Zusätzliche Belastungen für Pflege und soziale Dienste
Die Auswirkungen reichen weit über die Krankenhäuser hinaus. Auch die Pflege steht vor zusätzlichen Belastungen. Stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste kämpfen bereits heute mit Finanzierungsproblemen und Fachkräftemangel. Werden Krankenhäuser geschwächt, steigen gleichzeitig die Anforderungen an Pflegeeinrichtungen und Angehörige.
Versorgungslücken drohen größer zu werden, Wartezeiten nehmen zu und die Belastung der Beschäftigten wächst weiter.
Risiken für Menschen mit Behinderungen und die Eingliederungshilfe
Ebenso betroffen sind Menschen mit Behinderungen, die auf verlässliche medizinische, therapeutische und pflegerische Strukturen angewiesen sind. Werden Kliniken abgebaut oder Leistungen reduziert, verschlechtert sich der Zugang zu notwendiger Versorgung.
Gleichzeitig geraten Einrichtungen der Eingliederungshilfe zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, obwohl sie bereits heute mit steigenden Kosten und Fachkräftemangel kämpfen.
Rettungsdienst und Leitstellen geraten an ihre Grenzen
Auch der Rettungsdienst wird die Auswirkungen unmittelbar spüren. Wenn Klinikstandorte schließen oder Kapazitäten reduziert werden, verlängern sich Transportwege und Übergabezeiten erheblich, vor allem in einer Flächenregion mit weiten Wegen im Fichtelgebirge und in der Fränkischen Schweiz.
Rettungswagen und Einsatzkräfte werden dadurch länger gebunden, während gleichzeitig die Zahl der Einsätze steigt. Schon heute übernehmen Rettungsdienste vielerorts Aufgaben, weil andere Bereiche des Systems überlastet sind.
Fallen weitere Versorgungsstrukturen weg, steigt der Druck auf die Notfallversorgung weiter. Werden dort finanzielle Spielräume eingeschränkt, verschärft sich die Lage zusätzlich. Dies gefährdet die Sicherheit der Bevölkerung und belastet regionale Rettungsdienste und Leitstellen.
Kommunale Haushalte dürfen nicht weiter belastet werden
Die geplanten Maßnahmen führen zu erheblichen finanziellen Risiken für Kommunen. Städte, Gemeinden und Landkreise tragen bereits heute hohe Belastungen durch Sozialausgaben, Investitionsstau und Pflichtaufgaben.
Wenn Krankenhäuser wirtschaftlich unter Druck geraten oder soziale Strukturen wegbrechen, bleiben die Folgen häufig an den Kommunen hängen, etwa durch Defizitausgleiche, höhere Kosten im Rettungsdienst oder zusätzliche Sozialleistungen. Eine weitere Belastung der kommunalen Haushalte ist nicht tragfähig.
Unsere Forderungen an Bundesregierung und Gesetzgeber
Die Unterzeichnenden fordern deshalb die Bundesregierung und den Gesetzgeber auf:
- Kürzungen und Einschränkungen beim Pflegebudget zurückzunehmen
- eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Krankenhäuser sicherzustellen
- die wohnortnahe Versorgung insbesondere im ländlichen Raum zu schützen
- Pflege, Behindertenhilfe und Rettungsdienst nachhaltig zu stärken
- Kommunen nicht mit zusätzlichen finanziellen Lasten allein zu lassen
- Kosteneinsparungen durch Bürokratieabbau statt durch Einsparungen am Patienten zu erreichen
- Reformen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren statt gegen sie zu gestalten
Gesundheitsversorgung, Pflege und soziale Infrastruktur sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie dürfen nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Eine leistungsfähige Versorgung braucht verlässliche Finanzierung, gute Arbeitsbedingungen und politische Verantwortung.
Die unterzeichnenden Organisationen und Institutionen appellieren daher an Bund und Länder, die geplanten Maßnahmen grundlegend zu überarbeiten und die Versorgungssicherheit der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.