Kulmbach nimmt Abschied vom Dekan Abschiednehmen vom Brückenbauer

In der Petrikirche in Kulmbach nahmen am Sonntagnachmittag die Gemeindemitglieder Abschied: Ihr Dekan Thomas Kretschmar legt aufgrund seiner Erkrankung sein Amt ab.

Kulmbach - Dekan Thomas Kretschmar verlässt nach fünf Jahren Kulmbach. Am Sonntag Nachmittag wurde dem beliebten Gottesmann ein berührender Abschied in der Petrikirche bereitet.

Unter Applaus der zahlreichen Gäste, verließ Dekan Thomas Kretschmar am Sonntagnachmittag nach dem Verabschiedungsgottesdienst die volle Petrikirche. Ein Zeichen von Anerkennung und Wertschätzung, für einen Gottesmann der als Brückenbauer, Mutmacher und Tröster galt. Eben einen Menschenfreund, wie Dekanatspräsidin, Christina Flauder, betonte. Regionalbischöfin, Dorothea Greiner war nach Kulmbach gekommen um die Entpflichtung aus dem Amt zu vollziehen. In ihrer Ansprache sagte Greiner, dass der Wochenspruch „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ passender zur Verabschiedung von Thomas Kretschmar hätte nicht sein können. „Als wir beide beim Vorgespräch auf diesen Gottesdienst auf diesen Wochenspruch aufmerksam wurden, war unsere Reaktion eine Mischung aus Schmunzeln, Nicken und Kopfschütteln. Kopfschütteln, weil dieser Spruch so unglaublich in deine Situation trifft, Nicken, weil Du fünf Jahre lang so viel Heilung erfahren hast und ihrer doch weiter stark bedarfst und Schmunzeln, weil das der Humor Gottes ist, dass er uns Worte schenkt, die auf berührende Weise passen. In diese Bitte auf Heilung stimmen wir alle hier ein und hoffen mit Dir und mit Sabine, auf Gottes heilsame Hilfe“, so die Rednerin. Thomas Kretschmar war der Wunschdekan der Regionalbischöfin für den Kulmbacher Dekanatsbezirk und als sie ihn dem Wahlgremium präsentierte, sprang auch dort sofort der Funke über: „Alle waren glücklich. Dann aber kam dein Anruf mitten aus den Umzugskisten: Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich bin Gott dankbar, dass ich ja sagte auf deine Frage, ob Du trotzdem kommen kannst. Es war ein Risiko für alle Seiten. Aber Gott hat in den vergangenen fünf Jahren geholfen, auf eine Weise, die alle erstaunt hat“, sagte die Regionalbischöfin.

Die Rednerin warf auch einen Blick auf die berufliche Vita von Thomas Kretschmar, die vor 34 Jahren mit dem Vikariat in Olching begann. 2006 wurde ihm dann die Leitung der damals mit 8300 Gemeindeglieder größten Kirchengemeinde der Landeskirche in Kaufbeuren anvertraut. Thomas Kretschmar erfüllte sein Amt mit unglaublichen Energie, Zeit und Kraft. Engagierte sich in Zusatzaufgaben und bildete sich weiter: „Man könnte sagen, das waren Stufen, die bestmöglich zum Dekansamt qualifizieren“, sagte Greiner. Zudem kannte sie Thomas Kretschmar seit Studienzeiten und wusste, wie fröhlich, kommunikativ und energiegeladen er von seiner Grundkonstitution ist. „Trotz seiner schweren Erkrankung und allen Begleittherapien fehlte es den Kirchengemeinden durch sein großes Kommunikationstalent und seine immense Arbeitsgeschwindigkeit an nichts“, zollte sie den zu Verabschiedenden ihre Bewunderung. Regionalbischöfin Dorothea Greiner gab sich überzeugt, dass ein Segen von dem Ehepaar Thomas und Sabine Kretschmar zurückbleiben wird: „Vielleicht ist der größte Segen, der aus Deinem Dienst, lieber Thomas zurückbleibt, die Weise, wie Du Deine Krankheit trägst. Du wirst dauerhaft vielen Menschen ein Vorbild bleiben.“

Dekan Thomas Kretschmar griff in seiner Predigt den Text auf, der im Buch des Propheten Jesaja im 38. Kapitel steht: „Hiskia, König von Juda um das Jahr 700 Jahre vor der Geburt des Herrn Christus. Das war einer der großen Könige des Alten Testaments. Ein gottesfürchtiger Mann. Ein guter Politiker. Und ein Mensch, ein ganz normaler Mensch. In der Mitte seines Lebens wird er krank. Sterbenskrank. Er soll sein Haus bestellen und weint bitterlich. Und Gott erhört ihn und er bekommt noch einmal 14 Jahre geschenkt, die er für sein Land und die Förderung des Tempels gut nutzt“, erläuterte der Dekan. Und dies komme Dekan Kretschmar bekannt vor. Er sagte, das Gefühl du sollst, du musst Dein Haus bestellen, das kenne er: „Und auch bitterliche Weinen, weil das Leben so ungerecht ist“. Aber so sehr die Lebensgeschichte des Königs Hiskia und des Dekans Kretschmar sich ähneln mögen, so gibt es einige Unterschiede, die ihm sehr wichtig sind, betonte der Gottesmann. Er sagt: „Ich musste nie jammern, denn ich darf darauf vertrauen, dass nach dem Sterben noch etwas Neues kommt. Dass ich auch dort Gott loben kann, wie es da auch immer sein wird. Mir hat das in all´ meinen Phasen meiner Erkrankung immer wieder eine Perspektive gegeben, die eben ganz anders ist, wie die des Hiskia: Ich vertraue darauf, dass mit dem Tod nicht alles aus. Ich sehe Krankheit nicht mehr als Strafe Gottes. Gott gibt mir vielmehr die Chance, in der Krankheit zu leben. Mit der Krankheit zu leben. Also genau das Gegenteil.“

Dekan Thomas Kretschmar sieht seine Aufgabe darin, den Menschen zu zeigen, dass man auch mit Krebs leben kann. Fröhlich sein und lachen. Arbeiten und feiern kann. Er sagt: „Mir war und ist wichtig, dass die Krankheit nicht mein ganzes Leben beherrscht, sondern dass ich sie in mein Leben integriere. Denn ich glaube, dass Gott uns das Leben geschenkt hat, damit wir leben.“ Und was Dekan Thomas Kretschmer für entscheidend hält: „Ich lebe und jeder Tag ist ein Geschenk Gottes an mich. So will ich leben.“ Abschließend sprach der Dekan noch ein paar persönliche Worte: „Ich bin der Petrigemeinde unendlich dankbar, dass sie uns beide, meine Frau und mich, mit offenen Armen aufgenommen haben, ja beinahe an die Hand genommen haben und ein Teil der Petrigemeinde haben werden lassen. Das hat uns gut getan. In den zahlreichen Grußworten aus Politik, von Weggefährten und Kollegen wurde deutlich, welche hohe Wertschätzung Dekan Thomas Kretschmar entgegen gebracht wird. Mit den besten Genessenswünschen verlässt Kretschmar Kulmbach und zieht mit seiner Familie nach München. Kretschmar wird Spuren in den Herzen der Menschen, die mit ihm in den vergangenen fünf Jahren zu tun hatten, zurücklassen, Der Gottesdienst wurde von Musikgruppen würdevoll umrahmt.

 

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