Kurier-Wirtschaftsforum Frankens Unternehmen - brutal gut

BAYREUTH. Franken ist brutal – jedenfalls brutal gut, was seine Unternehmen angeht. Sagt Serge Schäfers im vollen Wirtschaftsforum bei Cybex. Und ein paar der brutal guten fränkischen Unternehmer waren da.

Es ist das zweite Wirtschaftsforum, das der Kurier mit veranstaltet. Laut Schäfers ein „Puzzlestein für die Region, die eine gute Performance abliefert“. Nur dass es so gar nicht nach außen dringe. Es sei zu wünschen, dass die Region als erste wahrgenommen werde, „weil sie brutal wirtschaftsstark ist“.

Cybex zum Beispiel. Chef Hannes Schlamminger stellt die Firma vor, von kleinsten Anfängen in Kulmbach mit 13 Mitarbeitern bis zur Weltfirma mit 20.000. Und die haben bisher mehr als eine Million Kinderwagen verkauft. Der Hauptsitz ist in Shanghai, 1000 Läden in China, nächstes Jahr sollen die ersten Läden in Deutschland stehen. Und Cybex will ins Möbelgeschäft einsteigen. „Alles, was das Leben von Eltern einfacher, ästhetischer und sicherer macht“, so Schlamminger.

Nächster ist Josua Kohberg, Neurowissenschaftler und Chef des Coburger Unternehmens Kosys. Der Tüftler will bewusstes und unbewusstes Lernen verbinden und hat dafür sein Gerät mit dem Namen Neoos entwickelt. Eine Art Lernhilfe-Maschine fürs Turbo-Lernen von Fremdsprachen. Dafür geht er zurück zum Kind im Mutterleib, das schon lernt – nur durch Hören.

Die Methode setzt das Kind fort, wenn es auf die Welt kommt. Und irgendwann fängt es an nachzuplappern, weil es einen Audiocode verwendet: Sprache fühlen, Auto erkennen, Auto sagen. Vokabel ist ohne Unterricht gelernt. Damit das bei Erwachsenen funktioniert, geht’s tief ins Nervensystem, das limbische System.

Der Fehler beim normalen Lernen: Pauken allein funktioniert nicht, „tatsächlich muss man Sprache fühlen“, sagt Kohberg. Leider werde das in der Schule verlernt. Aber es gibt Kohberg: „Wir alle tragen den Genialitätsfaktor noch in uns.“ Wie es geht: mit Neugier, den „Lernprozess als Unordnung annehmen“, denn „wir lieben Chaos“ – und man muss „sich als Mensch ständig reflektieren“.

Also Sprache fühlen – natürlich mit Kohbergs Gerät Neoos. Nicht nur über die Ohren, sondern „über die Haut hören“. Mit Platinen und Ultraschall. Dafür gibt es keine Grammatikregeln und keine Vokabeln.

Alt-Oberbürgermeister Michael Hohl moderiert. Ob Kohberg ein fränkischer Elon Musk sei, der Tesla-Bauer? Nein, sagt Kohberg. Seit 30 Jahren versuche er, „den Markt zu durchdringen“, also mehr Kunden zu gewinnen. Seine Technik eigne sich auch fürs Mental-Training. Hohl: „Ein Beispiel für oberfränkische Findigkeit.“

Stefan Schreibelmayer vom Kurier stellt Sebastian Schmidt, Geschäftsführer der Bayreuther Firma GroupXS, vor. Seit mehr als sechs Jahren entwickelt dieses Start-up Unternehmens-Software, die den Papierkrieg unnötig machen soll. Das geht beim Verkäufer im Außendienst ebenso wie bei Windturbinen, wo der Techniker auf einer Check-Liste gleich 300 Punkte abarbeiten muss. Jetzt macht er alles auf seinem Handy – der Rest geht automatisch. Funktioniert auch bei den Stadtwerken Bayreuth oder in der Logistik-Branche.

Inzwischen hat GroupXS 30 Mitarbeiter und wächst weiter. Allerdings sitzen diese verteilt über die ganze Welt: Syrien, Serbien, Türkei oder Niedersachsen. „Das funktioniert wirklich gut“, sagt Schmidt.

Und der Hauptsitz Bayreuth? Die Stadt lobt er als guten Gründerstandort – und als Stadt mit vielen Unternehmen. Das Einzige, was gefehlt habe bei der Gründung von GroupXS, sei das Wirtschaftsforum gewesen. Doch auch ohne läuft’s gut, vielleicht noch nicht brutal gut, aber: „Wir sind profitabel.“

Und dann Andreas Gräbner Omahna, Chef-Entwickler bei Scriptomat. Er beschäftigt sich mit der automatisierten Erstellung von Texten. Wie man auf so etwas kommt? Durch ein Projekt, das für eine große Bank entstanden ist. Und siehe da, es funktioniert nicht nur bei Banken, sondern auch für Kanzleien, die auch viel mit Dokumenten umgehen.

Damit kann man Geld verdienen? „Wir wachsen schnell“, sagt Gräbner. Trotzdem sucht er weiter nach neuen Einsatzgebieten, zum Beispiel Personalabteilungen. „Langfristig sei das Ziel, das Allerwelts-Schreibprogramm ,Word‘ in den Unternehmen zu ersetzen“. Dabei setzt Gräbner auch künstliche Intelligenz ein, vor allem bei der Analyse der Texte. Das soll künftig der Computer machen, was bei Deutsch brutal schwer sei.

Das letzte Wort des Abends hat Hermann Scherer, der als einer von Deutschlands besten Rednern und Motivationstrainern gilt. Kein Wunder, dass er in Franken zum Thema „Jenseits vom Mittelmaß“ sprach.

Sein Tipp: Nicht normal sein. Der Weg dahin darf auch nicht normal sein für Firmen. Lieber sexy als langweilig sein in der Außendarstellung, lieber eine oberflächliche Freundlichkeit pflegen als muffeln im Service. „Der Rahmen macht den Unterschied“, sagt Scherer. Ob bei einer teuren Uhr oder einem Gold-Steak für 1200 Dollar. „Vielleicht ist Qualität gar nicht so wichtig, denn Marken haben Macken.“

Die müssen sie erst überwinden, um brutal gut zu werden.

 

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