Sex bewegt, Sex provoziert - Sex ist gut fürs Geschäft. Insgesamt gibt es vielleicht kein wichtigeres Motiv in der Kunst. Und seit über hundert Jahren gibt's Streit darüber, wo die Grenze zwischen Kunst und Porno verläuft.
Ist das Kunst oder muss das weg? Der Bayreuther Kunstverein hat ein Bild des Malers Stefan Nützel abgelehnt. Und zwar, weil es in den Augen der Jury nicht jugendfrei ist: Das Bild zeigt eine masturbierende Frau.
Sex bewegt, Sex provoziert - Sex ist gut fürs Geschäft. Insgesamt gibt es vielleicht kein wichtigeres Motiv in der Kunst. Und seit über hundert Jahren gibt's Streit darüber, wo die Grenze zwischen Kunst und Porno verläuft.
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Jetzt geht's um Bilder des Bayreuthers Stefan Nützel (47). Weil der in Wien lebende Bayreuther für die Kunstausstellung Bilder eingesandt hatte, die der Jury aufstießen. "Ein zu harter Brocken", schrieb Hans-Hubertus Esser, der Vorsitzende des Bayreuther Kunstvereins in einer E-Mail an Nützel. Weil da unter anderem auf dem Gemälde "Pink" eine dunkelhaarige Frau zu sehen ist, komplett nackt, mit gespreizten Beinen, die mit einem Dildo herumspielt. Und - rauchen tut sie auch noch.
Esser ist der Chef eines Kunstvereins, dem Aufmerksamkeit nicht schaden würde. Offenbar befürchtet die Jury aber, dass sie mit diesem Wagnis die falsche Sorte von öffentlichem Interesse erhalten könnte: Kinder könnten das Bild sehen, vor allem während des Sommernachtsfestes bestünde diese Gefahr, heißt es.
"Die Jury kommentiert grundsätzlich nicht ihre Entscheidungen". sagt zwar Esser. Doch deutet einiges darauf hin, dass er in der Causa Nützel in der Jury überstimmt wurde. Er habe "klein beigegeben", teilte er Nützel mit.
Vielleicht ist Bayreuth einfach nicht das richtige Pflaster. Die Pinakothek der Moderne in München zeigte vor zwei Jahren eine großes Ausstellung mit Bildern von Beckmann, de Kooning und Picasso - vom Spanier gab es das Ölgemälde einer urinierenden Frau zu sehen. Der Porno-Verdacht stellt sich da natürlich nicht: Alle drei Maler gehören quasi zum Kanon der Moderne.
Das kann man von den Teilnehmern einer normalen Kunstausstellung nicht unbedingt behaupten. Die Jury könnte auch daran gedacht haben, dass das Publikum in einer kleinen Stadt etwas weniger auf Überraschungen eingestellt sein könnte als das Publikum in einem der wichtigsten Museen Europas. Einen Skandal will man jedenfalls in Bayreuth vermeiden, Nützel erhält also keine Einladung.
Insgesamt vier Bilder hatte er aufhängen wolle, wohl alle vier erschienen sie den Bayreuther Sachverständigen zu verfänglich. Dass sich die meisten Jugendlichen, die meisten Kinder ab zehn, zwölf Jahren, im Internet bestens auskennen und dort an wesentlich härtere Bilder kommen könnten, war nicht unbedingt entscheidend: Im Internet müssten sie aktiv danach suchen, in der Orangerie der Eremitage könnten sie mitsamt ihren Eltern unvorbereitet auf die Bilder stoßen.
Esser betont, dass mit der Ablehnung für die Ausstellung im Sommer keine grundsätzliche Ablehnung Nützels verbunden sei. Im Gegenteil: "Ich schätze ihn sehr." Nützel wiederum betont die gute Zusammenarbeit mit Esser, das geradezu freundschaftliche Verhältnis, das ihn mit dem Kunstverein verbinde. Und: "Ich möchte den Leuten in Bayreuth ja nicht mit dem Holzhammer kommen", sagt er.
Pornografie aber - das sei seine Kunst nicht: "Für mich ist Malerei nie Pornografie, weil sie völlig anders funktioniert als Film oder Foto." Und überhaupt, wahrscheinlich sei der Kunstmarkt ein viel unerfreulicheres Thema als die Pornographie. "Das ist manchmal wirklich obszön", sagt Nützel.