Am Donnerstag wird Jonathan Meese 50 Jahre alt. Ein Alter, das Künstler zurückblicken lässt. Auf das eigene Leben, das Werk – aber eben auch auf das, was vielleicht nicht so rund gelaufen ist. Nicht anders ist es bei Jonathan Meese. Ein Erlebnis beschäftigt den streitbaren Künstler bis heute nachhaltig. Sein Scheitern bei den Bayreuther Festspielen. Dort sollte er 2016 den „Parsifal“ inszenieren, doch daraus wurde nichts: Jonathan Meeses Ideen stellten die Festspiele damals vor „erhebliche Finanzierungsprobleme“ – die Zusammenarbeit mit ihm wurde bereits 2014 beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte.

Eine Wunde, die bei dem radikalen Künstler nie verheilt ist. Das zeigen seine jüngsten Aussagen, denn Meese tut das, was er seit 2014 leidenschaftlich gerne tut: Austeilen. Gegen den grünen Hügel und seine Verantwortlichen: „Für mich ist das alles zu gefällig, zu anbiederisch“, sagt er kurz vor seinem Geburtstag vor Journalisten in Berlin. Ginge es nach ihm, dann würde er „nur die Radikalinskis holen, nur die Profis. Also niemanden, der politisch gleichgeschaltet ist.“

Richard Wagner kann man nicht gleichschalten

Ein klarer Nachtritt gegen Eric Laufenberg. Der Intendant des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden ersetzte Meese 2016 schließlich, inszenierte an dessen Stelle den „Parsifal“ und wurde von Meese noch Ende 2014 indirekt als „Kollegenschwein“ bezeichnet. Meese sagt, er wolle nie wieder in seinem Leben eine Oper machen. Mit einer Ausnahme: „Wenn mich Bayreuth ruft, um wieder was Radikales zu tun, dann würde ich das machen. Ich gehe aber davon aus, dass die Führung sowas von weltgleichgeschaltet ist für die nächsten zehn Jahre. Da wird nichts passieren.“

Als Problem des grünen Hügels macht Meese „Gefallsucht“ aus, aber „Richard Wagner kann man nicht gleichschalten“, sagt er und schickt eine Kampfansage direkt in Richtung Bayreuther Festspielhaus: Er traue es sich zu, „jede Inszenierung zu machen. Gleichzeitig“, und weiter: „Ich würde gerne Chef sein von dem Laden“, womit er Festspielleiterin Katharina Wagner verdrängen würde.

Diktatur der Kunst

Die ist die Meese-Attacken schon gewohnt und reagiert deshalb auf Kurier-Nachfrage gelassen: „Wenn Herr Meese sich befähigt fühlt, die Bayreuther Festspiele zu leiten, kann er sich gerne bei den Gesellschaftern um den Posten bewerben“, sagt sie. Katharina Wagner sieht das Scheitern der Zusammenarbeit mit Meese weiter in der Finanzierbarkeit seiner Inszenierung. „Die Produktion ist damals aus finanziellen Gründen gescheitert“, stellt sie klar. Leider habe jede Produktion finanzielle Grenzen und sicher könne man das auch als „Einschränkung der Kunst verstehen“, sagt Wagner.

Da scheint es nur logisch, das jemanden wie Meese, der die „Diktatur der Kunst“ proklamiert und selbst gewählt in einer sogenannten „Anti-Realität des Erzstaates Kunst“ lebt, solche Banalitäten wie Finanzierbarkeiten innerhalb der Kulturszene offenbar befremden. Solche Fragen können auch einfach nicht Teil eines künstlerischen Weltbildes sein, das die Kunst über alles stellen will.

Allerdings ist genau das die Herausforderung meint Katharina Wagner, wenn sie in Richtung Meese sagt: „Die meisten Kollegen respektieren die finanziellen Grenzen und beweisen täglich, dass sie trotz Budgetierungen herausragende Vorstellungen auf die Bühnen der Welt bringen können.“

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