Denkbar knappe Mehrheit Kreistag beschließt Aus für Hotelfachschule

, aktualisiert am 08.07.2022 - 17:42 Uhr
Die Hotelfachschule in Pegnitz wird zum Schuljahresende 2021/2022 aufgelöst. Diese Entscheidung fällte der Kreistag am Freitagnachmittag bei seiner Sitzung im Bayreuther Landratsamt. Mit 27 zu 24 Stimmen fiel das Ergebnis nach einer emotional geführten Debatte relativ knapp aus. Der Kreistag ist mit dieser Entscheidung der Empfehlung des Kreisausschusses gefolgt. Foto: Frauke Engelbrecht

Der Kreistag hat das Ende für die Hotelfachschule Pegnitz beschlossen. Bis zuletzt dauerten die Rettungsversuche für das einstige Aushängeschild des Landkreises Bayreuth an.

So viel Spannung war nie. So viele Wortbeiträge gibt es im Kreistag auch nur selten. Nach einer leidenschaftlichen Debatte folgte am Freitag gegen 15.50 Uhr die Entscheidung. Der Landkreis schließt die Hotelfachschule in Pegnitz. Der Beschluss erging äußert knapp mit 27 Ja- und 24 Nein-Stimmen.

Dabei war es gar nicht so klar, dass es für die Schließung eine Mehrheit gibt. Noch am Montag stimmte der Ausschuss für Kultur und Soziales gegen die Schließung, der Kreisausschuss aber dafür.

Die Standpunkte  

Landrat Florian Wiedemann, Freie Wähler: Erneut führte Wiedemann die niedrigen Schülerzahlen und das hohe Defizit von durchschnittlich 530.000 Euro jährlich ins Feld. Nach den Worten des Landrats gibt es noch andere Schulen für Gastronomie und Hotellerie. So in Wiesau, für Interessenten aus dem Fichtelgebirge leicht erreichbar. Wiedemann führte auch Erkenntnisse der Bundesagentur für Arbeit an. Danach gibt es in der Region freie Ausbildungsplätze in Gastronomie und Hotellerie. Erneut sprach der Landrat von einer Chance, die sich durch die mögliche Ansiedlung der Verwaltungsschule ergebe. Zu guter Letzt sprach er auch die finanziellen Lasten für die Gemeinden als Umlagezahler an.

Stefan Frühbeißer, FWG: Nach seinen Worten ist der Kreistag zu sparsamer und wirtschaftlicher Haushaltsführung verpflichtet. Die knappen Mittel seien nachhaltig einzusetzen. Zur Hotelfachschule in Pegnitz gebe es Alternativen. Die heimischen Betriebe der Gastronomie und Hotellerie müssten sich fragen lassen, wie viele Auszubildende sie nach Pegnitz geschickt haben und wie viele Absolventen der Hotelfachschule sie beschäftigen.

Franc Dierl, CSU: Der Kreistag sei sich einig gewesen, der Hotelfachschule eine Chance zu geben. Einigkeit habe auch darüber bestanden, Personal für die Branche in der Region auszubilden. Dierl präsentierte erneut eine Liste mit Interessenten für eine Ausbildung an der Hotelfachschule. Sie habe unter Corona gelitten. Das Gastgewerbe brauche Nachwuchskräfte, deren Ausbildung man nicht mit der Höhe der Kreisumlage verbinden dürfe. Schulen erbrächten immer Defizite.

Stephan Unglaub, SPD: Der Kreistag stehe vor einer brisanten, weitreichenden Entscheidung. Als Mitglied in der Strategiegruppe habe er erlebt, wie sich die Pandemie auf die Weichenstellungen für die Schule ausgewirkt habe. Nun gebe es Anmeldungen. Die SPD setze sich den Erhalt ein. Der Kreistag stehe in der Verantwortung für Mitarbeiter und Schüler. Unglaub forderte eine weitere Bewährungsfrist, um mit der Wirtschaft und der Staatsregierung nach Lösungen zu suchen. „Wenn wir die Schule schließen, ist sie zu. Wenn die Verwaltungsschule nicht kommt, steht das Gebäude leer. Daraus eine Außenstelle für das Landratsamt zu machen – den Vorschlag tragen wir nicht mit“, so Unglaub an die FWG-Fraktion.

Hans Hümmer, FWG: Der Sprecher der FWG-Fraktion hatte schon früher scharfe Kritik am Finanzgebaren des Landkreises geübt. Nun warnte Hümmer: „Der Zeitpunkt für Veränderungen ist gekommen.“ Der Kreiskasse stünden enorme Belastungen wegen der steigenden Zinsen bevor. Gegenwärtig besuchen nach seinen Worten nur vier einheimische Schüler die Schule. Der Landkreis erbringe freiwillige Leistungen für andere Landkreise. „Wie lange wollen wir uns das noch leisten“, so seine Frage.

Grüne gespalten: Thomas Appel sprach sich für den Erhalt aus. „Die Schule hat ihren Wert.“ Sein Fraktionskollege Florian Questel sah es anders: „Wir müssen mit öffentlichem Geld sorgfältig umgehen. Questel stimmte anschließend für die Schließung. Er vermisse ein schlüssiges Konzept, um die Schule für die Zukunft fit zu machen.

Nebenschauplatz Verwaltungsschule: Markus Täuber, CSU, fragte nach der Bewerbung für die Bayerische Verwaltungsschule. Darauf Wolfgang Nierhoff, WG, der Pegnitzer Bürgermeister: Die Stadt wolle sich eine Option für die Ansiedlung offen halten. Gudrun Brendel-Fischer, CSU, wischte alle Hoffnungen sodann vom Tisch. Pegnitz habe bereits genug Schulen, darunter auch ein staatliches Gymnasium. Die Mitbewerber wie Neustadt/Aisch stünden schlechter da. Nierhoff äußerte später, er versuche Realist zu sein. „Wir müssen erkennen, dass junge Menschen manche Berufe nicht mehr erlernen wollen.“ Fakt sei: Es werden nicht mehr Interessenten. „Wir haben es zwei Jahre probiert.“

Mario Schulze, AfD: Zu wenig Schüler, hohes Defizit – „Es funktioniert einfach nicht“, so Schulze. Die AfD sehe die Zahlen ganz nüchtern. Um 15.08 Uhr forderte Schulz das Ende der Debatte. Doch die Mehrheit wollte weiter diskutieren.

Eine Premiere: Werner Lappat, CSU, warf der Kreiskämmerer Peter Knopp vor, unvollständige Zahlen zu präsentieren. Der Landrat stellte sich vor den Kämmerer und erteilte Lappat eine Rüge. „Schade, dass im Kreistag solche Vorwürfe erhoben werden“, so Wiedemann. Seine Rüge – eine Premiere im Kreistag.

15.33 Uhr: Simone Kirschner, CSU, beantragt namentliche Abstimmung, wofür sich eine Mehrheit findet. Das Ergebnis einige Minuten später: 27 Ja-, 24 Nein-Stimmen. Das Aus für die Hotelfachschule Pegnitz.

Autor

 

Bilder