Kulmbach Kriegserinnerungen zum 95. Geburtstag

Werner Reißaus

Kulmbach - Im Kreise seiner Großfamilie hat Walter Franke vor wenigen Tagen in Kulmbach 95. Geburtstag gefeiert.

95. Geburtstag hat in Kulmbach Walter Franke inmitten seiner Großfamilie gefeiert. Links im Bild Pater Thomas Muttam und (von rechts) Bürgermeister Frank Wilzok und stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Foto: Werner Reißaus Quelle: Unbekannt

Kulmbach - Im Kreise seiner Großfamilie hat Walter Franke vor wenigen Tagen in Kulmbach 95. Geburtstag gefeiert. Zu den ersten Gratulanten gehörten seine fünf Töchter und drei Söhne sowie deren Familien. Geboren ist der nach wie vor putzmuntere Jubilar in Rosen, aber auf Rosen war der gebürtige Oberschlesier vor allem in jungen Jahren nie gebettet. So wurde er als 17-Jähriger gemustert und wenig später wurde er zum Kriegsdienst eingezogen.

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Die Lehre als Bau- und Möbelschreiner und den üblichen Arbeitsdienst hatte er gerade hinter sich gebracht, als er mit gerade mal 18 Jahren zum Militär einberufen wurde. Seine erste Station war die Stadt Neisse am gleichnamigen Fluss. Nach seiner Ausbildung erfolgte in einem Militärzug der Transport nach Italien in der Nähe von Rom. Walter Franke: "Von dort aus sind wir zur Sommerresidenz von König Umberto an die Front gekommen und da habe ich am 12. März 1944 einen Steckschuss in das Becken bekommen, der erst nach zehn Jahren entfernt wurde, denn ich konnte es vor Schmerzen nicht mehr aushalten. Acht Tage war ich nicht transportfähig."

Danach kam Walter Franke ins Lazarett, zuletzt wurde der verwundete Soldat in Sankt Georgen/Schwarzwald wieder gesund gepflegt. Nach der Rückkehr in seine Garnisonstadt Neisse folgte ein weiterer Kriegseinsatz in Ostpreußen. Mehr oder weniger durch Zufall gelang es Walter Franke, in ein Schiff am Hafen in Königsberg einzusteigen und über Gotenhafen später mit einem ungarischen Sanitätszug weiter in Richtung Hamburg zu fahren, wo er einen Bombenangriff überlebt hat. Der Militärzug fuhr zum Glück nicht nach Berlin, sondern weiter nach Süden, wobei in der Nähe von Dresden noch einmal ein kurzer Kriegseinsatz erfolgte. Und wenige Tage später hieß es: Der Krieg ist aus! Heute stellt Walter Franke fest: "Ich muss sagen, dass ich wirklich Glück hatte."

Und nach dem Überlebensglück im Krieg war Fortuna dem Jubilar noch einmal hold, als er nach den Kriegswirren seinem Vater zwischen Karlsbad und Eger sprichwörtlich in die Hände lief. In der Nähe von Cham gelang es ihm schließlich, auch seine Mutter ausfindig zu machen. Um zu seiner Mutter zu gelangen, ist er unter größten Anstrengungen und Schwierigkeiten mit dem Fahrrad von Hornschuchhausen - dort hatten Vater und Sohn bereits eine Unterkunft - in den Bayerischen Wald gefahren. Die Wiedersehensfreude war natürlich groß, dafür aber die Rückfahrt besonders beschwerlich, denn hauptsächlich gelang das oft nur über eine Mitfahrgelegenheit bei mehreren Molkereifahrzeugen. In Kulmbach war Walter Franke zunächst 15 Jahre bei Backer-Bau tätig, danach arbeitete er selbstständig im Güterverkehr, ehe er bei Farben-Kögel bis zu seiner Verrentung im Außendienst unterwegs war.

Im Januar 1951 heiratete Walter Franke seine Hildegard - eine Kulmbacherin. Aus der Ehe, die heute noch Bestand hat, gingen acht Kinder hervor. Vor allem die Töchter kümmern sich abwechselnd sehr liebevoll um ihren Vater, der selbst im hohen Alter immer noch viele häusliche Arbeiten selbst erledigt. Seine Ehefrau musste Walter Franke vor wenigen Jahren als Pflegefall in eine Senioreneinrichtung geben. Er besucht sie zusammen mit seinen Kindern regelmäßig. Für Hobbys fand der Jubilar aufgrund der Großfamilie keine Zeit. In jüngeren Jahren kartete er aber mit Freunden in einer Gastwirtschaft gerne eine Runde Skat.

Neben den Kindern und deren Familien gratulierten Bürgermeister Frank Wilzok für die Stadt Kulmbach, stellvertretende Landrätin Christina Flauder für den Landkreis Kulmbach und Pater Thomas Muttam von der katholischen Kirchengemeinde St. Hedwig.