Kurier-Serie: Die Zukunft der oberfränkischen Wirtshäuser Wirte der "Alten Eisenbahn" in Wadendorf setzen auf lokale Produkte

Von Sarah Bernhard

Wissenschaftler, Wirte, Politiker und Verbandsvertreter haben sich vor kurzem überlegt, wie die fränkischen Wirtshäuser zukunftssicher werden können. In einer Serie sprechen wir mit Wirten darüber, wie gut diese Ideen sind. Heute mit Kathrin und Wolfgang Sponsel vom Gasthof "Zur alten Eisenbahn" in Wadendorf. Ihre These: Es könnte schlimmer sein.

Carpaccio brauchen Katrin und Wolfgang Sponsel nicht: Sie setzen auf regionale Produkte - die sie zu regionalen Speisen verarbeiten. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Kathrin und Wolfgang Sponsel sind Wirtsleute mit Leidenschaft: Keiner von beiden kommt aus einer Wirtsfamilie, trotzdem entschieden sie sich 2003, das leerstehende Wirtshaus "Zur alten Eisenbahn" in Wadendorf wieder zu eröffnen. Mit Brotzeit und Bier fingen sie an, heute bieten sie Fleisch aus eigener Zucht.

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Ihr Motto: „Wenn man freundlich ist und seine Sache ordentlich macht, wird man überleben.“ Der Kurier hat mit ihnen über zehn Punkte zur Rettung der fränkischen Wirtshäuser gesprochen.

Extravagante Gerichte

Kathrin Sponsel: „Wir haben kein Carpaccio, stattdessen bauen wir aufs Heimische: Wir haben selbst Landwirtschaft, bei uns gibt es Schweinebraten von der eigenen Sau. Auch unser Brot und die Brotzeit-Wurst bekommen wir aus der Region.“

Unterhaltungsmöglichkeiten

Kathrin Sponsel: „Der Wolfgang unterhält die Leute gern.“

(Musik)Veranstaltungen?

Kathrin Sponsel: „Musik ist schön, aber nicht maßgebend. Veranstaltungen haben wir, zum Beispiel am Valentinstag. Wenn da alles in Kerzenschein getaucht ist, ist das auch eine gewisse Unterhaltung. In den Wintermonaten haben wir uns mit Karpfenessen einen Namen gemacht. Und am kommenden Wochenende ist unsere jährliche Kerwa. Das ist aber nichts, was man zum Überleben braucht, sondern ein Extra.“
Wolfgang Sponsel: „Na ja, aber man macht es ja schon, damit man Geld verdient. Und das braucht man zum Überleben.“

W-Lan

Wolfgang Sponsel: „Das gibt‘s bei uns nicht und wir haben auch kein Fernsehen im ganzen Haus. Die Leute sollen sich unterhalten.“
Kathrin Sponsel: „Manchmal ist es auch gut, wenn man Zeit für sich hat. Wo kann man das heute noch? Wir bleiben dabei: kein W-Lan.“

Online-Werbung

Kathrin Sponsel: „Wir haben eine Homepage, sind auf Facebook und haben sogar eine kleine Whatsapp-Gruppe.“
Wolfgang Sponsel: „Wobei das ein Schmarrn ist, die beste Werbung ist, wenn man die Sachen, die man macht, rechtzeitig in der Wirtschaft aushängt. Dann wird das ein Erfolg.“
Kathrin Sponsel: „Beides ist effektiv.“

Zusammenarbeit mit der Kirche

Kathrin Sponsel: „Ich denke, man muss andere Mittel und Wege finden, weil ja auch die Kirche gerade bei vielen nicht so aktuell ist.“

Ein Mindest-Bierpreis

Kathrin Sponsel: „Natürlich wäre es schön, wenn sich die Wirte ein gemeinsames Limit setzen würden, aber der eine ist alleine, der andere muss fünf Leute bezahlen, das haut nicht hin. Ich glaube auch nicht, dass wegen zehn Cent jemand in ein anders Wirtshaus geht. In der Fränkischen ist der Preis ja sowieso schon relativ einheitlich.“

Absprachen mit Vereinen

Wolfgang Sponsel: „Man hat schon das Gefühl, dass die Vereine mittlerweile öfter bei sich feiern. Aber Dorffeste gehören zum Dorfleben dazu. Und danach sind die dann ja auch wieder da.
Kathrin Sponsel: „Aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind nicht ganz korrekt. Ich als Gastwirt muss unglaublich viele Vorgaben erfüllen und die Vereine können einfach machen.“

Bürokratie-Abbau

Kathrin Sponsel: „Der wäre wichtig. Man muss alles dokumentieren, die Temperatur in jedem Kühlschrank, die Arbeitszeit der Bedienung und so weiter. Das braucht jeden Tag eine Stunde. Aber schauen Sie: Wenn am Sonntag um acht Uhr Arbeitsbeginn ist, dann müsste der Koch um zwölf Uhr Pause machen. Wie soll das gehen? Wir müssen in unserem Beruf flexibel sein, die Gesetze sind das nicht. Das ist weltfremd.“

Bessere Ausbildung

Wolfgang Sponsel: „Wir waren auch Quereinsteiger. Wir haben klein angefangen, hatten also nicht gleich Rindersteak, sondern nur Brotzeit, dafür war ich nebenher noch berufstätig, das Einkommen war also gesichert. Aber ja, manche fangen einfach mal an. Denen sollte man helfen.“

Und zum Schluss: Ist die "alte Eisenbahn" zukunftssicher?

Kathrin Sponsel: „Ja, wir vermieten nebenher noch Zimmer, außerdem weiß man bei uns, wo die Lebensmittel herkommen. Gutes Essen mit gutem Bier in einem schönen Biergarten, das passt.“

Steckbrief: Gasthof „Zur alten Eisenbahn“

Sitzplätze: 80 innen, 120 außen
Bier: Hübner (Steinfeld) und Krug (Breitenlesau)
Kosten für ein Seidla: 2,10 Euro
Hauptklientel: bunt gemischt