Klinikum Unwürdig

Joachim Haun. Foto: Andreas Harbach

KOMMENTAR. Das Klinikum Bayreuth bietet Stoff für eine ganze Staffel einer Krankenhaus-Serie. Ärzte werden am Fließband gekündigt, das Projekt Medizin-Campus stockt, gar nichts tut sich beim Um- und Ausbau des Klinikums, die Staatsanwaltschaft ist im Haus und angeblich werden die Zahlen immer roter. Unterm Strich: Chaos.

Sagen die einen und haben den Schuldigen ausgemacht. Klinik-Chef Joachim Haun. In jeder Serie gibt es halt den Bösen. Und die Guten gibt es auch: den Aufsichtsrat und die anderen Gremien mit Politikern und Ärzten, die immer auf der Seite der Patienten stehen und das große Ganze im Blick haben. Soweit das Drehbuch. Jetzt die Realität.

Tatsächlich geht im Moment wenig am Klinikum. Geld liegt in München bereit, aber kein Bagger für den 85 Millionen Euro teuren ersten Umbau- und Ausbau rollt an. Ob Haun alleine daran schuld ist? Wären sich die Ärzte in der Vergangenheit einig gewesen, ob eine Kinderklinik oder neue OP-Säle zuerst gebaut werden, vielleicht wären die Bagger längst da.

Dann die roten Zahlen, 15 Millionen Euro Verlust werden kolportiert. Aber, das verschweigen diejenigen gerne, die das Haus in den Abgrund rutschen sehen: Der Verlust ist deutlich geringer, etwa fünf Millionen, und noch ist extrem viel Geld auf dem Konto der Klinik, größtenteils für den Umbau. Und ob ein Sparbuch in dieser Höhe sinnvoll ist oder ob es nicht doch besser ist, einen Teil davon zu investieren, darüber könnte man auch nüchtern diskutieren.

Und die Ermittlungen im Haus? Sind nach einer Anzeige in einer Vor-Ermittlungsstufe. Ob das was wird – unsicher. Aber damit lässt sich gut Stimmung machen.

Der Medizin-Campus: Heuer starten in Erlangen die ersten 50 Studenten, die in zwei Jahren zur Ausbildung nach Bayreuth kommen werden. Also auch hier tut sich etwas mehr, als es nach außen dringt. Außerdem sitzt am Verhandlungstisch nicht nur einer aus der Bayreuther Klinik.

Spannend also, was hinter den Kulissen abläuft. Aber leider auch unwürdig. Das zeigt sich beim Versuch vergangene Woche, Haun vorzeitig zu schassen. Das könnte in zwei Wochen gelingen, dann stünde eine Firma bereit, die einen Geschäftsführer stellt.

Ob diese Interims-Lösung für den nötigen Wums am Roten Hügel sorgt? Für klare und schnelle bauliche und personelle Entscheidungen? Für Frieden im Haus selbst? Zweifelhaft. Und das ganze ohne Ausschreibung? Wer nach schnellen Lösungen sucht, findet eben nicht immer die saubersten und macht sich angreifbar.

Bei all dem bleibt eine Frage offen: Was hat eigentlich der Aufsichtsrat in all den Jahren des Stillstands und angeblichen Niedergangs getan? Er ist das höchste Lenkungs-Organ. Von ihm erwartet man, dass er antreibt und steuert. Was fehlt ihm? Durchsetzungsvermögen, Kompetenz oder Wille?

Ein Gutes hat die Situation. Es ist höchste Zeit, über die Besetzung dieses Aufsichtsrates nachzudenken. Eine weitere Staffel der Krankenhaus-Serie übers Klinikum wäre noch unwürdiger.

otto.lapp@kurier.de

 

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