Kreisel für Kanz Der Kreisverkehr und ein Gespenst

Die Ortsdurchfahrt von Eremitenhof soll sicherer werden. Dazu muss aber auch der Baum (Mitte) an der Abzweigung zur Wunaustraße gefällt werden. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Plötzlich taucht ein Gespenst auf in der Sitzung des Bauausschusses. Das Gespenst namens Wunauspange. Nur kurz ist es da bei der Diskussion um den künftigen Kreisverkehr am Eingang von St. Johannis und beim Ziel, die Ortsdurchfahrt von Eremitenhof sicherer zu machen. Helmut Zartner (DU) lässt es kurz aus der Kiste, die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe beerdigt es ebenso schnell wieder. Aber in den Köpfen der Anwohner ist es noch verankert.

Das Ziel ist klar definiert: An der Kreuzung der Königsallee, der Ochsenhut und der Straße nach Eremitenhof soll es sicherer werden. Die Kreuzung, die von der Ochsenhut in Richtung Eremitenhof - und umgekehrt - Sprungschanzen-Charakter hat, soll gemäß einem auf den Tag genau drei Jahre alten Beschluss des Bau- und Verkehrsausschusses zum Kreisel werden. Ein Verkehrsgutachten, das nach den Worten der Stadtbaureferentin Urte Kelm besonderes Augenmerk auf den geplanten Bau der Reha-Klinik der Deutschen Rentenversicherung (DRV) an der Lohengrin-Therme und die sich daraus ergebende Verkehrsentwicklung gelegt habe, habe zusätzliche Verbesserungsvorschläge erbracht. Dazu habe eine Elterninitiative den Wunsch geäußert, die Schulwegsicherheit zu erhöhen.

Ochsenhut ist sicherer

Das Ergebnis, sagt Kelm in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, sehe jetzt vor, die Bushaltestelle hinter den Kreisverkehr in Richtung Eremitage zu verlegen, "damit können wir auf einen zweiten Gehweg verzichten, die Ochsenhut bietet sich für die Querung besser an".

Neben diesem Plus an Fußgängersicherheit "haben wir auch die Bäume gerettet", sagt Kelm. Es werde der Eingriff in die Bäume "größtmöglich reduziert", wie es heißt. Die Kosten für den Kreisverkehr seien auch förderfähig, sagt Kelm.

Bis zu 600 Autos in der Spitzenstunde

Weil wegen der Klinik zwischen 30 und 40 Prozent mehr Verkehr erwartet werde - in der Spitzenstunde gehe die Prognose im Schnitt von 600 Fahrzeugen pro Stunde aus -, müsse man allerdings auch in Eremitenhof ran. Deshalb waren auch einige Anwohner gekommen, um bei der Sitzung dabei zu sein.

Im Gespräch mit dem Kurier äußert ein Anwohner auch konkrete Sorgen wegen der Verkehrszunahme. Auch er bringt hier bereits die Wunauspange ins Gespräch, die vor Bau der Lohengrin-Therme vor etwa 20 Jahren Reizthema war. Die aber stehe, wie Merk-Erbe auf Zartners Einwurf - der darauf hinweist, dass man damals gedacht hätte, ohne die Umfahrung gehe es nicht - sagt, "aber auch nicht mehr im Flächennutzungsplan steht"

Tor-Situation soll den Verkehr bremsen

Wie Kelm vorstellt, seien bereits im Radverkehrskonzept Empfehlungen enthalten, wie der Knotenpunkt der Wunaustraße und der Eremitenhofstraße - eine abfallende Linkskurve mit Einmündung - umgestaltet werden könne. Gerade an die Einmündung der Wunaustraße wolle man ran. Den Einmündungstrichter wolle man verengen, weshalb auch ein ortsbildprägender Baum gefällt werden müsse. In der Eremitenhofstraße solle ein farblich markierter Aufmerksamkeitsbereich geschaffen werden.

Während man den Kurvenbereich aufweiten wolle, setze man in der Eingangssituation nach Eremitenhof aus Richtung Seulbitz kommend "auf eine Tor-Situation", wie Kelm sagt. Also eine Verengung der Fahrbahn, damit die Autofahrer mit dem Tempo runter müssen.

Zweifel wegen der Belastung

Während der Kreisverkehr durchaus auf Wohlwollen der Stadträte stößt, wird Skepsis beim Thema Eremitenhof deutlich. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht etwa sagt, seine Fraktion könne "beim Kreisverkehr mitgehen", er habe aber Zweifel, ob in Eremitenhof das "Mehr an Verkehr aufgefangen" werden könne.

Ähnlich argumentiert Georg Kämpf (BG), der für die Anwohner in Eremitenhof Probleme sieht, "bei Stoßzeiten aus den Anwesen zu kommen". Er regt, wie später auch sein Fraktionskollege Ernst-Rüdiger Kettel, der "eine mobile Lösung" ins Spiel bringt, einen "Probelauf wie am Sendelbach" an, was aber sowohl Kelm als auch der Leiter des Stadtplanungsamts, Ulrich Meyer zu Helligen als wenig sinnvoll ansehen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske sieht zwar andere Kreuzungen, wie an der Universitätsstraße, an denen Kreisverkehre vorrangig gebaut werden sollten, nennt die "Planung aber durchdacht". Wichtig sei, Maßnahmen einzubauen, die den Anwohnern von Eremitenhof helfen. Viele Landkreis-Gemeinden machten ja vor, dass eine Tor-Situation den Verkehr verlangsame.

Der Bauausschuss stimmt dem Projekt zu - mit einer Gegenstimme.

 

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