Kritik am Wasserwirtschaftsamt Hof Uferbefestigung gegen Quecksilber „sinnlos“

Brigitte Gschwendtner
Immer noch ein Riesen-Problem: Die Quecksilber-Altlasten aus der Chemischen Fabrik Marktredwitz. Foto: /Marc Müller, dpa

Die Giftmüll-Sicherung an der Kösseine und Röslau nennt Hermann­  Rühl „lach­haft“. Der Arzt aus Marktredwitz spricht von einer Verhöhnung der Bewohner­ des Kreises Wunsiedel und des benachbarten Tschechiens.

Brand/Arzberg - Als „Alibi-Aktionismus und Volksverdummung“ kritisiert Dr. Dr. Hermann Rühl von der früheren Bürgerinitiative zur Alt­lasten­­sanierung der Chemischen Fabrik Marktredwitz die Arbeit des Wasserwirtschaftsamts Hof. Die Behörde hat für ein EU-Forschungsprojekt drei Uferbereiche an der Kösseine bei Brand und der Röslau bei Arzberg befestigt. Diese neuen Uferbebauungen seien „eine Verhöhnung der Bewohner des Landkreises Wunsiedel und des angrenzenden Tschechiens: „Völlig sinnlos, es ändert sich gar nichts“, urteilt Rühl.

Riesige Umweltsünde

Wie berichtet, interpretiert das Wasserwirtschaftsamt Hof das Projekt als ersten kleinen Schritte gegen eine gigantische Umweltsünde. Denn Quecksilber aus der 1985 stillgelegten ­ Chemischen Fabrik Marktredwitz belas­tet­ das Fichtelgebirge und Böhmen bis heute massiv. Vor allem bei Hochwasser lösen sich an nicht ausreichend gesicherten Stellen Feinteile, die Giftmüll enthalten. Der Fluss spült sie weiter, teilweise bis in stark verseuchten Stausee Skalka bei Eger. Tschechien fordert seit langem stärkere Uferbefestigungen, um das weitere Auswaschen lebensgefährlicher Sedimente zu verhindern.

Arzt fordert Neutralität

Die aktuellen Gewässermaßnahmen sind dem Hals-Nasen­-Oh­ren-Arzt Rühl zufolge allerdings „lachhaft, peinlich und sinnlos“. Er fordert objektive Beprobung: Neu­trale Institutionen müssten Gewässer, landwirtschaftliche Flächen, Wohnbereiche, Bauerwartungsland in Marktredwitz sowie angrenzende Ortschaften im Landkreis Wunsiedel und in Tschechien untersuchen.

„Günstigerweise abbaggern“

Denn Quecksilber gebe es seit rund 200 Jahren in der Kösseine und der Röslau inklusive der Schwemmwiesen, argumentiert der ehemalige Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Altlasten aus Marktredwitz. Seit der Schließung der „Chemischen“ kamen keine direkten Einträge mehr hinzu. „Im Schwemmland blieb die Belastung unverändert, im Gewässerbereich ist der quecksilberhaltige Schlamm weiter befördert worden und wahrscheinlich im ruhigen Skalka-Stausee deponiert. Wegen des physikalisch-chemischen Löslich­keitsproduktes besteht die Möglichkeit der Mineralisierung und damit der stabilen Sedimentierung. Das lässt sich günstigerweise abbaggern und rückgewinnen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem: Das wäre eine gute Lösung für ein großes, neues Freizeitgebiet im Nahbereich“, argumentiert Rühl.

Fehlt politischer Wille?

Der Verifizierung müsse jedoch eine reale Beprobung zu­grun­deliegen, für die es offensichtlich keinen politischen Willen gebe. Rühl ist sicher: „Das wäre die Lösung.“ Auch ein Vergleich mit Werten der 1980er Jahre lasse sich anstellen, die im Wunsiedler Landratsamt, im Gewerbeaufsichtsamt und im bayerischen Umweltministerium ausreichend in Archiven vorhanden seien. „Wenn sie nicht aufgrund vorauseilender bürokratischer Vertuschung im Orkus verschwunden sind“, befürchtet der Quecksilber-Experte. Die EU gebe nun die Chance der Sanierung – im Gegensatz zu der „Drei-Affen-Methode“ des Landkreises in den 80er Jahren.

 

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