommen“, bedauert Richter.

 

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