Konjunktur in Bayreuth Firmen vorsichtig, aber nicht pessimistisch

BAYREUTH. Brexit, Handelskriege, Iran-Krise – die konjunkturellen Risiken werden nicht kleiner, Wachstumsprognosen werden zusammengestrichen, sogar erste Befürchtungen einer Rezession werden laut. Doch im Raum Bayreuth bleibt die Wirtschaft erstaunlich gelassen, sagen Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberfranken, und Jörg Lichtenegger, der Vorsitzende des IHK-Gremiums Bayreuth und IHK-Vizepräsident, im Gespräch mit dem Kurier.

Natürlich seien die Unternehmen vorsichtiger, vor allem die stark exportorientierten. Aber gegenüber anderen Regionen in Oberfranken sei die Stimmung weiter deutlich besser. Was unter anderem am ausgewogenen Branchenmix aus Industrie, Handel und Dienstleistungen liege, der dafür sorge, dass es große Ausschläge wie andernorts meist nicht gebe – in beide Richtungen.

Keine dominanten Branchen

In Stadt und Landkreis gebe es keine dominanten Branchen und eine gute Mischung aus großen und kleineren Betrieben, so Hohenner. Vor allem sei man hier nicht so abhängig von den Bereichen Auto und Maschinenbau wie etwa in Bamberg oder Lichtenfels. Unter anderem dort sei das Konjunkturklima in der zurückliegenden Umfrage teils deutlich abgesackt, während es in Bayreuth nahezu konstant blieb: „Wir sehen hier keine Einbrüche. Die Unternehmer sind vorsichtiger, aber nicht pessimistisch.“

Firmen in Oberfranken sind gestählt

Was nicht heiße, dass es im Gremiumsbezirk keine Unternehmen gebe, die mittlerweile mit den Rahmenbedingungen zu kämpfen hätten, sagt Lichtenegger. Aber es gebe eben auch Firmen, die sich weiterhin überdurchschnittlich entwickeln, wie etwa Medi. Außerdem gelte: „Die Unternehmen in Oberfranken haben schon viele Krisen durchgestanden und sind entsprechend gestählt.“ Und sie wüssten natürlich auch, dass ein so langer Aufschwung nicht unendlich anhalten kann.

Noch kein Alarmzeichen

Dass bei den Arbeitsagenturen mittlerweile wieder vermehrt wegen Kurzarbeit nachgefragt werde, sehen Hohenner und Lichtenegger noch nicht als Alarmzeichen. Vielmehr würden derzeit Möglichkeiten ausgelotet, wie man die sich abzeichnende Delle überstehen könne, ohne Personal abzubauen, um später gleich wieder durchstarten zu können. Dazu gehöre auch der Abbau von Arbeitszeitkonten. Außerdem müsse man die gute Entwicklung der Beschäftigung berücksichtigen, betont Hohenner. In Oberfranken gebe es heute 434.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, 60.000 mehr als 1992. Im Bereich Bayreuth liege der Zuwachs bei fast 10.000 in zehn Jahren – trotz der Teilschließung der Zigarettenfabrik BAT.

Fachkräftebedarf

Der Fachkräftebedarf bleibe so oder so eines der beherrschenden Themen für die heimische Wirtschaft. Hier unterstütze die IHK die Betriebe mit Veranstaltungen und Projekten. Dabei gehe es unter anderem darum, die Berufsorientierung an den Schulen zu intensivieren und zum Beispiel Studienabbrecher für eine Ausbildung zu gewinnen. Die hervorragenden Ergebnisse bei der Weiterbildung, deren Abschlüsse mit denen an Hochschulen vergleichbar seien, zeigten, was man auch auf diesem Weg erreichen kann.

Dezentrale Organisation wichtig

Lichtenegger betonte, wie wichtig die dezentrale Organisation der IHK mit den Gremien für jede Region sei. Dadurch sei man nah dran an den Sorgen und Bedürfnissen der Unternehmen, könne als Moderator fungieren. Nur ein Bespiel seien der geplante Abriss und Neubau der Hochbrücke im Industriegebiet St. Georgen. Hier habe man den Planern die Befürchtungen der Unternehmen nahebringen können, die sie vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatten.

 

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