Die Bayern also als Vorbild genommen, dazu ein wachsendes fränkisches Selbstbewusstsein und unter modischem Einfluss entwickelte sich schließlich auch in Oberfranken eine Tracht. Mit dem Dirndl der Bayern habe diese aber nichts zu tun, betont Birgit Jauernig, Trachtenberaterin für Oberfranken. Eine starke regionale Prägung haben in Oberfranken die Trachten der Fränkischen Schweiz, des Hummelgaus, der Kronacher Flößer und der Bamberger mit ihren Flügelhauben.Eine oberfränkische Tracht gibt es also nicht, Merkmale dafür jedoch schon: Statt eines Dirndls mit kurzen Ärmeln trugen die Frauen in Oberfranken einen Miederrock (sowohl als Zwei-, wie auch als Einteiler), darunter ein Frauenhemd mit langen Ärmeln, die gekrempelt wurden, ein Schultertuch und eine Kopfbedeckung (Haube oder Kopftuch). Diese Merkmale wurden im Laufe der Jahre und Jahrhunderte modisch angepasst. Jetzt wieder. Kulmbacher Frauen machen sich an die Erneuerung ihrer Kulmbacher Tracht. Tracht ist nichts Statisches, sagt Jauernig.Normalerweise geht einer Trachtenerneuerung die Recherche nach originalen historischen Kleidungsstücken voraus. Diese werden genau untersucht. Wer hat sie getragen, wann und wo, zu welchen Anlässen, aus welchen Materialien bestehen sie, welche Farben und Muster kommen vor, wie sind die Schnitte, worin unterscheiden sie sich von den angrenzenden Regionen? Dann wird mit einer erfahrenen Trachtenschneiderin der Schnitt in die heutige Zeit umgesetzt. Dabei achtet man darauf, die charakteristischen Elemente zu bewahren. In Kulmbach ging alles ein bisschen schneller, wollten die Kulmbacherinnen ihre Tracht doch zum Tag der Franken tragen. Die Zeit drängte also. Und so wurde dazu aufgerufen, nach originalen Kleidungsstücken zu suchen und sie vorzustellen. Etliche Personen reagierten auf diese Bitte und eine Frauentracht kam zum Vorschein, aus der Trachtenschneiderinnen ein neues Modell entwickelten. Typisches sollte dabei bewusst erhalten bleiben. Die kleinen Fältchen beispielsweise, die früher den Bund des Rockes umrahmten, sind heute nur noch als Zitat am Rücken vorhanden. Den heutigen Bedürfnissen und dem heutigen Geschmack angepasst das war Schneiderin Anita Sack wichtig. Die Tracht sollte kein Kostüm sein, sie soll gerne getragen werden. Und das von möglichst vielen Frauen. Das Mieder der Kulmbacher Tracht ist nach wie vor im Gegensatz zum Beispiel zur Coburger Tracht sehr schlicht, wird nur mit Haken und Ösen geschlossen. Umso üppiger dagegen die Zier am Rocksaum. Die Zierborten hatten auch einen Zweck: Die Länge konnte auf diese Weise gut variiert werden.
Erneuerte Tracht fürs Kulmbacher Land
Ulrike Sommerer 11.06.2010 - 15:47 Uhr