Klinikum Neue Personaldirektorin will Fachkräfte finden und binden

Petra Haackert ist Personaldirektorin am Klinikum Bayreuth. Foto: red

BAYREUTH. Eine vakante Spitzenposition am Klinikum Bayreuth ist jetzt besetzt: Petra Haackert heißt die neue Personaldirektorin. Sie kümmert sich um die Belange von gut 3200 Mitarbeitern - und soll dafür sorgen, dass es demnächst noch deutlich mehr werden.

Personalchefs gab es schon immer am Klinikum, einen Personaldirektor bisher nicht. Der Aufsichtsrat hatte im Mai 2017 beschlossen, dass Geschäftsführer Joachim Haun von einem Direktorium unterstützt werden soll. Neben Haun selbst besteht es derzeit aus fünf Personen. Zuletzt war vor rund drei Monaten die Medizinische Direktorin Marita Geiger dazu gestoßen, am 1. Februar soll ein kaufmännischer Leiter dazukommen, dessen Name noch nicht genannt wird. Und seit 1. Januar hat Petra Haackert das Amt der Personaldirektorin inne, nachdem der zunächst ausgewählte Kandidat Martin Neuhaus vor einem dreiviertel Jahr „aus persönlichen Gründen“ abgesagt hatte.

"Personalerin von ganzem Herzen"

Die 45-jährige gebürtige Wienerin kam über Umwege zu ihrem Beruf, hatte zunächst mehr mit Zahlen als mit Menschen zu tun. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität in ihrer Geburtsstadt arbeitete sie in München als Prüfungsleiterin einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, dann vor 15 Jahren im Personalbereich eines Pharmaunternehmens. Aus privaten Gründen zog sie in den Chiemgau, suchte eine neue Stelle und fand sie vor fünf Jahren als Personalleiterin am Krankenhaus Erding. „Personalerin bin ich von ganzem Herzen. Und ich wollte unbedingt im Medizinbereich bleiben, weil ich es als sinnstiftend empfinde, mit meiner Arbeit die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Ärzte und Pflegepersonal Patienten helfen können“, sagt Haackert.

160 neue Jobs für Medizincampus

Nach Bayreuth sei sie gewechselt, weil sie sich im Erdinger Krankenhaus nach Umorganisationen nicht mehr am richtigen Platz gefühlt habe.  An der Stelle im Bayreuther Klinikum habe sie besonders gereizt, dass das Management hier gerade neu aufgestellt wird und der Medizincampus Oberfranken im Entstehen ist. Ab 2021 sollen die ersten Medizinstudenten den praktischen Teil ihrer Ausbildung in Bayreuth absolvieren. Für die wissenschaftliche Ausbildung würden 140 bis 160 Vollzeitstellen (beziehungsweise entsprechend Teilzeitstellen) geschaffen, sagt Klinikumssprecher Frank Schmälzle. Personalchefin Haackert sieht in der Ärzteausbildung am Klinikum Bayreuth „ein tolles Pfund, mit dem wir wuchern können“.

39 Pflegestellen unbesetzt

Wie will sie neue Fachkräfte gewinnen, wenn schon jetzt allein im Pflegebereich am Klinikum 39 Vollzeitstellen unbesetzt sind? Auf jeden Fall nicht mehr so wie früher, als Personaler einfach nur Anzeigen schalteten und abwarteten, was passiert, sagt Haackert und verrät einige ihrer Ideen: „Ein Bewerbermarkt muss bearbeitet werden wie ein Produktmarkt.“ Haackert sieht in möglichen Bewerbern „Kunden“, die man aktiv ansprechen müsse, für die man eine Datenbank pflegen und deren Lebensläufe - sofern frei zugänglich – man kaufen könne. Vielen Bewerbern sei zum Beispiel wichtig, wie mit ihrer Bewerbung umgegangen werde, ob eine Bewerbung wochenlang herumgereicht werde, ohne dass sie Rückmeldung erhalten. Bei neu angestellten Mitarbeitern komme es darauf an, schon in den ersten Tagen eine Bindung zum Unternehmen herzustellen. Haackerts Vision: Statt der üblichen Zettelwirtschaft mit unübersichtlichen Checklisten für jeden neuen Mitarbeiter ein Konto im Computernetzwerk schaffen, über das er seine persönlichen Nachrichten, seine Gehaltsbelege und Termine der Personalverwaltung erhalten kann.

Tankgutscheine und bessere Weiterbildung

Mitarbeiterbindung werde immer wichtiger, aber von Maßnahmen mit der Gießkanne hält sie nichts. Zusammen mit dem Betriebsrat will sie überlegen, welcher Gruppe von Beschäftigten man was anbieten könne. Vorstellen kann sie sich zum Beispiel bessere Weiterbildungsmöglichkeiten für Assistenzärzte, neue Arbeitszeitmodelle für Mediziner oder auch Waren- und Tankgutscheine für manche Mitarbeiter.

Eine Schlüsselstelle

Was das Thema Bindung betrifft: Petra Haackert hat sich in Bayreuth eingemietet und fährt am Wochenende nach Hause in den Chiemgau. Personaler stellen gerne die Frage, was ein Bewerber in fünf Jahren erreicht haben will – wie ist das bei Haackert? Einen funktionierenden Medizincampus und ein Arbeitsumfeld, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen, antwortet sie. Und Klinikumssprecher Schmälzle betont, der Erfolg der Personalchefin sei ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Klinikums. „Wer nicht genug medizinische Fachkräfte hat, muss in letzter Konsequenz Betten abbauen und kann in einen Abwärtsstrudel geraten.“

 

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