Auswanderer aus La Palma „Die Lava steht vor dem Gartentor“

Konrad Hofmann, Auswanderer aus Neudrossenfeld im Landkreis Kulmbach, schreibt uns regelmäßig aus La Palma. Ein Vulkanausbruch bedroht die Insel seit über zwei Monaten und zerstörte große Flächen an Land.

Konrad Hofmann lebt seit dem Ruhestand mit seiner Familie, Manuela Delazzer und Daniel und Stefan Pürner auf La Palma. Er wandte sich an den Kurier, um auf eine von ihm initiierte Spendenaktion für die Einheimischen aufmerksam zu machen. Inzwischen sind nach seinen Angaben rund 6200 Euro zusammengekommen. Dazu zählt eine Spende von zehn Laptops der Firma Markgraf. Wegen logistischer Probleme musste die Lieferung ein zweites Mal gestartet werden.

Der Vulkan am Gebirgszug Cumbre Vieja verströmt bis zu 1300 Grad heiße Lava. Wie Nachrichtenagenturen berichten, wurden während des Vulkanausbruchs bisher fast 2750 Gebäude völlig zerstört. Zuletzt waren nach einer amtlichen Bilanz knapp 1150 Hektar von einer meterdicken Lavaschicht bedeckt. Diese Fläche entspricht etwa 1,6 Prozent des Inselterritoriums. Mehr als 7000 Bewohner mussten sich seit Ausbruch des Vulkans in Sicherheit bringen.

Am 30. November schreibt Konrad Hofmann: „Der Monstervulkan hat es nun auch endlich geschafft unser Anwesen zu vernichten. Die glühende Lava dringt in den Garten ein, drängt durch die Palmen zu den Häusern. Ein Moment, wenn man davor steht, mit Tränen in den Augen, aber es sind Naturgewalten. Diese Naturgewalten sind brutal, nehmen Menschen ihr Eigentum, ihre Lebensgrundlage. Aber dagegen kann man nichts tun. Wir leben auf dieser Vulkaninsel, und diese Erde ist ein glühender und flüssiger Ball.

Aber wir Menschen sind Überlebenskünster von Natur an, wir wollen leben und wieder aufbauen. Die Menschen auf La Palma sind solche Überlebenskünstler. Nach dem ersten Schock, nach Tränen und Verzweiflung, stehen wir wieder auf und suchen den Neuanfang und alle Möglichkeiten für eine neue „Isla Bonita”.

Wir hatten am Anfang zu kämpfen, sie zu koordinieren. Aber wir schaffen den Wiederaufbau. Das Überleben des Agrarsektors auf La Palma mit Bananen und Avocados ist unser Standbein. Ein weiteres Standbein ist der Tourismus auf unserer Insel. Dieses Geld brauchen wir ganz dringend.

Derzeit haben wir aber nur Vulkantouristen. Die lassen keine Geld auf der Insel. Die zehren an uns. Unsere Covidzahlen waren Dank unserer Gesundheitsbeauftragten Mercedes Coello so niedrig wie nirgendwo. Wir sind froh, dass die Direktflüge aus Deutschland und anderen Ländern eingestellt wurden.“

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