Der Radio-Moderator Baumgartner, der auch als Redner, Motivationstrainer und Autor bekannt ist, gab zu, dass er der Idee des Online-Vortrags vor der Corona-Krise nicht zugetan war. Als nach und nach jedoch immer mehr Veranstaltungen abgesagt wurden, musste er in den sauren Apfel beißen.

Innerhalb kürzester Zeit hat er sich umfangreiches Wissen über die Technik und Möglichkeiten der Interaktion mit den Zuhörern angeeignet. Und nun lebt er den Online-Vortrag, als hätte er nie etwas anderes getan – als glühendes, lebendiges Beispiel für sein Lieblingsthema „Begeisterung“. Die Zuhörer dürfen sich mit Chat-Beiträgen einbringen, einander verraten, wofür sie sich begeistern können, und an interaktiven Umfragen teilnehmen.

„Begeisterung“, ist sich Baumgartner sicher, „war schon immer die Triebfeder für menschliche Höchstleistungen“. Um Begeisterung empfinden zu können, müsse man Details sehen, Kleinigkeiten schätzen und sich der Endlichkeit bewusst sein. Das alles schaffe Dankbarkeit – eine wichtige Voraussetzung für Begeisterung. Und dann brauche es zusätzlich das gewisse Quäntchen Wahnsinn, das dafür sorgt, dass der Begeisterung nicht die Puste ausgeht.

Ohne das hätte es Robert Koch, zu Beginn seiner Laufbahn belächelt, verspottet und für verrückt gehalten, niemals zum Medizin-Nobelpreisträger gebracht; hätten es die Gebrüder Wright Ende des 19. Jahrhunderts niemals gewagt, zu behaupten, dass Menschen fliegen werden, geschweige denn an dieser Idee festzuhalten. Und Thomas Edison hätte seine Glühbirne, die erst nach rund 2000 Versuchen gebrannt hat, wohl lange vor dem ersehnten Erfolgserlebnis eingemottet.

Das Wichtigste: Man muss anfangen

„Man muss sich trauen, etwas riskieren“, appelliert Baumgartner an die Zuhörer. Und, so banal es auch klingen mag: „Man muss anfangen.“ Der erste Schritt, der Schritt heraus aus der persönlichen Komfortzone, sei immer der schwierigste. Sich möglichst konkrete Ziele zu setzen und sich gleichzeitig aber auch nicht zu viel auf einmal vorzunehmen, helfe, den inneren Schweinehund zu überwinden. Mindestens genauso wichtig und für viele Menschen gar nicht so einfach: „Legen Sie den Perfektionismus ab!“ Wer Dinge mit Begeisterung vorantreiben will, der müsse „die Ärmel hochkrempeln“, ein Risiko eingehen – und die allgegenwärtigen Bedenkenträger ignorieren.

„Manchmal muss man sich auch selbst austricksen“, weiß Baumgartner. Wenn die täglichen Routinen grüßen, wenn unangenehme Aufgaben anstehen und der Durchhänger nahe ist, wenn man die Situation nicht ändern kann – dann gelte es die Einstellung zu ändern. Schon viele hundert Male musste der Radiomoderator im Laufe seiner Karriere Tina Turners Kassenschlager „Simply the Best“ ankündigen. Wenn ihm der altgediente Ohrwurm (der wohl noch nie zu seinen Lieblingsliedern gehörte) gerade zum Hals heraushängt, dann spricht er nicht über Song oder Sängerin – sondern lieber über eine tolle Geschichte aus den 80er Jahren, die ihm selbst und allen Zuhörern ein Lächeln auf die Lippen zaubert. „Simply the Best“ klinge bei jedem Radiosender gleich. „Der wichtigste Begeisterungsfaktor ist immer der Mensch.“


Nächster Vortrag

Unter dem Motto „Forum Wissen“ präsentiert der Nordbayerische Kurier Online-Vorträge bekannter Referenten. Am Dienstag, 21. Juli, um 18.30 Uhr, spricht der Neurowissenschaftler Professor Volker Busch über das Thema „Nicht die Zeit rennt, sondern wir“.

Kann man lernen, souveräner mit Zeit umzugehen, um seine psychische Gesundheit zu schützen? Was passiert bei hoher Geschwindigkeit in unserem Gehirn? Der Vortrag bietet Tipps zum klugen Umgang mit Zeitdruck und Hektik. Die Kursgebühr beträgt 19,90 Euro; Anmeldung unter www.kurier.de/forumwissen