Kulmbach: Bahnhof weiter ohne Service

Zwei Automaten spucken am Kulmbacher Bahnhof die Tickets aus. Wer persönliche Beratung sucht, hat schlechte Karten. Foto: Archiv Foto: red

Der einstige Fahrkartenschalter ist verrammelt. Die Kunden suchen im Kulmbacher Bahnhof weiterhin vergeblich nach einem Mitarbeiter aus Fleisch und Blut, der für Fragen und Wünsche da ist. Am vergangenen Freitag verschärfte sich das Problem. Weil nach dem Sturm „Xavier“ Züge ausfielen, war der Fernverkehr der Bahn auf vielen Strecken stark eingeschränkt. Einige Fahrgäste saßen in Kulmbach fest. Ohne Plan und ohne Hilfe.

Das Unwetter hat einer Kulmbacherin die Stimmung verhagelt. Wegen „Xavier“ musste ihre Bahnfahrt nach Norddeutschland ausfallen. Am Freitagmorgen wollte sie ihr Ticket stornieren und sich nach Alternativen erkundigen. Doch am Bahnhof in Kulmbach gibt es nur noch Automaten statt persönlicher Ansprechpartner. Das nächste Reisezentrum der Bahn in Bayreuth sei viel zu weit weg, sagt sie. Bleibe wohl nur ein Anruf bei der allgemeinen Servicenummer der Bahn.

Auch ein ratloser Geschäftsmann hat am Kulmbacher Bahngleis festgestellt, dass er so nicht weiterkommt. In der Not suchte er den nächsten Autoverleih, um rechtzeitig den langen Heimweg antreten zu können.

Drei Monate sind schon rum

Mehr als drei Monate sind bereits vergangenen, seit die DB-Agentur dicht gemacht hat. Das Reisebüro „Rail & Fly“ ist Ende Juni aus dem Bahnhofsgebäude ausgezogen, der Kurier berichtete. „Anders als geplant können wir leider im Bahnhof Kulmbach zurzeit keinen Fahrkartenverkauf anbieten“, erklärt ein Bahnsprecher. Das Unternehmen habe mit der Bahnhofsbuchhandlung zwar einen Vertrag geschlossen. Dieser sah vor, dass künftig die Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Fahrkarten verkaufen sollen. Die Buchhandlung habe den Vertrag aber wieder zurück gegeben.

„Noch haben wir keinen neuen Interessenten, wollen aber grundsätzlich an einem personenbedienten Fahrkartenverkauf in Kulmbach festhalten“, sagt der Bahnsprecher. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Kunden schon im August das Angebot wieder nutzen können. Wann genau die Servicelücke geschlossen werden kann, darüber gibt es aktuell keine Informationen.

Organisatorische Probleme in der Buchhandlung

Die Bahnhofsbuchhandlung bestätigt, dass sie von dem Vertrag zurückgetreten ist. „Es hat organisatorisch für uns nicht funktioniert“, erklärt das Inhaberehepaar Wuttke die Gründe für diesen Schritt. Neben dem Hauptgeschäft eine DB-Agentur zu führen, sei vergleichsweise aufwendig und komplizierter als gedacht. Während der Mitarbeiterschulungen habe sich gezeigt, dass der Verkauf von Zeitungen und Büchern mit dem von Fahrkarten nicht zu vereinbaren sei. „Wir hätten sogar noch eine zusätzliche Stelle dafür geschaffen“, sagen die Inhaber. Trotzdem fiel der Entschluss, die Idee zu verwerfen.

Buchhandlung will umbauen

Die Bahnhofsbuchhandlung will in Kulmbach demnächst trotzdem umbauen. Die Arbeiten sind längst geplant und haben mit dem Fahrkartenverkauf nichts zu tun. Zuerst müssen noch die Fragen des Brandschutzes geklärt werden, bevor es wahrscheinlich im kommenden Jahr losgehen kann.

Von Seiten der Bahn heißt es, man arbeitet nun an einer Alternativlösung, damit es in Kulmbach bald wieder einen Schalterverkauf für Fahrkarten gebe.

 

Bilder