Klimawandel Trockenzeit in Oberfranken: Es wird immer heißer

Ein ausgetrocknetes Maisfeld erinnert an den Hitze-Sommer 2015. Foto: Archiv/Ute Eschenbacher

Die Klimaexperten sahen es schon längst kommen: Die Temperatur steigt durch den vom Mensch verursachten Klimawandel kontinuierlich an. Mit Folgen für den Tourismus, den Wasserhaushalt und die Pflanzen- und Tierwelt.

Einen Überblick über den Klimawandel in Oberfranken gaben am Donnerstag der frühere Bayreuther Professor für Mikrometeorologie, Thomas Foken, und Privatdozent Johannes Lüers in der Vortragsreihe „Ökologie und Umweltforschung“ an der Universität Bayreuth. Organisiert wurde sie von Bayceer, dem Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung. Beide Referenten waren bis 2013 ein Team und führten verschiedene meteorologische Messreihen durch. Unter anderem errichteten sie eine Wetterstation im Ökologisch-Botanischen Garten. Sie verglichen auch die Standorte Hof, Fichtelberg, Bayreuth und Bamberg.

Fichtelgebirge: Tage mit geschlossener Schneedecke seltener

Der Klimawandel habe weitgehend in ganz Oberfranken zu einem Temperaturanstieg um die zwei Grad geführt. Die Zonen mit gleichbleibender Temperatur hätten sich dabei um 300 Höhenmeter verschoben. Die Tage mit geschlossener Schneedecke gingen drastisch zurück. Was zunehmend Auswirkungen auf den Wintertourismus im Fichtelgebirge habe, so Foken. Die Tage mit einer größer als 15 Zentimeter hohen Schneedecke nehmen seit 1961 von Dekade zu Dekade ab, zeigte der Wissenschaftler auf. Nach kurzen Perioden mit Schnee setze gleich wieder Tauwetter ein.

Die kalten Januar-Monate, also Mitteltemperaturen unter minus drei Grad, bei denen die Schneedecke nie vollständig taut, werden weniger. Selbst in den Höhenlagen des Ochsenkopfs würden sie abnehmen. Während die Bergstation Ochsenkopf Nord die Schneesicherheit noch erreiche, treffe das für die anderen Lifte wie Bleaml Alm und Klausenlifte nicht mehr zu. „Wir werden dort keine lang liegende Schneedecke mehr haben.“

Frühjahr: Weniger Regen, höhere Temperaturen

Auf der anderen Seite sei zu beobachten, dass die Monate März und April zunehmend trockener werden. Der Aprilniederschlag sei seit sechzig Jahren um ein Drittel geringer. Dies führe zu einem Bodenwassergehalt unter der Feldkapazität. Was bedeute, in die Tiefe erfolge kein Wassertransport. Gleichzeitig nehmen die Sommertage bei Temperaturen über 25 Grad zu und haben sich in den vergangenen sechzig Jahren verdoppelt. Die heißen Tage, Temperaturen über 30 Grad,haben sich sogar verdreifacht. Sehr heiße Tage, mit Werten über 35 Grad, werden überhaupt erst seit 40 Jahren gemessen.

In den Jahren 1994, 2003, 2015, 2018 und 2019 wurde solche sehr heißen Tage gemessen. „In der Zukunft ist es möglich, dass wir ab März bis in den Dezember Sommertage haben“, sagte Foken. Auch für dieses Jahr sei wieder ein Rekord zu erwarten. Die ausgeprägte Frühjahrstrockenheit bemerken die Klimaforscher seit über 20 Jahren. So sei die im Moment in Indien herrschende Hitzewelle kein Zufall.

Extreme Wetterphänomene treten verstärkt auf

Die Hitzephasen im Frühjahr würden häufiger werden. „Das wird für unser ganzes Leben eine große Rolle spielen.“ Dabei werde es in Zukunft Monate geben, in denen so gut wie kein Regen falle. Und dann wieder Tage, in denen in sehr kurzer Zeit starke Niederschläge vorkommen. Der Starkregen könne mit Hochwasserereignissen erhebliche Folgen haben. „Diese Phänomene werden sich verstärken.“ So werde es Zeiten geben, in denen im Frühjahr das Wasser fehle und auch die Winter unterdurchschnittlich trocken sind. Die Jahresmitteltemperatur in Fichtelberg ist zum Beispiel inzwischen so hoch wie die in Bamberg in den sechziger Jahren.

Wetterlagen wie blockierende Hochdruckgebiete führten ebenfalls zu extremen Wetterereignissen in Europa in 100 Kilometer Abstand. Dazu zählen die Klimaforscher trockene und überwiegend warme bis extrem warme Hitzeperioden, lokale Zonen mit extremen Schauern, Gewittern mit Hagel, Tornados und Hochwasser und lang anhaltende Regenfälle mit Hochwassergefahr an großen Flüssen.

Frost wird bleiben: Keine Mediterrane Pflanzen

Da die Trockenphasen zunehmen, geraten auch die Pflanzen unter Stress. Beim Waldumbau sei daher zu berücksichtigen, dass es weiterhin Fröste geben werde. „Mediterrane Pflanzen werden wir bei uns nicht haben.“ Naturbelassene Wälder würden den Klimawandel am besten vertragen. Im Fichtelgebirge sei bereits eine Zunahme der Verdunstung zu bemerken, wodurch die Belastungsgrenzen der Ökosysteme überschritten werden.

Fokens Prognose: Bis 2050 ist mit einer Zunahme der Temperaturen um drei Grad zu rechnen. Wenn das Pariser Abkommen nicht eingehalten werde, gehe er von vier Grad aus. Die lokale Temperaturerhöhung sei fast doppelt so hoch wie die globale Temperaturerhöhung.

Hintergrund:

Die Studierenden der Uni Bayreuth treibt das Thema Klimawandel ebenfalls um. So fand zu Beginn des Sommersemesters die Klimawoche auf dem Campus statt. Organisiert wurde sie vom Sprecherrat für Technik, Umwelt, Mobilität Infrastruktur im Studierendenparlament zusammen mit dem Referat für Nachhaltigkeit. Über 20 Initiativen aus Stadt und Uni beteiligten sich beim Rondelltag und stellten sich vor.

Die Klimawoche umfasste Vorträge, Workshops und Diskussionen, Planspiele und Führungen, bis hin zu Gärtnerangeboten. Zur Diskussion über nachhaltiges Wirtschaften waren rund 40 Zuhörer gekommen. „Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung bei der Bewältigung der Klimakrise. Ohne Dialog und Kreativität werden wir das nicht schaffen und diese Denkprozesse wollten wir anstoßen“, stellt Caro Ow fest.

Mit Sprecherrat Luca Thomas entwickelte sie das Programm. Thomas hätte sich ein wenig mehr Resonanz gewünscht, doch der Rondelltag und die Podiumsdiskussion seien ganz gut besucht gewesen. Die Uni müsse weiter an ihrer Nachhaltigkeitsstrategie arbeiten, findet er. Wozu auch ein Campus-Nachhaltigkeitsmanager gehöre, der bis Ende 2021 eingestellt werden sollte, aber noch immer nicht da sei.

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