Der Zweckverband Klinikum Kulmbach setzt darauf, mit dem neunten Bauabschnitt in den bayerischen Krankenhausbedarfsplan zu kommen. Die Investitionskosten würden damit aus öffentlichen Mitteln bezuschusst werden. Das dafür zuständige Staatsministerium ist das von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Um sich die Situation vor Ort anzusehen, besuchte sie am Montag das Kulmbacher Krankenhaus. Was auch auf die Bitte der Kulmbacher Abgeordneten Ludwig Freiherr von Lerchenfeld und Martin Schöffel geschah, wie sie nach ihrem Rundgang sagte.

Kompakte Bauweise

"Ich habe einen sehr guten Eindruck gewinnen können", sagte Huml und bat um Verständnis, sich noch nicht festlegen zu können, um den zuständigen Gremien nicht vorzugreifen. "Die kompaktere Bauweise, die sich an das vorhandene Haus anschließt, erscheint mir nachvollziehbar." Es sei wichtig, die vorhandene Fläche gut auszunutzen. Dass das Haus so eng belegt sei, könne als Indiz gewertet werden, dass es in der Region gut angenommen werde, so Huml. "Offenbar erfährt es viel Zuspruch."

Krankenhausplan: Kabinettsbeschluss im Juli

Das Kabinett entscheide im Juli über die Investitonen. Der Krankenhausplan wird jährlich vom Gesundheitsministerium fortgeschrieben. Pro Jahr stehen nach den Worten Humls 500 Millionen Euro für Investitonen in Gebäude zur Verfügung. In der Praxis sei es jedoch weniger Geld, was verteilt werden könne, da es feste Pauschalen gebe. "Was in welchem Jahr gefördert kann, setzt eine langfristige Planung voraus." Das Gesund­heits­mi­nis­terium stellt zusammen mit dem bayerischen Kran­ken­haus­pla­nungs­aus­schuss den Kran­ken­hausplan für den Frei­staat Bayern auf. Der Ausschuss ist ein vom Gesetz­geber vorge­se­henes Exper­ten­gremium, das sich aus Mitgliedern der Kran­ken­haus­trä­ger­, der Ärzte­ und den Kran­ken­kassen zusam­men­setzt. 

Ziel: Zwei-Bett-Zimmer für die Patienten

Die Argumente für die Bauvorhaben müssten gut sein, so Huml. In Kulmbach sei zuerst eine andere Lösung favorisiert worden. 2015 sei nach einer neuen Lösung gesucht worden, bestätigte Landrat Klaus Peter Söllner, Vorsitzender der Verbandsversammlung. "Wir haben eine ungewöhnliche Erfolgsphase hinter uns", sagte Söllner. Das Klinikum habe im Vorjahr fast 95 Prozent Auslastung erreicht. "Jetzt müssen wir bei der Qualität mit anderen mithalten. "Vier-Bett-Zimmer sind auf Dauer nicht tragfähig." Das Ziel sei daher, grundsätzlich Zwei-Bett-Zimmer anzubieten.

Kürzere Laufwege, weniger Aufzugsfahrten

Mit dem Neubau Süd und dem Neubau West, deren Grundriss einer liegende Acht entspricht, will das Klinikum zusätzliche Betten schaffen. Die neuen Ebenen sollen sich einerseits an den bestehenden Bettenbau anschließen. Andererseits soll das Krankenhaus in Richtung Notaufnahme und Cafeteria erweitert werden. Geschäftsführerin Brigitte Angermann erläuerte weiter, dass der Eingangsbereich nach vorne verlagert werde. Zwischen den Stationen sollen in Zukunft weniger Aufzugsbewegungen notwendig werden. "Im Anbau West werden wir drei Hauptwege haben: zur Notaufnahme, den Besuchereingang und die stationäre Aufnahme mit Röntgenabteilung und physikalischer Therapie." Damit würden die Laufwege insgesamt kürzer.

Das Krankenhaus habe bereits 30 zusätzliche Betten genehmigt bekommen, so Angermann. Diese könnten jedoch erst mit Beginn der Baumaßnahme geschaffen werden. Das Klinikum verfügt über 480 Betten in Kulmbach und 87 in Stadtsteinach. Davon sind 80 Ein-Bett-Zimmer, in 25 Zimmern könnten Patienten isoliert untergebracht werden, zwölf Zimmer seien behindertengerecht. Geplant sei, den Parkhausbau im Herbst fertigzustellen, sagte die Geschäftsführerin. Dann könnte der provisorische Wendekreis nach oben verlegt werde, um mit dem Umbau zu beginnen. Die Kosten für die drei Bauabschnitte bezifferte Angermann mit rund 120 Millionen Euro. Für den ersten Abschnitt, der zwei Jahre dauern würde, rechnet sie mit Ausgaben in Höhe von 41,9 Millionen Euro. Die Gesamtbauzeit werde ungefähr acht Jahre betragen.

Ärzte und Pflege genießen guten Ruf

"Unser Haus ist beliebt und steht für gute Ärzte und freundliches Pflegepersonal", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Klinikum Zweckverbands. "Daher müssen wir uns jetzt für die nächsten Jahre positionieren. Jeder Stillstand wäre ein Rücktritt." Jetzt gelte es, die Chance zu nutzen, zukunftsfähige Strukturen aufzubauen. Denn Lichtenfels bekomme ein Green Hospital und auch in Kutzenberg werde gebaut. Auch Kulmbach sei bisher "hervorragend bedient worden durch den Freistaat", so Schramm, "und wir fordern nichts Unrealistisches."