Konzertreihe Für Frieden und gegen Antisemitismus

Alle Mitwirkenden sind gut angekommen: Die Chorleiterin des Zamirchores, Barbara Baier, der israelische Dirigent Itzhak Tavior und die ukrainische Dirigentin Viktoriia Tsanko (von links) bei der ersten Probe in der Zamirhalle. Foto: /Ute Eschenbacher

Ihre Leidenschaft für Musik und ihre Energie sind ansteckend. Wie keine andere bringt Barbara Baier Musiker und Sänger aus aller Welt zusammen. Anfang Juli wird sie nun mit 120 Musikern aus 15 Nationen in Bayreuth, Bamberg und Halle für den Frieden unter den Völkern auftreten.

Die umtriebige Leiterin des Zamirchores probt seit Donnerstagabend in der Zamirhalle. Neben 15 Musikerinnen des Symphonieorchesters aus Uzghorod sind das Deutsche Radio Kammerorchester, der Ashirachor aus Israel und der Zamirchor aus Bayreuth dabei. Der Ashirachor aus der Region Galiläa wird von Oma Zeira angeführt, die eine langjährige Freundschaft mit Barbara Baier verbindet.

Eine Woche lang ist Zeit für Proben und Konzertauftritte. Geplant sind ein Gedenkkonzert in Halle, in Erinnerung an den Anschlag auf die Synagoge im Jahr 2019, und ein Friedenskonzert in Bamberg. In der Bayreuther Stadtkirche wird am Dienstag ein Benefizkonzert für die Ukraine gegeben.

Bei Ankunft Probe

Die Zeit drängt: Die Abreise der internationalen Mitwirkenden ist bereits am 6. Juli geplant. Schon bei der Ankunft geht es hoch her. Die Ukrainer haben eine Panne mit dem Bus und kommen später an. Die Israelis haben mit Verzögerungen am Flughafen in München zu kämpfen. Als sie nach und nach ihre Zimmer im Arvena-Kongresshotel beziehen, sind alle sichtlich erschöpft. Doch viel Zeit um sich auszuruhen oder etwas zu essen, ist nicht: Gleich um 19 Uhr beginnt die erste Probe mit dem israelischen Dirigenten und Komponisten Itzhak Tavior.

Musikalische Friedensbotschaft

Das erste Konzert ist schon am Sonntag um 17 Uhr, ein Friedenskonzert im Konzertsaal der Bamberger Symphoniker unter der Schirmherrschaft des dortigen Oberbürgermeisters Andreas Starke. „Gerade jetzt brauchen wir Initiativen und Ideen, um sich für den Frieden zu engagieren“, sagt Starke in seinem Grußwort. Der Zamirchor setze mit dem Friedenskonzert „ein deutliches Zeigen gegen den Krieg und für den Frieden“. Die kulturelle Veranstaltung sei mit einer Friedensbotschaft verbunden, die in diesen Zeiten bitter nötig sei. Doch die Musik könne inspirieren und Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.

Der Welt zeigen, was in der Ukraine passiert

Die Musikerinnen aus Uzghorod leben an der Grenze zur Slowakei. Da der Krieg im Westen der Ukraine noch nicht so verheerend wie im Osten und Süden ist, konnten die Frauen nach Bayreuth reisen. Im Gepäck haben sie Fotos aus ihrer zerstörten Heimat, die sie in einer Ausstellung zeigen wollen, wie die musikalische Leiterin Viktoriia Tsanko im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. So wurde zum Beispiel das Musikstudio „Musikaschki“ in Bucha völlig geplündert und niedergebrannt. Vorher konnten dort Kinder mit ihren Eltern musizieren. Ein Foto zeigt eine verstaubte Querflöte in einem Berg von Trümmern. „Die Welt soll sehen, was in der Ukraine passiert“, sagt sie. „Wir wollen zeigen, dass wir noch hier sind und weitermachen.“

Anschlag auf die Synagoge von Halle

Am Montag führt die Reise der Sänger und Musiker nach Halle. „Dort gestalten wir ein Gedenkkonzert zum Anschlag auf die Synagoge in Halle in der Ulrichskirche, in Anwesenheit des neugewählten Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Volker Beck, und dem Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde der Stadt Halle, Max Privorozki“, schildert Barbara Baier die weiteren Pläne. Auf dem Programm stehen wie in Bamberg Werke von Johannes Brahms, Guiseppe Verdi, Itzhak Tavior und Max Bruch.

„Antisemitismus tödliche Realität“

Die Schirmherrin des Konzertes ist die Beigeordnete für Bildung und Soziales, Katharina Brederlow, die wie die Bildungsministerin von Sachsen-Anhalt, Eva Feußner, bei dem Gedenkkonzert sprechen wird. „Der Ashirachor hat ein Grußwort des israelischen Staatspräsidenten Jitzchak Herzog im Reisegepäck.“ Ein Besuch und ein kurzer Auftritt in der Synagoge von Halle sind ebenso mit eingeplant. „Der Amoklauf an Yom Kippur 2019 hat einmal mehr gezeigt, dass der Hass auf jüdische Mitbürger längst kein marginales Problem mehr ist“, ist die DIG überzeugt. „Antisemitismus ist in Deutschland wieder tödliche Realität. Es ist höchste Zeit, öffentlich für die Gegenwart und die Zukunft jüdischen Lebens in unserem Land einzutreten und ein sichtbares Zeichen der Soldarität der Mehrheitsgesellschaft mit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu setzen.“

Krieg und Hass keine Lösung

Am letzten Abend ihres Aufenthaltes geben die ukrainischen Musikerinnen mit den Chören und Solisten am Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, ein Benefizkonzert für die Ukraine für die Hilfsbrücke Oberfranken-Transkarpatien in der Stadtkirche Bayreuth. Konzertmeister ist Walter Schreiber vom Deutschen Radio Kammerorchester. Zu hören sind bei dem etwas mehr als eine Stunde dauernden Konzert unter anderem die ukrainische Nationalhymne und Werke von Johann Sebastian Bach und Itzhak Tavior („End of Days“). Das Ziel: „Es ist uns allen ein ganz großes Anliegen mit unserer Musik für den Frieden und auch gegen Antisemitismus zu stehen. Krieg und Hasskampagnen sind keine Lösung! Wir möchten den Wunsch nach Frieden und Völkerverständigung mit so vielen Menschen wie möglich teilen“, sagt Barbara Baier.

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