Klinikum Bayreuth Merk-Erbe weist Pirkelmann-Kritik zurück

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BAYREUTH. Er könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, um jede Information betteln zu müssen. Und einfach nur vorgegebene Beschlüsse abzunicken. Deshalb hat Edmund Pirkelmann seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat des Klinikums Bayreuth erklärt. Was bei dessen Vorsitzenden nur  bedingt  auf  Verständnis  stößt.

Das Klinikum kommt nicht zur Ruhe. Jetzt gibt es Turbulenzen im Aufsichtsrat. Foto: Nils Katzenstein Quelle: Unbekannt

Abgezeichnet habe sich diese Entscheidung schon länger, so der 64-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn: „Rechtschaffene Menschen sind da wohl nur noch bedingt erwünscht.“ Menschen also, die nachfragen, die wissen wollen, über was sie da eigentlich befinden sollen. Was ihn zudem stört, sei der Umgang mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat; „Wer Mängel aufdeckt, erhält einen Tritt.“ Seinen Wunsch, einen Vertreter aus diesen Reihen in den Aufsichtsrat zu holen, habe man schlichtweg ignoriert. Und damit irgendwie auch die Bürger, als deren Vertreter sich Pirkelmann, der für die Kreistags-Fraktion der Freien Wähler im Aufsichtsrat saß, versteht.

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Was das Fass zum Überlaufen brachte

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich aus Pirkelmanns Sicht das Verhalten des Klinikums gegenüber demgekündigten Ärzte-Ehepaar: „Da gibt es ein Endurteil, das den Ärzten Recht gibt – und dann geht man in Berufung, um die beiden endgültig auszubooten.“ Denn diese würden einen längeren Rechtsstreit wohl finanziell nicht verkraften, „die stehen damit an der Wand“. Wie auch die betroffenen Eltern epilepsiekranker Kinder. Das könne und wolle er nicht mittragen: „Wir stehen in der Verantwortung für die Bevölkerung.“ Und dann stehe man „machtlos“ vor solchen Entscheidungen, die man nicht nachvollziehen könne. „Da muss man dann auch als Aufsichtsrat den Arsch in der Hose haben und sagen, ich gehe diesen Weg nicht mit.“

Nur abnicken geht nicht

Denn Aufsichtsräte seien nicht nur dazu da, brav zuzuhören und dann bei Bedarf zustimmend die Hand zu heben. Sondern sie hätten eine Kontrollfunktion – „die uns aber aus der Hand genommen wird, weil man uns so gut wie keine Informationen gibt“. Es fehle in jeder Hinsicht an Transparenz. Wenn er so als Bürgermeister in der Waischenfelder Stadtpolitik handeln würde, „wäre ich längst unten durch, ich binde immer alle mit ein, so muss das auch sein“.

OB: Es gibt sehr wohl Infos

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Vorsitzende des Aufsichtsrats, bedauert Pirkelmanns Schritt: „Ich schätze ihn, er hat sich im Aufsichtsrat immer engagiert.“ Die von ihm genannten Gründe weise sie jedoch zurück. Seine Aussage, dass hier rechtsschaffende Menschen nur noch bedingt erwünscht seien, diskreditiere das gesamte Gremium. Jedes Mitglied des Aufsichtsrats und der Zweckverbandsversammlung erhalte einen monatlichen Informationsbrief der Geschäftsführung zur wirtschaftlichen Entwicklung und allen wichtigen Entscheidungen enthalten. Die Geschäftsführung verbinde dieses Schreiben immer mit dem Angebot, Fragen oder Rückfragen zu stellen. Und: „Auch in den Gremien selbst wird mit Offenheit und Transparenz berichtet.“

Landrat: Völlig haltlos

Für ihren Stellvertreter, Landrat Hermann Hübner, kam Pirkelmanns Handeln „ja nicht wirklich überraschend, da er ihn schon mehrfach angekündigt hat“. Bei allem Verständnis für die notwendige kritische Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung, die zu den Hauptaufgaben der Aufsichtsratsmitglieder zähle, halte er die Begründung und die massiven Vorwürfe, die Pirkelmann nennt, für „völlig haltlos“. Hübner: „Mit derartiger ,Stimmungsmache’ wird unser Klinikum leider wieder einmal in Misskredit gebracht.“ Regelmäßig und eingehend würden die Aufsichtsräte über alles Wichtige informiert. Und: „In den Gremiensitzungen wird, soweit es die Aufgaben des Aufsichtsrates betrifft, stets mit Offenheit und Transparenz berichtet.“ Mit seinem pauschalen Rundumschlag bringe Pirkelmann „leider das gesamte Gremium in Verruf, ich weise dies in aller Schärfe zurück, da ich sehr schätze, mit welchem Engagement sich gerade der Aufsichtsrat mit den Zukunftsthemen des Klinikums beschäftigt“.

Fachmann von außen die Lösung?

Wer für Pirkelmann nachrückt, ist noch offen. „Wir werden uns da erst intern zusammensetzen und nach einer Lösung suchen müssen“, sagt Hans Hümmer, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Kreistag. Nachfolger könne jemand aus den eigenen Reihen sein, denkbar sei aber auch, „dass wir uns einen Fachmann von außen holen“. Vernichtend fällt sein Urteil zur Führung des Klinikums aus. Weder die Spitze des Zweckverbandes und des Aufsichtsrates noch die Geschäftsleitung „sind in der Lage, ein Haus dieser Größenordnung kompetent zu führen“.