Kulmbacher Bank in Sorge

Von Gerd Emich

„Eine langfristige Prognose abzugeben, wäre nicht seriös“, betonte Stephan Ringwald, Vorstand der Kulmbacher Bank, bei der Vorstellung der Bilanz 2015. Für die nächsten fünf Jahre - das entspricht dem üblichen Planungszeitraum der Kulmbacher Bank - stehe das Kreditinstitut die aktuell schwierige Lage aber auf jeden Fall durch.

 Foto: red

Anders als in Bayreuth und Hof gebe es auch keine Gespräche oder gar Verhandlungen über Fusionen, bekräftigt sein Vorstandskollege Dieter Bordihn. Bundesweit beschleunige sich aber das Tempo solcher Zusammenschlüsse rasant. „Ich rechne für das kommende Jahr mit rund 100 Fusionen bei den derzeit noch etwa 1080 eigenständigen genossenschaftlichen Banken“, wagt er einen Blick in die nähere Zukunft.

Nach der Werbung weiterlesen

Genossenschaftsmodell in Gefahr

Das in Deutschland so erfolgreiche Modell der Genossenschaftsbanken hält das Führungsduo aber wegen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für stark gefährdet. Die mehr als 37.000 Kunden des Kulmbacher Institutes sehen das offensichtlich anders. Mehr als die Hälfte von ihnen (18.787) sind über Genossenschaftsanteile auch Eigentümer der Bank. Gegenüber 2014 bedeutet das einen weiteren Zuwachs von 479.

Die Genossen dürfen für das vergangene Jahr mit einer Dividende von 3,25 Prozent rechnen. So lautet der Vorschlag der Vorstände und des Aufsichtsrates an die neun örtlichen Vertreterversammlungen, deren Reigen bereits in der kommenden Woche beginnt.

Moderates Wachstum

Die meisten anderen Eckdaten der 2015er Bilanz zeigen ein moderates Wachstum der Bankgeschäfte. Nur die Darlehensnehmer haben sich im vergangenen Jahr etwas zurückgehalten. Vorstand Stephan Ringwald: „Unsere Kunden nutzen die Niedrigzinsphase verstärkt für Sondertilgungen. Ansonsten bekommen sie ja nichts mehr für ihr Geld. Und bei neuen Krediten achten wir weiterhin auf gute Bonität.“

Auch bei dem in der Kulmbacher Bank und bei ihren Partnern angelegten Geld (1,21 Milliarden Euro) habe noch „Luft nach oben“ bestanden. Ringwald: „Mehr Wachstum wäre möglich gewesen, aber wo sollen wir das Geld anlegen?“ Für Bundesanleihen gebe es derzeit bei einer Laufzeit von zehn Jahren nur magere 0,1 bis 0,2 Prozent Zinsen.

Kampf gegen den Minizins

Generell habe die Kulmbacher Bank wie alle regionalen Institute mit der weiter zurückgehenden Zinsspanne zu kämpfen. Glücklicherweise habe sich das 2015 noch nicht stark ausgewirkt, das werde aber nicht so weitergehen. Irgendwann würden die zu noch besseren Konditionen langfristig gebundenen Beträge fällig und müssten zu den aktuellen Bedingungen wieder angelegt werden.

2015 war für die Kulmbacher Bilanz in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Jahr. Es war geprägt von vielen internationalen Krisen, die sich zum Beispiel durch die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch auf die einheimischen Unternehmen auswirken. Auf der anderen Seite feierte das Institut gebührend seinen 150. Geburtstag.

Die EZB als Buhmann

„Es ist eine lange Erfolgsgeschichte, die wir fortsetzen wollen. Aber mit der Abschaffung der Zinsen hat nie jemand gerechnet“, betont Vorstand Stephan Ringwald. Der Buhmann für die schwierige Situation der regionalen Institute sitzt nach Einschätzung der Führungsspitze der Kulmbacher Bank eindeutig in der EZB.

„Deren Entscheidungen sind für uns meist realitätsfremd“, kritisiert Dieter Bordihn. Man müsse jetzt beispielsweise in einen Bankensicherungsfond einzahlen, obwohl man als „nicht systemrelevantes“ Unternehmen im Falle einer Schieflage niemals von dort unterstützt würde. Hilfen hätten bisher ohnehin nur private und öffentliche Institute wie etwa die Landesbanken bekommen, nie aber Genossenschaftsbanken.

Nähe zum Kunden

Trotz aller Probleme mit der großen Geldpolitik und leicht gestiegenen Betriebskosten setzt die Kulmbacher Bank weiterhin auf die Nähe zum Kunden. Weder gibt es Pläne für eine Fusion noch zur Schließung einer der 20 Standorte mit ihren 40 Selbstbedienungsterminals. Dieter Bordihn: „Letztlich entscheiden aber die Kunden selbst mit ihrer Nachfrage nach Bankdienstleistungen über deren Bestand.“

Auf der anderen Seite sieht sich das Institut auf der „Höhe der Zeit“, was das zunehmende Online-Banking angeht. Für viele Produkte sei bereits ein Online-Abschluss möglich. Und mit dem neuen Bezahlverfahren Paydirekt hätten die deutschen Banken und Sparkassen jetzt einen eigenen Service geschaffen, der bequem und vor allem besonders datensicher sei.

Die Kulmbacher Bank im Jahr 2015

(in Klammern Veränderungen gegenüber dem Vorjahr)

Bilanzsumme: 710 Millionen Euro (plus 0,9 Prozent)

Kundeneinlagen: 555,3 Millionen Euro (plus 2,7 Prozent)

Betreute Kundengelder und -kredite: 1,21 Milliarden Euro (plus 2,4 Prozent)

Darlehen und Kredite: 278,6 Millionen Euro (minus 0,2 Prozent)

Genossenschaftsmitglieder: 18787 (plus 479)

Geschäftsstellen: 20 (wie bisher)

Mitarbeiter: 155 (minus fünf), darunter elf Auszubildende

Geplante Dividende: 3,25 Prozent