Kuriose Ortsnamen Aalkorb: Ein wohl mehr als 1000 Jahre alter Name

NANKENDORF/AALKORB. Wer sich nicht auskennt, der fährt einfach vorbei. Nur ein kleines Schild weist an der Ortsdurchfahrt von Nankendorf auf den Abzweig nach Aalkorb hin. Es ist ein schmales Sträßchen, das sich zwischen der Wiesent auf der einen und den für die Gegend typischen Felsformationen auf der anderen Seite hindurchschlängelt. Platz für ein paar Häuser ist auch noch. Die genaue Grenze zwischen Nankendorf und Aalkorb - für den Ortsunkundigen ist sie nicht auszumachen. Schließlich geht die Straße in einen Weg über, der von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann - und der zum dortigen Wasserkraftwerk führt. Doch wie ist der Name Aalkorb entstanden?

Kurt Neuner, Dritter Bürgermeister von Waischenfeld und so etwas wie der Orts-Chronist von Nankendorf, weiß es auch nicht so ganz genau. Aber in seinem Haus hat er jede Menge alte Unterlagen, darunter auch eine kurze Chronik, die die längst verstorbene Oberlehrerin Gunda Rank einst auf ihrer Schreibmaschine verfasst hat. Und diese Chronik gibt zwei mögliche Erklärungen. Beide gehen aber davon aus, dass Aalkorb als Flurname wohl auf die Zeit zurückgeht, als die Karolinger in der Gegend herrschten - also vor mehr als 1000 Jahren.

Fische für die königliche Tafel der Karolinger

Die eine Herleitung sieht die Wurzeln im althochdeutschen hero oder horwin, was Sumpf bedeutet. Daraus sei später gehorwe und schließlich Korb geworden. Mit einem Fangkorb für Fische scheint es also erst mal nichts zu tun zu haben. Der erste Namensbestandteil dürfte aber tatsächlich auf die schlangenartigen Fische zurückgehen, die sich im einst sumpfigen Gelände rund um die Wiesent besonders wohl gefühlt haben sollen. Die Karolinger ließen die Fische wohl für die königliche Tafel, etwa im nahen Königsfeld, fangen. Eine Fischerhütte gab's wohl schon.

Aale gibt's immer noch

Lang ist's her, doch Aale gibt es hier immer noch, schwört Kurt Neuner. Es sei noch gar nicht lange her, da habe er selber welche gesehen. Und kramt gleich einen Zeitungsartikel des Nordbayerischen Kuriers von 2003 heraus - mit einem Foto, das den damaligen Fischwasseraufseher Georg Schnörer mit drei großen Süßwasser-Flussaalen zeigt, die er aus der Rechenanlage des E-Werks geholt hatte.

Dessen Bau um 1920 war es auch, der zum Verkauf der örtlichen Fischereirechte durch Berthold Schenk von Stauffenberg an eine Familie Sebald führte, erzählt Kurt Neuner. Der Graf befürchtete laut einem alten Sitzungsprotokoll, "dass das Fischwasser bei Ausführung des Unternehmens bedeutenden Schaden erleide und die Wiesent trockengelegt werde".

Erstes Haus vor 100 Jahren

1919 wurde das erste Haus im Aalkorb gebaut. "Man sagt im Aalkorb, nicht in Aalkorb", betont Hedwig Sponsel. Und sie muss es wissen. Mit ihren fast 89 Jahren wohnt sie wohl am längsten in dem kleinen Ortsteil - im letzten Haus vor dem E-Werk. Genau seit 1954, als sie ihren mittlerweile verstorbenen Mann Josef geheiratet hat. "Nach so einer langen Zeit kann man viel erzählen", sagt die Seniorin, die noch ziemlich fit ist: "Nur die Knie wollen nicht mehr so richtig."

Großbrand

Und so erzählt Hedwig Sponsel von den rund 20 Sponsels, die einmal im Aalkorb gewohnt haben: "Heute sind es noch drei." Und von der Schreinerei und Möbelfabrik Sponsel, die hier einst ihren Sitz und in den besten Zeiten fast 30 Mitarbeiter hatte. "Wir und die Brauerei Polster haben Nankendorf ernährt", sagt sie: "Alles vorbei." Denn die Brauerei hat längst geschlossen und wird gerade abgerissen, und die Möbelfabrik brannte Anfang 1965 komplett ab. "Mein Mann und ich sind aufgewacht, als die Hitze bei uns im Schlafzimmer die Fenster bersten ließ. Es war nichts mehr zu retten", erinnert sich Hedwig Sponsel. Bis dahin war die Schreinerei durchaus auch im weiteren Umfeld tätig gewesen, junge Hochzeitspaare ließen hier ihre ersten Möbel herstellen.

Heute sitzt die gelernte Schneiderin gerne auf ihrer Terrasse, die idyllisch über der im Gegensatz zu früher malerisch eingewachsenen Wiesent liegt. "Was soll schöner sein?", fragt Hedwig Sponsel, um gleich hinzuzufügen, dass sie ja aus der Stadt stammt: „Aus Waischenfeld. Da ist schon mehr los."

Die berühmten Aalkorber Wände

Wobei, an ihrem Haus kommen oft Kletterer aus aller Welt vorbei, denn die Aalkorber Wände, gleich hinter dem E-Werk, sind in der Szene bekannt. "Da kommen junge Leute aus ganz Deutschland. Oder aus Norwegen und Österreich, obwohl die da doch selber so schöne Berge haben", sinniert Hedwig Sponsel und sagt: "Manchmal halte ich ein Schwätzchen mit ihnen." Dass die Kletterwände auch Freudenhaus heißen und dort Routen warten, die nicht nur schwer sind, sondern anspielungsreich "Vorspiel", "Schöner Quicky", "Venusfalle" oder "Ejakulation" heißen, hat sie dabei nicht erfahren.

Wenn Hedwig Sponsel Abwechslung braucht, setzt sie sich von Zeit zu Zeit noch in ihr kleines japanisches Auto und fährt los. "Aber nur in die Kirche vor nach Nankendorf oder nach Waischenfeld", sagt sie lachend. Einen Wegweiser braucht sie dafür mit Sicherheit nicht.


Den ersten Teil der Serie "Kuriose Ortsnamen" lesen Sie hier.

 

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