"Komische" Rückkehr Nate Linhart kommt mit Bonn in die Oberfrankenhalle

Als Topscorer mit 16 Punkten führte Nate Linhart (rechts) im Heimspiel der vergangenen Saison noch die Bayreuther zum 97:85-Sieg gegen die Telekom Baskets um Julian Gamble (links). Am Sonntag will er nun mit den Bonnern die Punkte aus der Oberfrankenhalle entführen. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Viele Fans von Medi Bayreuth werden sich auf kommenden Sonntag freuen, wenngleich ihr Team im Playoff-Rennen nur noch geringe Chancen hat. Denn dann kehrt ein Spieler auf das Parkett der Oberfrankenhalle zurück, der maßgeblichen Anteil an den Erfolgen in den vergangenen beiden Jahren hatte und dessen Verbleib sich viele gewünscht hätten. Nie groß als Scorer in Erscheinung getreten, aber mit seinen Allroundfähigkeiten und seiner mannschaftsdienlichen Spielweise enorm wertvoll. Nicht nur ein Leistungs-, sondern auch ein absoluter Sympathieträger. Die Rede ist von Nate Linhart, der Anfang Februar bei den Telekom Baskets Bonn Egozocker Ra’Shad James ersetzt hat.

Von elf Bundesligaspielen mit Linhart gewannen die Rheinländer acht und liegen als Tabellensiebter vier Minuspunkte vor Platz neun. „Er ist ein echter Teamplayer. Er gibt uns Stabilität, die sich in keiner Statistik ausdrückt. Das Spiel hat gezeigt, wie gut er ist. Da waren ein paar extrem gute Pässe dabei“, lobte nach dem 92:81-Sieg gegen Bamberg Sportmanager Michael Wichterich den 32-jährigen US-Amerikaner, der sich ebenfalls auf seine Rückkehr freut – wenn auch erst einmal nur für ein Spiel.

Herr Linhart, am Sonntag kommen Sie in die Oberfrankenhalle zurück. Mit welchen Gefühlen?

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Nate Linhart: Ehrlich gesagt, wird es ein bisschen komisch sein. Ich hatte hier zwei schöne Jahre, habe sehr gute Erinnerungen und kenne die Leute. Aber ich freue mich.

Vorher haben Sie unter anderem in Italien, Israel und Spanien gespielt. Welchen Stellenwert haben die zwei Jahre in Bayreuth noch für Sie?

Linhart: Es war sehr wichtig für mich, nachdem ich zuvor jede Saison in einem anderen Land gespielt hatte. Zurück in Deutschland zu sein und zwei Jahre in der gleichen Stadt. Das war sehr bequem, und das habe ich gebraucht für meine Karriere. Wie gesagt, es war eine schöne Zeit.

Haben Sie nach ihrem Abgang die Bayreuther Spiele noch verfolgt?

Linhart: Natürlich! Was ich gesehen habe, sind sie immer noch eine gute Mannschaft, auch wenn sie leider ein paar Spiele verloren haben in den letzten Wochen. Und der Coach ist einer der besten. Wir wissen, dass sie eine hohe Qualität haben.

Haben Sie dann eine Erklärung dafür, wieso es nicht mehr so läuft wie in den vergangenen beiden Jahren? Fehlt vielleicht ein Spieler wie Sie?

Linhart: Sie haben viele neue Spieler in dieser Saison. Manchmal ist es nicht so einfach, bis alles zusammenpasst. Es muss eine Chemie da sein.

Schafft Bayreuth dann noch die Playoffs?

Linhart: Sie kämpfen noch darum und haben noch eine Chance. Es wird aber schwierig.

Sie haben sich nach der vergangenen Saison für einen Wechsel nach Charleroi entschieden. Welchen Stellenwert hat Basketball in Belgien?

Linhart: Es ist eine gute Liga. Nicht so gut wie Spanien oder Deutschland, aber doch mit Qualität. Das sieht man auch daran, dass Antwerpen im Final Four der Champions League steht.

Trotzdem sind Sie Anfang Februar schon wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Wieso hat es für Sie in Charleroi nicht gepasst?

Linhart: Wir hatten ein paar Spiele verloren und einen Trainerwechsel. Es war irgendwie eine komische Saison, in der es nicht so gut gelaufen ist. Ich fühle mich in Deutschland einfach wohler. Die Entscheidung zur Trennung von Charleroi war einvernehmlich, und als Bonn anrief, hat es sehr schnell funktioniert.

War wenigstens das belgische Bier gut?

Linhart: Ja, aber auch die Waffeln und die Schokolade.

Haben Sie sich mittlerweile in Bonn eingelebt?

Linhart: Es ist eine schöne Stadt, in der es viel zu tun gibt. Ich freue mich, hier zu sein. Wir haben eine gute Mannschaft, alles ist sehr professionell. Ich habe es zwar schon mal gesagt, aber es ist wirklich so: Ich mag Deutschland, es ist meine zweite Heimat.

