Tagelang stießen 200 Einsatzkräfte in einem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt auf immer neue Überraschungen. Nach und nach förderten sie ein enormes Waffenarsenal ans Licht. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.
Rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt
Bei den Durchsuchungen in Remscheid hatten Polizisten rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt - davon 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, darunter Präzisionsgewehre, 11 Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten - sowie fast 100.000 Schuss Munition.
Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert hatte die Gefahren betont, die von dem Fund ausgingen: "Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hätte man eine Vielzahl von Menschen töten und verletzen können. Das geht bis hin zum Amoklauf oder Terroranschlag, oder sie können damit sogar kriegerische Auseinandersetzungen aller Art führen."
Als Käufer vermuten die Ermittler Kunden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. Der Hauptangeklagte hatte gegenüber den Ermittlern behauptet, ein Großteil der Waffen sei Teil seiner Privatsammlung, die er nicht verkaufen wollte. Er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft.
Laut Anklage soll der Hauptangeklagte dem 38 Jahre alten Mitangeklagten insgesamt sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft haben. Dieser habe einen Teil der Waffen gemeinsam mit dem 35-Jährigen weiterverkauft.
Razzia dauerte mehrere Tage
Auf der Autobahn 1 bei Remscheid erfolgte im vergangenen Jahr der Zugriff: Spezialkräfte stoppten den Wagen des inzwischen 60-Jährigen. Bei mehrtägigen Durchsuchungen ab dem 26. Oktober 2025 stießen 200 Einsatzkräfte dann in seinem Haus auf immer mehr Waffen und eine umfangreiche Sammlung von Militaria aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Uniformen, Fotografien und Propagandamaterial wurden wie in einer Art Museum gelagert, auf das die Ermittler zunächst stießen. Dort fanden sich zahlreiche Dekorationswaffen oder unschädlich gemachte, sogenannte entmilitarisierte Waffen - ihr Besitz ist legal.
Doch dann entdeckten sie mehrere gut getarnte Räume im Keller des Gebäudekomplexes. Hinter einem Tresor und hinter einer Vitrine befanden sich zwei Geheimtüren, die nur mit einem versteckten Mechanismus geöffnet werden konnten. "Dahinter waren dann die illegalen Sachen", sagte Baumert.
Kriegswaffen hinter Geheimtüren, Munition im Türrahmen
Ein weiterer Geheimraum mit 29 Maschinengewehren und drei Panzerbüchsen wurde hinter einer weiteren Vitrine im Keller entdeckt, nachdem der Hauptbeschuldigte dessen Existenz verraten hatte.
In einem Raum fanden die Ermittler eine Art Werkbank und Werkzeug, mit dem alte, entmilitarisierte Waffen eventuell wieder schussfähig gemacht worden sein könnten. Dort lag eine Maschinenpistole. Der 60-Jährige ist ein gelernter Kfz-Mechaniker mit Kenntnissen als Büchsenmacher.
NS-Relikte
Im Keller wurden auch Hakenkreuz-Flaggen, SS-Uniformen und andere Relikte aus dem Nationalsozialismus sowie aus der früheren Sowjetunion gefunden. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet, konnte aber keine Anhaltspunkte für eine rechtsextreme Gesinnung des 60-Jährigen feststellen.
Das Bundeskriminalamt wertet den illegalen Waffenhandel als eine der größten Bedrohungen der inneren Sicherheit in Deutschland. Er gilt als ein Geschäftsfeld der organisierten Kriminalität. Das Wuppertaler Landgericht hat für den Fall bis zum 23. September zehn Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am 15. Juli fortgesetzt.