Kulmbacher Tafel Ohne Spenden geht’s nicht weiter

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine wird immer größer. Schon 200 Menschen kaufen bei der Kulmbacher Tafel ein. Das soziale Projekt ist mehr als je auf die Hilfe von Geschäften und Bürgern angewiesen, sagt Tafel-Chefin Elfriede Höhn.

Die Kulmbacher Tafel ist dringend auf Spenden angewiesen. Am Montag ist die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge, die sich bei der Tafel mit Lebensmitteln versorgen, schon auf 200 gestiegen. Foto: Archiv

Nur in haushaltsüblichen Mengen werden bei Discountern und in Supermärkten bestimmte Lebensmittel abgegeben. Mit dem Hinweis, das sei ein Einkauf für die bedürftige Kulmbacher Tafel, hebt der Filialleiter von Aldi in Unterbrücklein am Mittwochvormittag diese Regel mit viel Verständnis auf. In Mengen von jeweils zehn landen Mehl, Zucker, Nudeln, Tomaten in der Dose, Shampoo, Duschgel und Spülmittel im Einkaufswagen. Noch etwas Schokolade, schließlich ist bald Ostern. Rund 100 Euro für einen guten Zweck. „Das sollten mehr Leute tun“, sagt eine Frau an der Kasse. Sie beschließt spontan, dass auch sie demnächst für die Tafel einkaufen wird.

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Dem Beispiel sollten viele folgen, denn bei der Tafel in der Blaich in Kulmbach herrscht in diesen Tagen echte Not. Vergangene Woche waren es noch 61 ukrainische Flüchtlinge, die sich dort mit günstigen Lebensmitteln eingedeckt haben. Diese Woche ist die Zahl bereits auf 200 angestiegen, berichtet Tafel-Vorsitzende Elfriede Höhn. Dazu kommen noch die rund 350 Stammkunden der Tafel. Auch wenn nach dem Aufruf in der vergangenen Woche (unsere Zeitung berichtete) sehr viele Spenden eingegangen sind, gehen die Vorräte schon wieder zur Neige. Elfriede Höhn bittet erneut alle Geschäfte, aber auch die Bevölkerung, die Tafel zu unterstützen und damit Menschen zu helfen, die dringend auf diese Einkaufsmöglichkeit angewiesen sind. Jede Spende hilft, und sei es eine einzige Packung Mehl oder Zucker.

„Die Resonanz auf den Aufruf vergangene Woche war toll. Ich war echt überwältigt, wie viele Menschen an uns gedacht haben und ohne lang zu fackeln gespendet haben“, freut sich Elfriede Höhn. Menschen seien mit Lebensmitteln in den Laden der Tafel gekommen, Geschäfte haben sich gemeldet. Viele haben auch einfach Einkaufsgutscheine bei der Tafel in den Briefkasten gesteckt. „Vor allem haltbare Lebensmittel, die wir immer dringend brauchen, haben wir bekommen. Und auch die Gutscheine zum Einkauf in anderen Geschäften sind eine wunderbare Sache.“

Doch die Regale sollten nicht lang voll bleiben. „Eigentlich hatten wir gedacht, mit den vielen Spenden, die wir am Montag bekommen haben, könnten wir eine Weile über die Runden kommen und uns über Ostern retten können“, sagt die Tafel-Vorsitzende. doch am Dienstag sei schon wieder alles weg gewesen. Der Grund: Aus den 61 Flüchtlingen aus der Ukraine sind binnen einer Woche 200 geworden. Alles Menschen, die etwas zu Essen brauchen. Das Team der Tafel ist verzweifelt. In ihrer Not habe sie den Landkreis angeschrieben, sagt Elfriede Höhn. Lebensmittel seien das eine. Aber das sei nicht alles.

„Mit einem Dolmetscher, der uns an den Verkaufstagen hilft, wäre auch viel getan“, meint Elfriede Höhn. Sie hat sich jetzt eine ukrainische Sprach-App heruntergeladen. Das muss es tun, um mit den Flüchtlingen wenigstens das Nötigste zu sprechen.

Haltbare Lebensmittel, ob Mehl, Reis, Nudeln, Zucker oder Konservendosen, dazu Hygieneartikel: All das braucht die Tafel jetzt dringend. Wer Frisches spenden will, sollte das am Montag kaufen und gleich mittags zur Tafel bringen, wenn dort der Laden für den Verkauf am Dienstag vorbereitet wird. „Die Sachen sollten ja frisch sein.“ Haltbarer und ebenfalls hoch willkommen sind die Kartoffeln, die das Hauenreuther Hoflädla aus Ködnitz angekündigt hat. Sogar die Mitarbeiter der Tafel, die für den ehrenamtlichen Dienst bereits ihre Zeit und Kraft opfern, haben noch zusätzlich eingekauft, erzählt Elfriede Höhn und macht so deutlich, wie groß der Mangel gerade ist. Die Regale sind wieder leer. Round Table habe angekündigt, eine größere Spende zu machen, obwohl der Verein schon gespendet hatte. „Es tut sich viel, aber das ist auch notwendig“, macht Höhn klar. Der Bedarf sei riesig, und bei der Tafel rechne damit, dass sich die Zahl der Menschen, die dort einkaufen, noch weiter erhöhen wird.

Das Ehrenamt ist für Elfriede Höhn schon längst zum Beruf geworden, auch wenn sie dafür nicht bezahlt wird. „Es ist gerade schon Wahnsinn. Sechs Stunden am Tag sind es gerade immer. Aber es ist wichtig, dass jetzt was gemacht wird.“ Und die Hilfe werde wohl nicht nur kurzfristig gebraucht. „Wir haben ja keinen Plan, wie lange das noch dauern wird.“ Keiner werde weggeschickt bei der Tafel in Kulmbach. Wenn Grenzen überschritten werden, wenn es einfach nicht mehr reicht oder auch für die Helfer zu viel wird, was dann? „Ich will wirklich keinen wegschicken, aber irgendwann....“ Elfriede Höhn bricht den Satz ab. Sie will es nichtaussprechen und baut stattdessen auf die Hilfsbereitschaft der Geschäfte und Bürger.

Stellvertretende Landrätin Christina Flauder unterstützt den Spendenaufruf. Sie trägt einen Vorschlag bei: „Geschäfte könnten Spendenboxen aufstellen, Kunden könnten dann, wenn sie eh einkaufen, etwas mehr in den Wagen packen und dann diese Waren in die Box legen.“ Christina Flauder appelliert an die Kulmbacher Bevölkerung: „ Die Not ist da. Wir alle sind jetzt gefordert, etwas von unserem Wohlstand abzugeben und den Menschen zu helfen, die aus der Ukraine flüchten mussten. Die Leute mussten ihre Heimat verlasse. Viele von ihnen haben jetzt gar nichts mehr. Sie brauchen uns.“

Wer für diesen guten Zweck spenden und mithelfen will, kann seinen Lebensmitteleinkauf am Montag ab 12 Uhr direkt in die Blaicher Straße zur Tafel bringen. Wer Einkaufsgutscheine beisteuern möchte, kann diese in den Briefkasten stecken. Elfriede Höhn ist über ihre Mobilnummer 0173/2812865 zu erreichen.