Wie war das erste Karnevalsspiel im Bonner Trikot für Sie? Ist die Stimmung im Telekom Dome besser als in der Oberfrankenhölle?

Linhart: Das ist eine schwierige Frage. Sagen wir so: Es war anders. Und es war schön, auf der Siegerseite zu spielen, nachdem ich zweimal als Gegner dabei war und verloren habe. Die Fans bringen uns mit ihrer hohen Energie auf ein höheres Level.

Mit 3,7 Punkten pro Spiel machen Sie wesentlich weniger als noch in Bayreuth und Charleroi. Hängt das auch mit ihrer etwas anderen Rolle zusammen, in der sie noch mehr als Spielmacher agieren?

Linhart: Das kann schon sein. Für mich war es das erste Mal, mitten in der Saison zu wechseln. Das ist ein bisschen komisch. Wir haben viele Scorer in der Mannschaft. Mein Part ist es, der Playmaker zu sein, meine Erfahrung einzubringen, das Spiel zu organisieren.

Und Ihre Dreierquote?

Linhart: Ja, bis jetzt habe ich nicht so gut geworfen. Aber ich habe ein paar extra Würfe im Training genommen. Ich glaube, es kommt noch.

Apropos Training: Wie ist Ihr Eindruck von Coach Chris O’Shea, der ja ein völlig anderer Typ als sein Vorgänger Predrag Krunic ist?

Linhart: Sehr gut. Die Mannschaft hat einen guten Rhythmus, wir trainieren sehr hart. Unter Krunic war ich ja noch nicht hier. Wie ich es jetzt sehe, macht Chris O’Shea einen sehr guten Job.

Nach einigen unglücklichen Aktionen in den ersten Partien hatten Sie vor zwei Wochen gegen Bamberg mit acht Assists Ihr wohl bestes Spiel. Auch die anderen Nachverpflichtungen Olivier Hanlan und Stefan Bircevic waren sehr stark. Findet Ihr langsam zusammen?

Linhart: Ich glaube schon. In einem Spiel ohne Josh Mayo bietet sich anderen Spielern eine große Chance, die sie genutzt haben. Es ist sehr wichtig, als Mannschaft geschlossen aufzutreten, um Bamberg zu schlagen. Es hat richtig Spaß gemacht. Leider haben wir das letzte Spiel in Bremerhaven dann verloren.

Habt Ihr die abstiegsbedrohten Bremerhavener nach den deutlichen Erfolgen im Pokal und im Hinspiel sowie dem grandiosen Sieg gegen Bamberg vielleicht unterschätzt?

Linhart: Nein, so würde ich es nicht sagen. Wir haben einfach nicht gut gespielt. Wir hatten nicht genug Energie und haben nicht so gut geworfen, nur 4/23 Dreier getroffen. Schade, aber das kann passieren. Jetzt müssen wir uns auf Bayreuth fokussieren.

Beide Spiele musstet Ihr ohne Josh Mayo bestreiten, der wegen einer Virusinfektion fehlte. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Linhart: Er ist unser Kapitän, schon drei Jahre hier und der Leading Scorer. Wir brauchen ihn.

Ein bitterer Moment war das Aus im Achtelfinale des Europe Cups gegen Alba Fehervar aus Ungarn.

Linhart: Es war natürlich enttäuschend, zu verlieren. Aber der Europe Cup kann ein komischer Wettbewerb sein. Die Ungarn waren sehr hungrig, haben gekämpft und sehr gut geworfen.

Bonn gilt mit fünf Vizemeisterschaften als der ewige Zweite, in den vergangenen Jahren war schon immer im Viertelfinale Schluss. Wie weit kann es in dieser Saison gehen?

Linhart: Das werden wir sehen. Als erstes wollen wir die Playoffs erreichen. Und dann ist alles möglich. Wenn man eine gute Mannschaft wie Bamberg geschlagen hat, kann man auch in den Playoffs für Aufsehen sorgen.

Ihr Vertrag in Bonn gilt für diese Saison. Gibt es schon Pläne für die nächste?

Linhart: Nein, noch nicht. Ich will diese komische Saison erst einmal gut zu Ende spielen. Im Sommer werde ich mir dann wieder den nächsten Schritt überlegen.

Können Sie sich auch eine Rückkehr nach Bayreuth vorstellen?

Linhart: Ja, klar. Schließlich habe ich nur gute Erinnerungen.

Worauf wird es am Sonntag ankommen, um in Bayreuth zu gewinnen?

Linhart: Auf ganz viele Dinge. Es ist ein sehr wichtiges Spiel für beide Mannschaften. Es wird von Beginn an ein Kampf werden. Wir müssen sehr schnell spielen und den Rebound kontrollieren – einfach unser Spiel spielen. Wenn alles läuft, haben wir eine gute Chance, zu gewinnen.

 

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