Preidel: Mag sein. Aber immerhin sind viele Ältere am Computer. Ich kenne Menschen, die mit über 70 Jahren erstmals einen Tabletcomputer in die Hand nehmen und eine Welt der ungeahnten Kommunikationsmöglichkeiten entdecken. Vielleicht langsamer und weniger multitasking als die Jüngeren. Aber das ist nicht entscheidend. Ich bin davon überzeugt, dass die neuen Medien auch Alternden neue Horizonte des Vernetztseins und der gesellschaftlichen Beteiligung eröffnen können.
Das Alter neu denken: Welche Impulse kann die Synode geben?
Preidel: Es wird ein Wort der Synode geben, das sein Augenmerk auf einen Perspektivwechsel richtet. Man darf es sich aber nicht zu einfach machen. Dieser Perspektivwechsel wird etwas kosten. Was sind uns die Alten wert? Was ist uns als Gesellschaft die Pflege wert? Was wollen wir uns unser eigenes Alter kosten lassen?
Wie alt sind Sie?
Preidel: Ein gutes Alter erkennt man daran, dass man gerne in dem Alter ist, in dem man ist. Und so gesehen bin ich in einem guten Alter.
Alter macht Angst?
Preidel: Ja. Das ist zwar natürlich, weil die schwindende Lebenszeit fühlbarer wird. Aber das ist zugleich das Problem, dass wir auf das Alter starren wie das Kaninchen auf die Schlange. So gewinnt die Defizitorientierung zu viel Macht über uns. Als Christenmensch bin ich gewiss: jedes Lebensalter ist Gott gleich nahe.
Was ist gut am Älterwerden?
Preidel: Es gibt ja ein bekanntes Sprichwort. Es heißt: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.“ Das Alter ist diejenige Lebensphase, in der das Leben bewusster erlebt werden kann – vielleicht auch deshalb, weil es seine Selbstverständlichkeit verliert und als kostbare geschenkte Zeit erfahren werden kann.
Das Gespräch führte Roland Töpfer.