Kunstverein: Trend geht zur Landschaft

Von Michael Weiser

Drei Zimmer Buntes: Mit seiner Weihnachtsausstellung präsentiert der Kunstverein Bayreuth noch bis zum 22. Dezember einen Querschnitt durch das Schaffen seiner Mitglieder. Landschaftsbetonte Vielfalt in den Räumen des Alten Schlosses.

 Foto: red

Der Mensch, er zählt nicht mehr gar so viel im Kunstverein Bayreuth. Zumindest darf man das annehmen, wenn man durch die Weihnachtsausstellung des Kunstvereins im Alten Schloss geschlendert ist: Schon in den Vorjahren war Natur Trumpf, und dieser Trend zur Landschaft setzt sich im Spätherbst 2015 fort. Nur wenige Gesichter, ein paar Portraits. Ansonsten verwaiste, leere, manchmal geradezu öde Landschaften.

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Wo er sich der Stille der Natur, dem Wald, dem See, der See, dem Berge gegenübersieht, wird der Mensch klein und mit ihm seine Pläne und Begierden. Die Waffen schweigen vielleicht noch nicht, aber man hört sie nicht mehr ganz so deutlich. Die wirren Weltläufte spiegeln sich nicht in den Bildern. Man kann vielmehr annehmen, die Maler des Vereins zögen sich in die ruhige Innerlichkeit zurück - wenn es denn Konzept wäre. Hier aber ist die Stille Zufall. Man kann es auch so ausdrücken: Die Kunstausstellung bleibt über weite Strecken auffällig harmlos. Es wirkt, als habe der Verein nach der hervorragenden Ausstellung in Zusammenarbeit mit chinesischen Künstlern eine Atempause eingelegt.

Solche - unjurierten - Ausstellungen sind Einladung an jeden im Verein, der sich berufen fühlt, sein Schaffen einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Vorteil solcher Schauen ist die ungefilterte Vielfalt der Techniken, der Handschriften, der Stile, die sich in dramatischen Bergzacken, mytischen Lichteinbrüchen, manchmal auch im puren Esoterik-Kitsch zeigt, mitunter aber auch in reifen Arbeiten.

Portraits sind die Ausnahme

Ernst Tränkenschuh zeigt Fotografien. Eine darf man als tragikomischen Abgesang auf die Zweisamkeit sehen: "Sonnenblumenpaar" heißt die Fotografie, die zwei welke Sonnenblumen in der Vase zeigt. Die Köpfe hängen, natürlich sehen die beiden einander auch nicht mehr an. Die Handschrift eines Schelms erkennt man an einem Bild von Wo Sarazen. "Adam und Eva" heißt es, in die beiden Figuren sind Stücke eines Bilderrahmens eingearbeitet. Diese Stücke darf man vielleicht als Rippe Adams ansehen, aus der Gott die Eva gebildet haben soll.

Rudolf Pappenberger zeigt - seltene Ausnahme - ansprechende Frauenbildnisse, etwa von "Isabella" in Druck, Umdruck und mit Wachs. Rita Oppold fängt die sonnenumgleißte Dramatik einer hochalpinen Landschaft in expressiven Strichen ein. Lucie Kadza bildet in Farben, die teilweise an französische Impressionisten erinnern, so etwas wie die Reflexionen leicht bewegten Wassers auf, in einem Ausschnitt, einer Nähe, dass das Abbild fast zur Abstraktion gerät. Wie auch Wieland Prechtls gewohnt düster-dramatischen, von der Natur lediglich inspriert scheinenden Kompositionen. Das schiere Gegenteil, spartanisch streng gefasst, reduziert, von ungewöhnlichen Ausschnitt japanischer Grafik inspiriert, sind die Landschaftssausschnitte von Hojung Kang - die kleinen Arbeiten gehören zum Särksten in dieser sehr uneinheitlichen Ausstellung.