Kunst an der Grenze Zwei Hände – ein Denkmal

Zwei Wissenschaftlerinnen aus Passau und Pilsen erkunden Skulpturen entlang der Grenze. Eine besondere Würdigung erfährt dabei die „Handreichung“.

Bei der Übergabe der Skulptur (von links) die Bildhauer Tomáš Dolejs und Wolfgang Stefan mit Hans-Joachim Goller. Foto: /pr.

Selb - Die Überraschung war groß. Nicht nur, dass zwei Frauen zum Projektleiter des Kunstvereins Hochfranken Selb, Hans-Joachim Goller, kamen und über das Kunstwerk „Handreichung“ am Grenzübergang Selb/Aš sprechen wollten; sie hoben es, wie Goller mitteilt, auch mindestens eine ganze Stufe höher und würdigten es als „Denkmal“. Beide arbeiten zusammen an dem Projekt der Europäischen Union „denk.mal digital“.

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Für die Jugend

Die Historikerin Diana Stock-Megies tut das an der Universität Passau und ihre Kollegin Teresa Vagnerová kooperiert mit ihr für „Tandem“, einer Einrichtung für Jugendaustausch an der Westböhmischen Universität Pilsen. Mit Interviews und Videos wollen sie vorwiegend der Jugend Denkmäler entlang der deutsch-tschechischen Grenze näherbringen. Deshalb suchten sie den Kontakt zu den Machern hier.

Goller berichtete ihnen, dass die Erlaubnis zur Errichtung der Skulptur direkt auf der Grenzlinie ganz und gar nicht einfach zu erhalten gewesen sei. Aber seine Idee von den zwei Händen, die sich zum Händedruck nähern, in einem Stahlwürfel von 3 x 3 x 3 Metern habe wohl überzeugt. Der Deutsche Wolfgang Stefan schuf eine Hand aus Eiche, der Tscheche Tomáš Dolejš setzte eine Hand aus vielen Stahlblechelementen zusammen. Beide Bildhauer schufen äußerst ausdrucksstarke Objekte, die problemlos eine Bestätigung des Willens zu nachhaltiger, freundschaftlicher Kooperation zwischen Deutschen und Tschechen ausdrückten.

Holz und Metall

„Die Hand musste aus einem Stück sein“, hatte Wolfgang Stefan betont. Er habe sie mit der Kettensäge aus einem mächtigen Stamm geschnitten und bewusst sehr kantig gearbeitet. Dadurch sei die Stärke des kurz bevorstehenden Händedrucks besonders anschaulich erkennbar.

Tomáš Dolejš habe für seine Hand ein Modell 1:1 aus Draht erstellt, damit sie in ihren Ausmaßen zu der Holzhand passt. Beim Zusammenschweißen der etwa 150 Einzelteile habe er auf die nicht beliebige Verteilung der Freiräume geachtet und auf die kraftvolle Wirkung einer ausgestreckten Hand.

Die Frauen wollten auch wissen, wie sich die Künstler auf die Arbeit überhaupt und auf ihr Miteinander speziell vorbereitet hatten; und auch, was diese „Gedenkstätte“ den Menschen sagen solle und wie die Jugend erreicht und einbezogen werden könne. Das Ergebnis ihrer Arbeit wird in einigen Wochen im Internet nachzulesen sein. red