Kulmbachs dunkelste Stunden

Von Michael Weiser

Von der Unmöglichkeit, neutral zu bleiben: Eine Ausstellung im Kulbach beleuchtet ab Sonntag den Dreißigjährigen Krieg in Franken. Für Kulmbach brachte der große Krieg einige der dunkelsten Stunden seiner Geschichte.

Die Plasenburg, wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg. Illustration: red/Archiv Foto: red

Lange hatte es Markgraf Christian geschafft, sein Bayreuther Fürstentum aus dem großen Krieg herauszuhalten. Dann musste er sich entscheiden. Der Siegeszug der kaiserlich-katholischen Truppen und daraufhin der Eintritt der Schweden in den Konflikt machten Neutralität unmöglich. Neben anderen protestantischen Fürsten schloss sich Christian den Glaubensbrüdern aus dem hohen Norden an und hatte nunmehr den Kaiser und die Bayern zum Feind. Mit schrecklichen Folgen für sein Land, das Kämpfe erlebte, aber auch Plünderung, Hunger und Pest, in einem Ausmaß, dass der Dreißigjährige Krieg auch hierzulande als Urkatastrophe im Gedächtnis geblieben ist. Unter dem Titel „Die Plassenburg und der Dreißigjährige Krieg“ wird am 13. Mai eine Sonderausstellung im Museum „Die Hohenzollern in Franken“ eröffnet.

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"Ohn Wiederstandt in die Stadt"

Darin wird auch dokumentiert, wie schnell sich im Krieg das Glück wendete. Am 17. Oktober des Jahres 1634 bezog der kaiserliche General Guillaume de Lamboy vor Kulmbach Stellung. Er forderte Proviant für 12 000 Mann sowie 6000 Taler. Drohend ließ er drüben, auf der anderen Seite des Weißen Mains, Fußsoldaten und Kavallerie aufmarschieren. Markgraf Christian ließ dem General antworten, er solle sich 14 Tage gedulden. Was Lamboy durchaus nicht einsehen wollte. Er ließ Reiter gegen die Stadt vorpreschen, die zwar zurückgeschlagen werden konnten, doch bei der allzu hastigen Verfolgung sahen sich Bürger und Soldaten auf einmal ihrerseits einer großen kaiserlichen Übermacht gegenüber. Die Kulmbacher gaben Fersengeld, um sich hinter die Mauern ihrer Stadt „zu salviren“. Weil aber aus „großer Verwahrlosung alle Thor offen gestanden, auch die Wachen schlecht bestellt gewesen, ist der Feind ohn alles verhoffen und Wiederstandt in die Stadt und Vorstadt kommen“.

Schreckliche Plünderung

Verglichen mit anderen Städten hatten die Kulmbacher noch Glück im Unglück. Weil die Kaiserlichen im Handstreich und nicht nach langer, qualvoller Belagerung gesiegt hatten, kam es zwar zu Gewaltexzessen, aber nicht in dem Ausmaß wie etwa bei der Erstürmung Magdeburgs im Mai 1631. Schlimm genug: Als die Söldner die Stadt „die gantze Nacht hindurch“ plünderten, wurden fünf Kulmbacher erschossen. Ein Bürgermeister, Matheus Haßfurther, wurde in seinem Haus gefoltert („traktieret“) und starb drei Tage darauf. Neun Häuser brannten ab, auf zwei „Tonnen Goldes“ schätzte ein Chronist zusätzlich den Schaden durch die „Außblinderung“.

Die starke „Vestung“ auf dem Berg wurde nicht erobert. „Der Plassenburg ist nichts passiert, die Leidtragenden waren immer die Kulmbacher“, sagt Kastellan Harald Stark. Er hat viel über die Geschichte Kulmbachs und der Plassenburg geforscht und zum Großen Krieg faszinierende Quellen zutage gefördert. Die kleine Ausstellung zum Dreißigjährigen Krieg wird am Sonntag zum Museumstag eröffnet – und Stark bietet eine Führung an (14.15 Uhr).

Nicht mehr aktiv und dennoch gequält

Mit der Erstürmung war für Kulmbach ein vorläufiger Höhepunkt der Gräuel erreicht. Schon im Jahr darauf schlossen sich die meisten Reichsstände dem Beispiel Kursachsens an und schlossen Frieden mit der kaiserlich-katholischen Partei. Der Krieg aber sollte Europa noch über viele Jahre verwüsten. „Mit dem Prager Frieden war der Markgraf keine aktive Kriegspartei mehr“, sagt Stark. „Und dennoch ist das Land von Truppendurchzügen heimgesucht worden.“