Kulmbacher Tierschützerin fordert: Über den Umgang mit Tieren nachdenken

Als engagierte Tierschützerin ist Susanne Schilling vielen Menschen im Landkreis Kulmbach bekannt. Foto: /Gabriele Fölsche

Susanne Schilling hat lange Zeit das Kulmbacher Tierheim geleitet und ist auch weiter im Tierschutz engagiert. Die Bilder aus dem Schlachthof müssen Konsequenzen haben, fordert sie.

Kulmbach - Viele Jahre hat Susanne Schilling das Kulmbacher Tierheim geleitet. Auch wenn sie das jetzt nicht mehr tut: Eine aktive Tierschützerin ist sie auch weiterhin. In einer Stellungnahme zu den schlimmen Fernsehbildern schreibt sie, der Aufschrei der Bevölkerung, der nach der Berichterstattung in der ARD unter anderem auch über den Schlachthof Kulmbach, losbrach, sei groß. „Dass es sich aber bei den Vorkommnissen im Schlachthof Kulmbach nicht um einen bedauerlichen Einzelfall in einem einzigen Schlachthof handelt, sollte jedem denkenden Menschen klar sein.“

Misshandlungen und rohe Gewalt gegenüber den „Benutz-Tieren“ seien in jedem Schlachthof an der Tagesordnung, doch nur selten kommen sie dank Organisationen wie SOKO Tierschutz an die Öffentlichkeit. „Und wenn die Mitarbeiter, so wie in dem Video aus dem Schlachthof Kulmbach zu sehen ist, dies auch noch ganz ‚öffentlich’ vor den vom Schlachthofbetreiber installierten Kameras machen, kann man wohl davon ausgehen, dass dieser solche Misshandlungen nicht konsequent ahndet, denn sonst hätten die Mitarbeiter vermutlich mehr Scheu, ihre Aggressionen gegenüber den Tieren vor den elektronischen Augen ihres Chefs auszuleben.“

Dies sei genauso verstörend wie die Tatsache, dass nicht nur dem Chef des Kulmbacher Schlachthofes, sondern vermutlich jedem Betreiber eines Schlachthofes sehr wohl bewusst sei, dass die Betäubung der Schweine mit CO2 nicht tierschutzkonform ist und mit schrecklichem Leid der Schweine einhergeht. „ Wieso hat da keiner die ‚Eier in der Hose’, sich zu weigern? Nur weil etwas noch im gesetzlichen Rahmen ist, muss man es doch nicht durchführen, wenn man klar erkennt, dass es nicht in Ordnung ist! Aber da werden wirtschaftliche Interessen über das Wohl der Tiere gestellt.“

Humane Tötung gibt es nicht, stellt Susanne Schilling klar: Der Konsument tierischer Produkte müsse sich darüber im Klaren sein, dass er mit jedem Bissen Tierfleisch Angst, Schmerzen und Qual eines Wesens zu sich nimmt, das nicht hat sterben wollen. „Und da hilft es auch nicht, wenn man sich das gute Gewissen mit dem Griff zum Biotier einredet. Auch dieses wird nicht auf der grünen Wiese im Kreise seiner Lieben totgestreichelt, sondern endet zu 99 Prozent im konventionellen Schlachthof.“

Man dürfe sich nichts vormachen, meint Susanne Schilling: „Es gibt so und so keine ‚humane’ Schlachtung eines Tieres, genauso wenig wie es eine ‚humane Vergewaltigung’ oder eine ‚humane’ Ermordung eines Menschen gibt. Sobald man einem Lebewesen, sei es nun menschlich oder tierisch, ohne Not und ohne dessen Einwilligung das Leben nimmt, ist Gewalt im Spiel und man sollte nicht mehr von Humanität sprechen. Und jeder sollte nach dem Anblick dieser und ähnlicher Bilder darüber nachdenken, ob dieses Leid unschuldiger Lebewesen wirklich die paar Minuten „Genuss“ wert ist.

Kein Mensch brauche zum Überleben tierische Produkte, meint die Tierschützerin. Sie weist darauf hin, dass eine pflanzenbasierte Ernährung das Risiko für viele Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes und verschiedene Krebsarten wie beispielsweise Darmkrebs deutlich verringere. „Wenn den Menschen schon tragischerweise nicht das angeborene Mitgefühl für andere Lebewesen, egal ob menschlich oder tierisch, davon abhält, sie in Massen zu halten, sie schon zu Lebzeiten auf engstem Raum einzusperren und auszubeuten und ihnen nach einem Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung mit Gewalt das Leben zu nehmen, dann sollte ihnen doch das eigene Leben wertvoll genug sein, um es nicht durch Schädigung ihrer Gesundheit zu verkürzen.“

Für Susanne Schilling ist klar: „So lange wir unseren Umgang mit den Tieren nicht überdenken, die dasselbe Recht haben, unversehrt auf dieser Erde zu leben wie wir selbst, solange brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Natur langsam die Schnauze voll von uns hat und uns, wie wir jetzt in den letzten eineinhalb Jahre erfahren mussten, versucht, von selbiger zu entfernen. Wie schon der Dichter Christian Morgenstern sagte: ‚Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt!’ Vielleicht ist das Weltgericht näher als wir denken…“ red

 

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