Werner Kolanus ist Uhrmachermeister, auch mit 73 steht er noch jeden Tag im Laden. Er hat den Wandel in der Maximilianstraße erleben können. „Früher bestand die Häuserzeile zu einem Großteil aus Einzelhändlern. Heute dominieren die Ketten.“ Dazu käme, dass das Gros der Kunden im oberen Teil des Marktplatzes, der durch die Marktbuden attraktiver sei, hängenblieben. Doch nicht nur das bereitete ihm und seinem Sohn, dem BWLer, Sorgen. Das Internet ist der größte Konkurrent. Kolanus Senior kann das verstehen. „Da liegt man zuhause gemütlich auf dem Sofa, klickt sich durch die Seiten und bestellt einfach.“ Die hohe Miete tut ihr Übriges, so konnte es nicht weitergehen.

Modernes Atelier

Jetzt schauen Vater und Sohn in die Zukunft: Das Juwelier-Geschäft in Kulmbach bleibt, wie es ist. Miete muss dort nicht gezahlt werden, das Geschäft ist Eigentum der Familie. Aus dem Traditions-Geschäft in der Maximilianstraße soll ein junges, modernes Atelier mit offener Werkstatt werden. Wo genau das stehen wird, ist noch nicht ganz raus. Philipp Kolanus: „Wir haben zwei bis drei Optionen, die sich vermutlich im Laufe der nächsten Woche klären werden.“ Das Atelier, so viel kann er sagen, wird in direkter Nähe zum alten Laden sein, aber zu günstigeren Konditionen.

Der Goldschmied, der bislang in Diensten der Kolanus‘ stand, wird weiterhin im Atelier arbeiten, aber so, dass man ihm über die Schulter schauen kann. Philipp Kolanus: „Wir wollen hier in Bayreuth weg vom klassischen Juwelier, weg von den Marken. Die Einrichtung wird mit wenigen Vitrinen minimalistisch sein, wir wollen Schmuckausstellungen von jungen Designer zeigen und eben auch jungen, frischen, modernen, bezahlbaren Schmuck anbieten.“ Die alte Serviceleistung – Reparatur oder Umarbeitung – werde weiterbestehen.

"After-Internet-sale-Service"

Und auch im Zeitalter des Internets werden Fachleute wie Kolanus weiterhin gebraucht. Philipp Kolanus: „Was mache ich denn mit meinem im Netz bestellten Schmuck, wenn der kaputt ist? Schicke ich den zu Amazon zurück? Nein.“ Er nennt es scherzhaft den „after-Internet-sale-Service“, ein Wort, das Schule machen könnte. Und er glaubt auch, dass er im übertragenen Sinn vom Internet profitieren könne. „Wie viele Frauen bewundern Ohrringe, die ein Star auf dem Roten Teppich trägt? Wir könnten die nachbilden – natürlich viel günstiger.“ Und über einen weiteren Service denkt er nach: Paare könnten sich ihre Trauringe im neuen Geschäft selbst machen.

Trotz aller Zukunftsmusik ist Werner Kolanus nachdenklich. Viele Jahrzehnte stand er hier hinterm Verkaufstresen, über ihm der prägnante goldene Kronleuchter. Dass diese Ära zu Ende geht, stimmt ihn traurig. Was ihn beruhigt ist seine Gewissheit: „Wir müssen handeln – und ich glaube, dass meine Kunden bleiben werden.“ Warum auch nicht. Er bleibt ja der Uhrmachermeister in der Firma, „meinem Vater würde sonst langweilig werden“, sagt Philipp Kolanus.

Juwelier Heyder bleibt

Ein paar Schritte von Kolanus entfernt, in der Opernstraße, residiert das Juweliergeschäft Heyder. Inhaber Berthold Hoffmann hatte ursprünglich zum Jahreswechsel schließen und Wohnungen in dem Geschäftshaus einrichten wollen. Jetzt macht er doch noch weiter: „Wir haben uns zu einer Sortimentsbereinigung entschlossen. Wir stellen uns jetzt neu auf und werden uns etwas für die Herausforderung Internet überlegen.“