Kulturpreis Landkreis zeichnet Künstler aus

Werner Reißaus
Die Verleihung des Kulturpreises an das Atelier Tittmann (von links): Landrat Söllner mit Claus und Brigitta Tittmann. Foto: Werner Reißaus

Nach der Corona-Zwangspause hat das Kulmbacher Landratsamt wieder einen Kulturpreis verliehen. Der geht an Claus Tittmann – und an den Musikverein Burghaig.

Und einen schöneren Ort wie das Kutschenhaus auf Schloss Thurnau hätte es dafür nicht geben können. Dem Festakt, der vom imposanten Orchesters des Musikvereins Burghaig musikalisch umrahmt wurde, wohnten auch viele der bisherigen Kulturpreisträger bei und zeigten damit auch ihre Wertschätzung für die neuen Kulturpreisträger des Landkreises Kulmbach.

Landrat Klaus Peter Söllner stellte fest, dass die Übergabe des Kulturpreises stets ein großes Ereignis für den Landkreis ist: „Der Kulturpreis zeichnet Persönlichkeiten, Vereine oder auch Personengruppen aus, die sich um die Kultur in unserem Landkreis oder als Kulturschaffende oder Kulturschaffender für unseren Landkreis in besonderer Weise verdient gemacht haben.“

Claus Tittmann, Berndorf/Thurnau: Claus Tittmann hat auf dem Gebiet der darstellenden Kunst besondere Leistungen gezeigt und die Kulturszene im Landkreis seit Jahrzehnten bereichert. Söllner: „Die künstlerische Qualität und die sprichwörtliche Strahlkraft seiner Arbeiten, die weit über den Landkreis hinausreicht, sind bemerkenswert. Mit Claus Tittmann wird ein Künstler ausgezeichnet, der auf seinem Gebiet wegweisend ist. Sein künstlerisches Vermögen und seine handwerkliche Umsetzungsbegabung sind nicht hoch genug einzuschätzen.“

Claus Tittmann kam erst relativ spät – nach einem Studium an der Akademie für angewandte Technik in München und nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Ingenieur in Frankfurt – mit dem Thema Keramik in Berührung. Anfang der 1970er Jahre absolvierte er ein Praktikum bei dem aus Schlesien vertriebenen Töpfer Gerhard Seiler in Leutershausen bei Ansbach und bei dem berühmten Kunstmaler und Keramiker Günther Stüdemann, der von 1939 bis 1971 in Thurnau eine Werkstatt betrieb. Inspiriert durch die hier gewonnenen Eindrücke entschloss sich Tittmann zu dem mutigen Schritt eines beruflichen Neuanfangs. Von 1973 bis 1975 besuchte er die staatliche Fachschule für Keramik in Landshut und erlernte hier von Grund auf das Handwerk des Keramikers. Unmittelbar im Anschluss an die Lehre gründet er seine eigene Werkstatt in Berndorf bei Thurnau, wo er bis heute lebt und arbeitet.

Zunächst ist sein Werk noch von den traditionellen Techniken der Thurnauer Töpfer geprägt. Gebrauchskeramik mit Engobe- und Fayencebemalungen kennzeichnen seine frühen Arbeiten, aber schon bald wendet sich Tittmann aber immer mehr der künstlerischen Herangehensweise an den Werkstoff Ton zu. Er entwirft Gefäße für die Goebel-Merkelbach-Manufaktur und beginnt Steinzeug zu produzieren, das eine wesentlich höhere Brenntemperatur als die in Thurnau übliche Irdenware verlangt. Jedes Unikat zeugt von lebendiger Kreativität des Künstlers.

Musikverein Burghaig von 1919: „Musik ist eine elementare kulturelle Leistung der Menschheit und ein wichtiges Kulturgut“, wie Landrat Söllner feststellte und seiner Meinung nach, ist sich die Wissenschaft einig, dass Musik den Menschen wahrscheinlich schon immer begleitet. Der Musikverein Burghaig feierte 2019 sein 100. Gründungsjubiläum – schon im Frühjahr 1918 hatte der spätere Ehrendirigent Michael Meisel in der damals noch selbstständigen Gemeinde Burghaig – die Eingemeindung nach Kulmbach erfolgte erst 1972 – die Dorfbewohner aufgefordert, sich musikalisch zu betätigen.

Der Verein umfasst heute 270 Mitglieder, davon 69 Aktive mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren, damit auch ein deutliches Indiz der intensiven Nachwuchsarbeit des Vereins. Diese Nachwuchsarbeit fand im vergangenen Jahrzehnt einen überdeutlichen Ausdruck in der Organisation und Durchführung mehrerer sogenannter „Bläserklassen“.

Dabei werden Kindern – vorrangig im Grundschulalter – nicht nur an ihr eigenes Instrument, sondern unmittelbar auch an das Orchesterspiel herangeführt. Der Musikverein hat eine künstlerisch-kulturelle Qualität und nimmt im Jahres etwa 30 Auftritte wahr. Sein Repertoire umfasst eine große Bandbreite von traditioneller Blasmusik bis hin zu klassischen Werken, Musicals, Filmmusik und symphonischer Blasmusik.

 

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