Kurier-Wirtschaftsforum Geschenktes Geld vom Staat

Durchziehen statt rumeiern: Kai Schimmelfeder. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Wirtschaft geht auch lebendig: Erdbeerspritz zwischen Jaguar-Luxuswagen, dazu ein Mann, der Lastwagen ziehen kann. Ach ja, und seine Tricks, an Fördermittel zu kommen. Auch das ist nur was für Starke. Zum Wirtschaftsforum Spezial bei MGS waren mehr als 100 Gäste gekommen, einige mussten stehen.

Anja Sticht, die Gastgeberin, stellte die Markenwelt ihres Autohauses MGS, übrigens auch einer der größten Händler für Ford-Nutzfahrzeuge in ganz Deutschland, mit 380 Mitarbeitern und 62 Auszubildenden vor. Auch hier gehe es um Fördermittel – für Elektrofahrzeuge.

Serge Schäfers, Geschäftsführer des „Nordbayerischen Kuriers“, will, dass der Kurier auch „ein bisschen mitmacht in der Region“, quasi einer der „Motoren“ der Region, die weiter nach vorne gebracht werden sollte.

Also stellte Kurier-Mitarbeiter Hans Moos das Projekt „Karriereregion Bayreuth“ vor, das vor allem auf den Mangel an Fachkräften abzielt. 64.000 davon fehlen. „Es gibt viele Ideen, die meisten werden nicht umgesetzt“, sagte Moos.

Azubis in der Region halten

Mit Partnern aus der Wirtschaft soll das Projekt eben diese Fachkräfte gewinnen: Studenten und Azubis sollen in der Region gehalten werden, auch um solche wird geworben, die wieder hier zurückkehren sollen. Das Mittel: Standortmarketing, das die Vorteile der Region und ganz Nordbayern bekannt machen soll.

Dafür wird in der kommenden Woche ein eigenes Internet-Portal freigeschalten Ebenso soll in vielen wichtigen Jobsuchmaschinen die Region gepuscht werden. „Unser Ziel: dem Fachkräftemangel hier etwas entgegenzusetzen“, sagte Moos.

Dazu gehöre auch das „spezielle Thema“ Fördermittel, sagte Ex-Oberbürgermeister Michael Hohl. Man dürfe sich nicht auf Stadt und Landkreis verlassen. Deren Denken ende oft an der kommunalen Grenze.

Und so stellte er den Hamburger Kai Schimmelfeder vor, Deutschlands besten Fördermittel-Experten, der seit 23 Jahren Unternehmen bei Förderprojekten weltweit begleitet. Er habe mit seinem Team mehr als 10.000 Projekte geschafft – und dabei etwa zwei Milliarden Euro „an Fördermitteln bewegt“, so Hohl.

Starker Mann mit sanfter Stimme

Schimmelfeder war auch Sportler des Jahres in den 1990er Jahren und Teilnehmer an den Strongest-Man-Wettbewerben. Das sind die Leute, die Flugzeuge und Lastwagen ziehen oder schieben können.

Was der starke Mann nicht mag: aufschieben. Und schon war er bei den Fördermitteln. Schimmelfeder, ein wuchtiger Mann mit sanfter, aber sonorer Stimme, stellte diese als „Erfolgsfaktor“ vor. Doch davor stehe immer ein „Störfaktor“.

Kennt er selbst. Als kleiner, untersetzter Junge sei ihm „keine große Zukunft“ vorausgesagt worden. Acht Jahre später hat der kleine Junge schon seine erste Meisterschaft gewonnen, das war 1988. Und in der Zeitung stand etwas über den „Riesen im Powerlifting“.

Sein Rezept: „Durchziehen“, sonst „eiern Sie die nächsten 40 Jahre rum“, mahnte er die Unternehmer. Auch er machte weiter – und zog Lastwagen. Warum? „Weil Sie’s können.“ Aber er war immer noch nicht fertig. „Ein bisschen ist nichts“, ähnlich wie beim Kampf um Fördermittel. Auch der junge Schimmelfeder machte weiter und drückte 32 Sack Zement mit den Beinen nach oben, 800 Kilogramm.

5113 Förderprogramme gibt es europaweit, über eine Billion Euro an Zuschüssen stehen bereit. „Geschenktes Geld vom Staat.“ Allein die KfW habe im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Euro an Unternehmen ausgezahlt. „Grundsätzlich ist jedes Unternehmen förderfähig“, sagt Schimmelfelder.

Aber es muss vorher durch den Förder-Dschungel: Vom zinsgünstigen Kredit über Bürgschaften bis hin zu Haftungsfreistellungen, vom Investitions- über den Projekt- bis hin zum Innovationszuschuss. Der erste Nachteil: Die Unternehmen müssen hin, „von selber kommen die nicht“.

Bayern als Schlaraffenland der Förderungen

Der zweite Nachteil: Die Anträge müssen vor der Investition gestellt werden und es kann monatelang dauern, bis das Geld da ist. Vorteil der Region: „Bayern ist das Schlaraffenland der Förderungen“, sagt der starke Mann.

Ab 1. August gibt es das Programm Digitalbonus plus, das gibt es nur in Bayern. Entweder für Investitionen in Infrastruktur oder in Sicherheit. Das gibt es zwar auch bundesweit, aber dort gibt es nur ein Drittel vom bayerischen Zuschuss. Noch ein Nachteil: 88 Fördergesetze gibt es EU-weit, in Deutschland sind es 1463. Der Vorteil: Die Liste der Firmen, die Geld bekommen hat, ist öffentlich. Ideal also für die Konkurrenz.

Letztlich gibt es fast keinen Bereich, für den es keine Fördermittel gibt – man muss sie nur finden. Start-up – aber klar. Start-up mit bestehenden Firmen kombinieren, auch klar. Entwicklung, Energie, Unternehmenskauf, Digitalisierung, selbst der Kauf eines Grundstücks sind nur einige Beispiele.

„Wenn Sie keine Zuschüsse nutzen, betrügen Sie sich selbst“, warnte der starke Mann die Unternehmer. Sein Tipp: Jede Investition auf möglich Förderungen überprüfen. Und dann nicht verzichten. Sein Credo: „Es geht wesentlich mehr, als du jetzt glaubst.“

Die Frage ist, was muss man tun, um das Geld zu kriegen? „Durchhalten“, sagte Schimmelfeder, ohne Selbstzweifel. Auch wenn es weh tue, so wie bei seinen 800 Kilogramm auf den beiden Beinen. Und auch ein bisschen Werbung macht er und pries die Internet-Seite www.Bit.ly/Fördermittel-Check an. Das ist seine. Aber der Check ist kostenlos.

 

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