Kommentar Transparenz geht anders

Melitta Burger
Im Kulmbacher Rathaus sorgt ein Bauvorhaben derzeit mächtig für Wirbel. Foto: Archiv

Der Besitzer eines Reiterhofs in Seidenhof will sein Gelände zum Baugebiet machen. Die Art und Weise wie dass in der Stadt Kulmbach gehandhabt wurde, geht gar nicht, meint unsere Autorin Melitta Burger.

Es ist kaum zu glauben, was in der Stadt Kulmbach alles möglich ist. Da will, was sein gutes Recht ist, der Eigentümer eines Reiterhofs seinen Betrieb aufgeben und das Areal verkaufen. Idealerweise als Bauland. Schließlich bringt das den meisten Ertrag. Aber hier spielen ja noch viele andere Aspekte eine Rolle. Einer davon: Verträgt ein Dorf wie Seidenhof, das sich seinen Charakter erhalten hat, so viele neue Häuser auf einer Fläche, die noch dazu bislang als Außengebiet gelistet ist? Oberbürgermeister Ingo Lehmann, der sich vor der Wahl wegen des Baus einzelner Häuser als Kritiker mächtig ins Zeug gelegt und genau zu dem Thema Transparenz versprochen hatte, scheint das zur Seite gelegt zu haben. Denn in seiner Verantwortung ist nun ein großes Baugebiet in Seidenhof unter denkbar fragwürdigen Bedingungen auf den Weg gebracht worden.

Ungewöhnlich kurze Fristen

Die Bürger haben nur durch Zufall davon erfahren, weil die Stadt bereits, angeblich nur im Vorfeld, Träger öffentlicher Belange um ihre Stellungnahmen gebeten hat. Mit ungewöhnlich kurzen Fristen. Wie soll jemand binnen 14 Tagen, noch dazu in der Urlaubszeit, ernsthaft prüfen können, ob ein großes neues Baugebiet mitten in bislang freier Natur verträglich ist oder nicht? Als wäre das nicht schon schlimm genug: Auch im Stadtrat weiß offenbar keiner, was da am Laufen ist. Solche maßgeblichen Planungen müssen, bevor irgendetwas losgetreten wird, im Stadtrat und mit den Bürgern diskutiert und dann erst auf den Weg gebracht oder eben zu den Akten gelegt werden. Dazu bräuchte es nicht einmal große Versprechen von Transparenz. Das gehört sich einfach so.

Zu Recht wütend

Dass sich die Seidenhofer jetzt verschaukelt fühlen, kann man ihnen nicht verdenken. Auch nicht, dass sie sich nun fragen, ob es denn Zufall gewesen ist, dass der nicht unbedingt als ambitionierter Reiter bekannte OB vor wenigen Wochen als Gast ausgerechnet auf dem Hoffest in Seidenhof bei Freibier und Bratwürsten gesehen worden ist. Ob das eine Rolle gespielt hat, wissen wir nicht. Fakt ist: Nur kurze Zeit nach diesem Besuch wurden die Pläne für das Baugebiet auf diese höchst ungewöhnliche Weise ins Rollen gebracht. Ingo Lehmann muss sich nicht wundern, wenn nun über seine Rolle spekuliert wird. Hätte er sich an seine Versprechen von Transparenz gehalten, wäre ihm das erspart geblieben. So muss er sich jetzt der Wut der Seidenhofer aussetzen und einmal mehr der Wut seiner Stadträte. Denn auch die fühlen sich veräppelt, wenn sie von Bürgern angesprochen werden und keinerlei Antwort geben können, weil auch sie von nichts wissen, obwohl das Rad längst schon rollt.

Schiffbruch vorhersehbar

Ingo Lehmann muss sich jetzt nicht wundern, wenn nun schon aufgrund dieser ganzen merkwürdigen Vorgehensweisen auch dieser Bauplan wieder in die Hose gehen sollte. Erfahrungen mit Schiffbruch hat der OB ja bereits vom Pörbitscher Platz und in gewisser Weise auch aus Metzdorf. Aber Lehmann hat offenbar daraus nichts gelernt, sondern im Fall Seidenhof gleich noch mal eins draufgesetzt. So geht das nicht.

 

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